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Atlanta Falcons – Entgegen aller Erwartungen

Atlanta Falcons – Entgegen aller Erwartungen

Vor der Saison galten die Atlanta Falcons dieses Jahr als ein ganz heißer Titelaspirant. Mit einem durchweg stark besetzten Kader und großen Persönlichkeiten schienen sie als einer der Kandidaten auf die Vince-Lombardy-Trophy. Doch einige Verletzungen später befinden sie sich abgeschlagen auf dem letzten Platz der NFC-South. Warum konnte das Team den Erwartungen nicht gerecht werden? Und weshalb kam man sogar gegen Teams wie die Cincinnati Bengals oder die Baltimore Ravens unter die Räder?

Ein Rückblick

Bereits in der Spielzeit 2016 stand man so kurz davor den großen Wurf zu landen. Im Finale gegen die New England Patriots spielten Matt Ryan (33, QB) und Co. eine grandiose Partie und schienen den Patrioten zur Halbzeit keine Chance zu lassen. Mit 21:0 ging es in die Pause, doch als die Teams wieder aus den Katakomben kamen schienen die Akteure wie ausgewechselt. Die Folge: Die Männer rund um Tom Brady (41, QB) schafften eines der größten Comebacks der Sportgeschichte und brachten die Partie noch in die Overtime. Der Rest ist Geschichte, die Trophäe wanderte schlussendlich zum fünften Mal nach Foxborough.

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Die Niederlage im Super-Bowl wirkte wie ein Schlag ins Gesicht der Franchise. Das Jahr nach der Finalteilnahme beendeten die Falcons zwar mit einem Verhältnis von zehn Siegen zu sechs Niederlagen, wirkten aber nichtmehr wie der frühere Überflieger, der schier alles überrollte. In der Divisional-Round ging es dann gegen den späteren Champion, die Philadelphia Eagles, welche das Ende für die Postseason bedeutete.

Neues Jahr, kein neues Glück

Im Februar folgte der NFL-Draft. Sieben Spieler fanden insgesamt den Weg nach Atlanta, von denen besonders drei noch auf sich aufmerksam machen sollten. Ito Smith (23, RB), Foyesade Oluokun (23, LB) und zu guter Letzt Calvin Ridley (23, WR) sollten schon bald für Furore sorgen.

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In Woche eins dieses Jahres hieß der Gegner erneut Philadelphia. Wieder war man unterlegen und startete somit alles andere als vielversprechend. Eine Woche später triumphierten die Falcons gegen die Carolina Panthers, den Rivalen aus der eigenen Divison. Was bei einem Standing von eins zu eins folgte war ein Albtraum für die Anhänger Atlantas. Nach drei Niederlagen in Folge wurde man in der NFC-South förmlich nach unten durchgereicht.

Danach folgte eine Hiobs-Botschaft nach der anderen. Mehrere wichtige Leistungsträger in der Defensive verletzten sich, teilweise sogar über die Saison hinaus. Wegen eines Achillessehnenrisses bei Cornerback Ricardo Allen (26) und eines Kreuzbandrisses bei Safety Keanu Neal (23), war für die beiden wichtigsten Defensive-Backs die Saison schon bald vorzeitig beendet. Darauf folgte auch noch eine Fußverletzung bei Linebacker Deion Jones (24), welche ihn den Großteil der Saison verpassen lies. Diese Lücke sollte der Rookie Oluokun füllen. Der sechstrunden-Pick übertraf viele Erwartungen und führt nun intern die Rangliste mit den meisten Tackles an. Dennoch ist ein Deion Jones nochmal ein ganz anderes Kaliber.

Dass die Stamm-Akteure allesamt unersetzbar für die Defensive sind zeigten auch die folgenden Partien. Zwar konnte Atlanta auch eine kurze Siegesserie für sich verzeichnen, bleiben aber nun schon seit Woche neun ohne Sieg. Die Pläne für die Playoffs wurden wohl schon vor zwei Wochen begraben.

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Doch auch Offensiv musste ein Rookie schon sehr bald Verantwortung übernehmen. Nach der Verletzung von Devonta Freeman (26, RB) wurde Rookie-Runningback Ito Smith mehr und mehr eingesetzt und brachte es bis jetzt auf 221 Rushing-Yards und vier erlaufenen Touchdowns.

Vorne hui, hinten pfui

Schaut man sich die Spiele und Statistiken etwas genauer an, fällt einem auf, dass Atlanta weiterhin eine der schlagfertigsten Offensiven der NFL stellt. Im Passspiel kann den Falcons kaum einer das Wasser reichen, hier belegen sie Platz fünf in der gesamten Liga. Im Mittelpunkt der Offensive dreht sich natürlich alles um Spielmacher Matt Ryan (33, QB) und Superstar Julio Jones (29, WR), zwei der Besten ihrer jeweiligen Zunft.

Top 5 QBTeamPassing YardsTDINT
Ben RoethlisbergerPIT39452613
Patrick MahomesKC39234110
MATT RYANATL3814255
Jared GoffLAR3754277
Aaron RodgersGB3504211
Top 5 WRTeamReceptionsRec. YardsTD
JULIO JONESATL8613233
Adam ThielenMIN9811669
Mike EvansTB6611215
Michael ThomasNO9111208
Tyreek HillKC66111911

Doch nicht nur Jones liefert ab, das gesamte Feld der Passempfänger ist durch die Bank gut aufgestellt und kann sich durchaus sehen lassen. Waffen wie sie in Atlanta spielen, lassen wohl den ein oder anderen Offensive-Coordinator in der NFL vor Neid erblassen. Und auch unter den Passempfängern rückte ein Rookie schon sehr früh ins Rampenlicht. Celvin Ridley lieferte ein Traum-Debüt, lies wiederholte Male sein bemerkenswertes Talent aufblitzen und zeigte weshalb er schon in Runde eins gedraftet wurde.

SpielerReceptionsRec. YardsTD
Julio Jones (WR)8613233
Calvin Ridley (WR)506478
Mohamed Sanu (WR)455833
Austin Hooper (TE)605204
Tevin Coleman (RB)302715

Auf der anderen Seite des Balles kann die von Verletzungen geplagte Defensive nicht das halten, was sie sich noch vor der Spielzeit vorgenommen hatte. Gegen den Lauf können die Falken kaum einen Gegner aufhalten, als sechst-schlechtestes Team lassen sie im Schnitt 130,7 Lauf-Yards pro Partie zu. Besonders hier macht sich der Verlust von Defensive Tackle Dontari Poe (28) bemerkbar. Der Run-Stopper wurde im März in die Free-Agency entlassen, von wo die Carolina Panthers ihn anschließend aufschnappten.

Auch gegen das Passspiel geht kaum was. Hier befindet sich das Team unter den zehn schlechtesten Passverteidigungen insgesamt. Die Kontrahenten erwerfen nicht nur jede Menge Raumgewinn (263,5 Yards pro Spiel), sie erzielen auch jede Menge Punkte (27,8 Punkte pro Spiel). Schon jetzt wurden 25 Pässe in der Endzone der Falcons gefangen. Zum Vergleich: Die Minnesota Vikings und Jacksonville Jaguars führen hier die Statistik mit je 15 an.

Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass Siege komplett von den beiden Leistungsträgern in der Offensive, Jones und Ryan, abhängig sind. Laut den Statistiken des Quarterbacks, liefert er die zweitbeste Spielzeit seiner Karriere ab. Nur in seiner MVP-Saison 2016 war er noch besser. Er wäre wohl auch diesmal ein MVP-Aspirant, wenn sein Team einen Winning-Record verzeichnen könnte. Doch selbst wenn der viermalige Pro-Bowler einen Sahnetag erwischt, reicht das meist nicht zum Sieg. Die Verteidigung lässt einfach zu viel zu, punktet die Offensive dann nicht direkt im Gegenzug, sieht es düster aus.

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Saison bereits gelaufen

Entgegen der Ziele und Erwartungen vor diesem Jahr, steht Atlanta auf dem letzten Platz in der NFC-South. Das diese Division alles andere als ein Kinderspiel sein würde war klar, doch so abgeschlagen sah die Falcons kaum ein Experte. Die Pläne für 2019 werden aber sicherlich bereits jetzt geschmiedet, um erneut angreifen zu können. Insgesamt fehlt nicht viel um erneut ein Favorit auf den Titel zu sein, die meisten Bausteine sind  schon vorhanden. Nächstes Jahr heißt es dann wieder: Rise up!

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