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Atlanta Falcons – Schwere Zeiten

ATLANTA FALCONS – SCHWERE ZEITEN

Die Atlanta Falcons bekommen einfach kein Bein mehr auf den Boden. Nicht selten besitzen Teams ein bestimmtes „Super-Bowl-Fenster“ worauf die Strategie basiert, in dieser Zeit einen Super Bowl zu holen. Ähnliches fabrizieren aktuell die Tampa Bay Buccaneers, welche mit G.O.A.T. Tom Brady (44, QB) letztes Jahr den Titel holten und nun so lange wie möglich um den Titel mit spielen wollen. Die Falcons hingegen standen 2016 kurz vor dem großen Wurf. Nach einer 28 : 3 Führung gab man den fast schon sicher geglaubten Sieg, kurz vor Ende der Partie aus den Händen. Am Ende unterlag man in der Verlängerung den New England Patriots mit 34 : 28! Eine Geschichte die schon so oft erzählt wurde. Schaut man sich aber die letzten Jahre nach dieser Niederlage an, dann wirkt es als läge die starke Saison von 2016 schon weitaus länger zurück.

TIEFER FALL

Die Franchise kämpft seither darum, sich wieder zu berappen. Bislang scheint dies jedoch nicht zu gelingen. Obwohl man in Matt Ryan (36, QB) einen verlässlichen Franchise-Quarterback hat und in Julio Jones (32, WR) den besten Passempfänger der gesamten Liga hatte, schaffte man es nicht mehr die PS auf die Straße zu bekommen. Die Spielzeiten endeten trotz großem Potenzial in Enttäuschungen. Um nun so langsam einen neuen Weg einzuschlagen, wurde Jones in dieser Offseason an die Tennessee Titans abgegeben. Damit verlor man einen seiner verlässlichsten Akteure in der Offensive. Der Trade, wofür man neben Jones ein 6. Runden Auswahlrecht 2023 an die Titans abgab um im Gegenzug einen 2. Runden Pick 2022 und 4. Runden Pick 2023 zu erhalten, kam in Georgia überhaupt nicht gut an. Die Fans der Falcons sind vielerlei der Meinung, dass man mehr aus einem solchen Trade hätte herausholen müssen, bzw. man ihn alternativ auch hätte behalten können. Durch den Trade wollte die Franchise vor allem Geld für die Gehaltsobergrenze sparen, um in den kommenden Jahren flexibler zu sein.

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Bezeichnend ist auch ein Stück weit, dass Jones wohl selbst sogar um einen Trade gebeten hatte. Er sah womöglich nur noch wenig Potenzial in Atlanta erfolgreich zu sein. Möglicherweise ist er auch nun in ein Alter gekommen, wo er realisiert, dass er keine Zeit mehr hat um auf den ganz großen Triumph zu warten. So wusste er, dass er nur noch maximal zwei bis drei Jahre auf Topniveau haben wird. Entweder gewinnt er jetzt etwas, oder die Zeit ist vorbei. Nachdem die gesamte Organisation nicht den Anschein macht voller Euphorie zu sein, fällt es einem schwer, Jones den Wechsel übel zu nehmen. Freilich gehören viele Spieler und mehrere Mannschaftsteile zu einem ganzen Gefüge dazu. Trotzdem halte ich es für sehr bedenklich, wenn man kaum mehr erfolgreich ist und trotzdem in Matt Ryan einen der Besten seines Faches auf der wichtigsten Position hat. Zeitweise konnte Ryan sogar ähnliche Werte aufweisen, wie in seiner M.V.P. Saison von 2016. Trotzdem schaffte man es nicht im Kollektiv erfolgreich zu sein. Seit der Super Bowl Niederlage sammelte man nur noch 28 Siege in 64 Spielen! Mehr muss man dazu nicht sagen. Der Fall der Franchise ist tief. 

POTENZIAL WIRD NICHT ABGERUFEN

Trotz vorhandenem Potenzial, schaffte man es nicht mehr dieses auch dauerhaft auf das Grün zu bekommen. Letzte Saison warnten wir vor der Gefahr einer neuen „Verliereridentität“. Zu häufig gab das Team 2020 nahezu sichere Spiele wieder aus der Hand. Dies scheint nicht nur die Mannschaft, sondern die gesamte Franchise zu verunsichern. So tief steckt die Super Bowl Niederlage in der Franchise mittlerweile drin. Selbst wenn man im 4. Quarter noch souverän führt, wissen mittlerweile Gegner und Fans, dass immer noch alles möglich ist. Kaum ein Team verspielte in den vergangenen Jahren mehr Führungen wie die Falcons. Mit der diesjährigen Offseason wollte man also etwas durchwürfeln, um frisches Blut in den Kader zu bekommen. Spieler, die nicht von der Falcons Vergangenheit vorbelastet sind. Geklappt hat dies allerdings nur bedingt. Spieler mit denen teilweise die Verhandlungen schon weit fortgeschritten waren, machten am Ende einen Rückzieher und entschieden sich dann doch für ein anderes Team. Am Ende nahm das Team aus dem US-Bundesstaat Georgia wieder Kontakt zu bereits bekannten Gesichtern auf.

Hinzu kommt, dass man ohnehin keine großen Sprünge machen konnte. Kein Team investierte weniger in neue Spieler als die Atlanta Falcons. Nur knapp $7.500.000 sind fix verplant und für die „neuen“ Spieler garantiert. Das nächste Team hat zumindest doppelt so viel Geld wie die Falcons in die Hand genommen. Obwohl man sich also aktuell im Umbruch befindet und zu den schlechteren Teams der Liga gehört, beträgt der Raum bis zur Gehaltsobergrenze lediglich $2.500.000! Das sind herausfordernde Werte. So ist man fast gezwungen über den günstigsten Weg den Umbruch zu vollziehen und das ist der Draft. In dem man gute junge Spieler vom College holt, welche noch keine ganz dicken Schecks bekommen. Das lässt den Trade von Julio Jones auch in einem anderen Licht erscheinen. Der Starspieler mit Anfang 30 und einem satten Gehalt wurde für Draft-Picks in der Zukunft abgegeben. Der wichtigste Pick aus diesem Jahr wurde in einem potenziellen Nachfolger von Jones investiert, Kyle Pitts (20, TE)!

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HOFFNUNGSTRÄGER FÜR DIE ZUKUNFT

Pitts wurde im Draft in der 1. Runde an 5. Stelle ausgewählt. Abgesehen von den ganzen jungen Quarterbacks, welche früh ausgewählt wurden, galt der 1,98 Meter Hüne als heißestes Eisen im Feuer. Viel Lob prasselte auf den Passempfänger ein. Die Idee der Verantwortlichen, Matt Ryan eine Waffe zu geben und durch den erfahrenen Strippenzieher die Stärken des Youngsters gekonnt einzusetzen. In der ersten Partie konnten noch nicht ganz die Erwartungen erfüllt werden. 4 Receptions für 31 Yards ist nichts herausragendes. Genau hier gilt es aber zunächst Ruhe zu bewahren. Dem jungen Spieler muss Zeit gegeben werden, sich im Profigeschäft einzuleben. Ebenso müssen zunächst Passgeber und Empfänger eine gewisse Chemie aufbauen, um das Potenzial abzurufen. An sich bringt Pitts unglaublich viel Talent mit. Früher oder später wird er auch liefern, wenn ihm ein gutes Umfeld zur Entwicklung geboten wird. Angesichts der klaren 6 – 32 Niederlage gegen die Philadelphia Eagles, wird es aber wahrscheinlich nicht lange ruhig bleiben. Schließlich wird man in der NFL an Ergebnissen gemessen.

Zu allem Überfluss kommt es am Wochenende zu einem Wiedersehen mit Tom Brady. Der Altmeister empfängt die Falcons mit seinen Buccaneers und verwies erst jüngst in einem Social Media Video auf die 28 : 3 Führung der Falcons gegen ihn vor fünf Jahren im Super Bowl. Ob absichtlich oder nicht lassen wir dahin gestellt, aber Fakt ist, dass man am Wochenende einen guten Schritt zur Befreiung aus diesem Voodoo Zauber machen könnte. Ein Sieg gegen den amtierenden Super Bowl Champion mit Tom Brady im Zentrum des Geschehens würde für viel Ruhe in den eigenen vier Wänden sorgen. Falls dies misslingt, muss man trotzdem den Blick nach vorne richten. Mit den New York Giants, Washington Football Team und New York Jets warten dann nämlich drei Teams, welche in der letzten Saison auf einem ähnlichen Niveau wie die Falcons agierten. Hier wäre definitiv etwas zu holen. Aber irgendwie wäre es auch typisch für die Franchise, wenn man in einigen dieser Spiele lange führen würde, nur um kurz vor Schluss den Sieg am Ende doch noch aus den Händen zu geben. Es stehen weiterhin schwere Zeiten für Atlanta an!

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