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Arizona Cardinals – Reif Für Den Titel?

ARIZONA CARDINALS – REIF FÜR DEN TITEL?

Die Arizona Cardinals 2021 sind ein Paradebeispiel, wie schnell es für ein Team gehen kann, wenn man die richtigen Moves tätigt. Nachdem man Quarterback Kyler Murray (24) 2019 als erstes Auswählte, beschäftigte man sich in den Folgejahren damit, um ihn herum eine schlagfertige Truppe aufzubauen. Nun fängt das Team an und zahlt diesem Konzept erste Dividenden zurück. Murray und seine Offensive agieren auf einem komplett anderem Niveau, als in den Jahren zuvor. Hier hat man einiges richtig gemacht. Nun führen die Cardinals mit einer Bilanz von 9 – 2 – 0 die stark umkämpfte NFC West an und haben sogar ernste Chancen bereits in diesem Jahr ein Wörtchen um den Titel mit zu sprechen. Wir haben uns die Situation in Arizona etwas genauer angeschaut.

ÜBERLEGTE OFFSEASON

Was mir bei den Cardinals besonders gefällt ist, dass man sich in den letzten Jahren in der Offseason genau angeschaut hat, was dem Team fehlt oder man gebrauchen könnte. Schräubchen wurden entsprechend angezogen oder getauscht und so hat man nun ein solides Konstrukt geschaffen. Hauptverantwortlich für diese Entwicklung ist neben Head Coach Kliff Kingsbury (42), General Manager Steve Keim (49). Keim ist seit 9 Jahren in seinem Amt und somit auch für die Ernennung Kingsbury vor drei Jahren verantwortlich. Es scheint so als liegen hier zwei der Hauptverantwortlichen auf einer ähnlichen Wellenlänge. Man ist in der Lage gut zu analysieren und einschätzen zu können, was dem Team fehlt oder was benötigt wird. Schaut man sich alleine diese Offseason an, dann ist das wohl eine der Besten aller NFL Teams in den vergangenen Jahren.

Mit dem Trade für Pro Bowl O-Liner Rodney Hudson (32, C) schaffte man die wichtige Front der Offensive zu stabilisieren. Ebenso wurde viel über die Verpflichtung von Star Defensive End J.J. Watt (32) gesprochen. Auch ich war auf Anhieb etwas überrascht, warum sich Watt ausgerechnet für die Cardinals entschied. Mit einem Blick auf das Gesamtbild, dann kann man hier ganz klar sagen, dass es sich um eine Win-Win-Situation für Franchise und Spieler handelt. Der Spieler wird in den kommenden beiden Jahren sicherlich um den Titel mitspielen und wird dabei noch fürstlich mit knapp $28.000.000 entlohnt. Das Team hingegen bekommt Leadership und einen erfahrenen Veteranen, der von den gegnerischen O-Lines gefürchtet wird! Aber einer, der bis dato wohl wichtigste und von vielen zuvor am meisten kritisierteste Move, war die Verpflichtung von A.J. Green (33, WR). Zugegeben die Kritik ist nachvollziehbar, denn A.J. Green ist bekannt für seine Verletzungsanfälligkeit. Wie die Cards ihn bisher aber einsetzten ist absolut lobenswert.

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Green war jahrelang der Nummer eins Wide Out der Cincinnati Bengals. Entsprechend musste er eine Workload an den Tag legen, welche sein Körper mit voranschreiten seiner Karriere offenbar nicht mehr leisten konnte. Der talentierte und schnelle Passempfänger fehlte in den letzten Jahren immer wieder verletzungsbedingt. Niemand kann auf Dauer auf sein Top-Target verzichten, um erfolgreich zu sein. Als die Bengals den Vertrag seines jahrelangen Leistungsträgers nicht verlängerten, schlugen die Cardinals zu. Bewusst holte man Green jedoch nicht als Top-Receiver, sondern wollte ihn etwas reduzierter in das eigene Spiel als einer von vielen etablieren und integrieren. So wurde seine Arbeitsleistung reduziert. Beim Team aus der Wüste ist der Wide Receiver trotzdem genauso geschätzt wie in Cincinnati, aber man hat eben auch noch andere talentierte Spieler, welche ebenfalls oft eingesetzt werden. Diese Flexibilität und Arbeitsteilung scheint auch dem Körper von Green zuzusagen.

Ein weiterer Spieler, der die Offensive auf Anhieb bereicherte ist James Conner (26, RB). Seine brachiale und vor allem taffe Spielweise haben eine gewisse Härte in das Offensive Backfield gebracht. Zusätzlich sorgt er für eine notwendige Tiefe auf dieser Position, was man aktuell durch den Ausfall von 3rd Down Runningback Chase Edmonds (25, RB) merkt. Man hatte außerdem auch ein gutes Gefühl zwischen der Balance erfahrene Veteranen zu holen und im Draft auf junge Talente zu setzen. Erst-Runden-Pick Zaven Collins (22, ILB) hat bereits Ansätze gezeigt, dass hier noch mehr zu erwarten ist. Wer jedoch die Fans in Arizona besonders begeistert ist Rookie Cornerback Marco Wilson (22, CB). Wilson wurde ins kalte Wasser geworfen und hat sofort zu schwimmen begonnen. Freilich passieren auch ihm noch Fehler, aber die Lernkurve zeigt deutlich in die richtige Richtung. Trotz all dieser Akquisitionen blieb man vor der Saison unter dem Radar. Sicherlich hat auch dies zum aktuellen Erfolg beigetragen. Wäre das Team bereits in der Offseason über den Klee gelobt worden oder gar mit einem potenziellen Super Bowl in Verbindung gebracht, hätte sich unnötiger Druck gebildet. Und das Teams an den eigenen Erwartungen zerbrechen, konnte man in den letzten Jahren bei den Cleveland Browns sehen.

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BEGEISTERNDE OFFENSE

Wo die Cardinals wahrscheinlich den größten Schritt nach vorne gemacht haben, ist das Offensivspiel. Das Team setzt seine Waffen gekonnt ein und weiß um seine Stärken. Auf der Läuferposition hat man Tiefe, so dass auch mal Ausfälle akkurat kompensiert werden können. Ebenso weiß man auch um die individuellen Fähigkeiten und variablen Möglichkeiten rund um Kyler Murray. Murray ist so unglaublich schnell und wendig, wie kaum ein anderer Spieler auf seiner Position. Dass der Spielmacher selbst auch laufen kann, ist etwas, womit die Defensiven zu jeder Zeit rechnen müssen und das man es aus diesem Grund nicht übertreibt ist so genial. Natürlich darf Murray auch mal laufen, nutzt dies aber zumeist eher um einen Sack zu vermeiden und um dann seinen Passempfänger doch noch irgendwo zu finden. Anders als ein Lamar Jackson (24, QB) von den Baltimore Ravens, verzichtet Murray auf die eigenen läuferischen Fähigkeiten wenn möglich. Das macht ihn in meinen Augen noch unausrechenbarer als Jackson und passt zum Gesamtkonzept der Cardinals. Was die Offensive so stark erscheinen lässt ist nämlich, dass man als komplettes Team agiert. Es gibt nicht einen Top-Spieler, der über Allem ragt.

Selbst das Kronjuwel der Offense in DeAndre Hopkins (29, WR) kann bis dato für sich noch kein 100+ Yards Game 2021 verbuchen. Hopkins hat sich vollends dem Team untergeordnet und fungiert hier trotzdem nicht ungefährlicher als in den Jahren zuvor. Schließlich wurde er auch schon siebenmal in der Endzone gefunden! Jemand, der in dieser Spielweise richtig aufblüht, ist Rookie Wide Receiver Rondale Moore (21). Der 2. Runden Pick hat mit 47 Receptions immerhin die zweitmeisten des gesamten Teams! Gleiches gilt für Christian Kirk (25, WR). Kirk dürfte sich über die Verpflichtung Greens und dem Pick Moores am meisten gefreut und profitiert haben. Da man nun wieder auf den Außen mehr Optionen hat, kann Kirk wieder zu seiner etatmäßigen Position zurück, in den Slot! Letztes Jahr musste Kirk mangels Alternativen auch immer wieder auf die Außen weichen. Das er jedoch im Slot besser aufgehoben ist, zeigt seine bisherige Bilanz. Mittlerweile steht er schon bei knapp den gleichen Zahlen an Receptions und Yards Raumgewinn, wie in der gesamten letzten Spielzeit! Insgesamt kann die Balance des Teams in der Offensive kaum besser sein. Sowohl im Passspiel, als auch im Laufspiel gehört man zu den Top 10 Teams! Im Laufspiel gibt es sogar kaum ein besseres Team. Mit 17 TD’s auf dem Boden ist man sogar das beste Team der Liga!

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DEFENSIVE NICHT ZU VERACHTEN

Was aber die Cardinals wirklich als heißer Super Bowl Kandidat erscheinen lässt, ist die Tatsache, dass man nicht nur den Ball außerordentlich gut bewegt, sondern eben auch brillant verteidigt! Denn mindestens genauso stark wie die Offense ist die Defense! Genau das macht vielen Teams auch Angst. Man spricht von einem Team mit kaum Schwächen! Da man beide Seiten des Balles in Pass und Laufspiel unterteilen muss, hat man hier also unter Umständen vier Baustellen zu bewältigen. Bei den Arizona Cardinals in dieser Saison kann man jedoch bei keinem dieser Punkte im Vergleich zu den anderen Teams eine wirkliche Schwäche ausmachen! Wenn wir hier von Schwächen sprechen wollen, dann ist es so, dass das Team oftmals über den Boden Yards zulässt. Allerdings befindet man sich auch hier auf einem ordentlichen 18. Rang im Vergleich zu den anderen 32 Teams. Schaut man sich dann allerdings auch an, was man an Punkte gegen sich bekommt, ist dies schon wieder eine vollkommen nichtssagenden Statistik. Was nämlich Touchdowns über dem Boden angeht ist man das viertbeste Team!

Somit ist der einzige kleinere Kritikpunkt auf einem ganz, ganz hohen Niveau die etwas fehlende Effizienz bei den gegnerischen Drives! Prozentual gesehen, gehen die gegnerischen Teams auf die Drives herunter gebrochen zu häufig mit Punkten vom Feld. Auch wenn es sich dabei dann zu meist um Field Goals handelt, möchte man natürlich Drives der Gegner mit Punkten vermeiden. Letztlich muss man aber auch hier sagen, dass es am Ende vollkommen egal ist, ob man am Ende ein Field Goal zulässt, wenn man selbst im nächsten Drive einen Touchdown erzielt. Deshalb funktioniert das Spiel der Cardinals auch ohne größere Probleme. Ihr merkt aber sicherlich selbst, wenn dies als eine der Schwächen des Teams von mir hier angebracht werden muss, dann zeigt dass auf welch überragendem Niveau das Team momentan agiert. Was wir bisher in der Regular Season sehen ist absolute Spitzenklassen. Allerdings muss man aufpassen, was in den Playoffs passiert. Das Team ist noch recht jung und die Leistungsträger haben noch recht wenig Playoff Erfahrung. Daher muss man hier abwarten was wirklich in der Postseason passiert wenn es heißt „Win or go home!“ Allerdings lässt sich nicht verachten, dass sich die Arizona Cardinals ein großes Super Bowl Fenster in dieser Saison geöffnet haben und auch in den kommenden Jahren ein Wörtchen mitsprechen wollen!

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