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Baltimore Ravens – Fehlt Die Siegermentalität?

BALTIMORE RAVENS – FEHLT DIE SIEGERMENTALITÄT?

Letzte Saison präsentierten sich die Baltimore Ravens unfassbar stark. Mit einer unvergleichbaren Selbstverständlichkeit marschierten sie durch die Regular Season. Selbst im Vergleich mit dem späteren Super Bowl Champ, den Kansas City Chiefs, sahen viele die Ravens mit einer Nasenlänge in Front. 531 Punkten brachte man in 16 Saisonspielen aufs Board und war somit die Punktefabrik der NFL. Dahinter, beinahe schon abgeschlagen, standen die San Francisco 49ers mit 479 Punkten. Mit ihrer Smash Mouth Offense liefen sie ihre Gegner, einen nach dem Anderen, sprichwörtlich in Grund und Boden. Mit 14 Siegen bei gerade einmal zwei Niederlagen waren die Ravens der Favorit schlechthin auf die begehrte Vince Lombardi Trophy. Vor Woche 14 in dieser Saison rangiert man mit einem Standing von Sieben zu Fünf auf Platz drei in der AFC North. Ist die letztjährige Siegermentalität verschwunden?

Smash Mouth Football

Wie man die Ravens kennt, laufen sie den Ball auch in dieser Saison wieder überdurchschnittlich oft. Der Erfolg gab ihnen letztes Jahr auch recht, 3296 Rushing Yards standen am Ende auf der Habenseite. Dahinter, mit knapp 100 Versuchen weniger wiederum die 49ers, welche 2305 Rushing Yards zurücklegten, auf Platz drei die Tennessee Titans mit knapp über 2200 Yards am Boden. Mit einer herausragenden Effektivität von 5,5 Yards pro Lauf setzten den Ligahöchstwert. Mit ihrem Laufspiel stellten sie einige Rekorde in den Schatten. Zum Beispiel den von den New England Patriots im Jahr 1978 aufgestellten Rekord mit den meisten Rushing Yards in einer Spielzeit, der stand bis dato bei 3165 Yards.

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Natürlich wollte man an diese Erfolge anknüpfen und seine Stärken weiterhin so effektiv ausspielen, mit dem Hauptaugenmerk aufs Laufspiel. Dieses Jahr bewegen nur die Patriots den Ball noch öfter mit Läufen als Baltimore, an die Effektivität der Ravens kommen diese aber lange nicht heran. Denn auch jetzt kann kein anderes Team mehr Laufyards als die von Baltimore vorweisen, bis heute 2028 an der Zahl. Die beste Waffe die die Ravens bieten können ist der junge Dual Threat Quarterback Lamaar Jackson (23). Er ist auch diese Saison wieder der beste Rusher des Teams, noch vor den Runningbacks Gus Edwards (25), Rookie J.K. Dobbins (21) und Veteran Mark Ingram II (30).

SpielerLaufversucheYardsTD´s
Lamar Jackson1166694
Gus Edwards1014874
J.K. Dobbins834514
Mark Ingram II622602

X-Faktor Jackson

Durch das frühe Etablieren des Laufspiels in beinahe jeder Partie, konnte man sich die Gegner 2019 offensiv zurechtlegen wie man es gerade brauchte. Dann war es an der Zeit jede Menge Read Option, sowie Play Action Spielzügen ins Play Calling einzubauen. Im vergangenen Jahr präsentierte sich Lamar Jackson dann besonders stark. Schon bevor er überhaupt nur einen Pass in der NFL warf, wurde er von sämtlichen Experten regelrecht zerpflückt. Er sei zu schlecht im Passing Game, man hätte ihn besser als Runningback draften sollen und, und, und. Letztes Jahr strafte er all diese Kritiker ab und krönte seine grandiose Saison schelmisch mit der Aussage: „Nicht schlecht für einen Runningback, nicht war!?“ Schlussendlich wurde er mit 100% der Stimmen noch zum MVP der regulären Saison gekürt und krönte sein phänomenales Jahr.

JahrSpiele CompletionsYardsTD´sINT
2019111872055177
2020152653127366

Das Passspiel lässt dieses Jahr allerdings noch zu wünschen übrig. Nach der Überflieger Saison scheinen sich gegnerische Defensiven und Defensive Koordinatoren auf die vielen Option Spielzüge der Offensive eingestellt zu haben. Der Quarterback bekommt deutlich öfter Druck und bringt wesentlich weniger Bälle an den Mann als noch im Vorjahr. Natürlich kennt man ihn jetzt besser in der Liga, dass es früher oder später ein Gegenmittel für diese unfassbare Dominanz geben würde war auch abzusehen. Dennoch ist im Passspiel ein fast schon zu deutlicher Einbruch festzustellen. Es wird für Jackson eben nicht einfacher in der Liga.

Ein Grund dafür ist auch der Verlust eines seiner besten Beschützer. Guard Mashal Yanda (36) beendete seine Karriere in der Offseason und hinterließ in der Offensive Line in Baltimore eine riesengroße, schwer zu füllende Lücke. Er war sehr vielseitig einsetzbar und lief in seiner Karriere auf allen Positionen der Offensive Line auf, bis auf die des Centers. Bemerkbar macht sich der Verlust besonders im Vergleich der Sack Statistiken. So wurde Lamar Jackson 2019 in 15 Partien nur 23 Mal niedergerungen. Also nur 1,53 hergegebene Quarterback Sacks pro Begegnung. Ein sehr guter Wert. In den elf Partien in denen der agile Quarterback 2020 startete, wurde er schon jetzt 24 Mal zu Boden gebracht. Mit 2,18 immer noch kein unterirdischer Wert, mittlerweile aber auch der zwölft schlechteste der NFL. Schaut man sich ein Spiel der Ravens an, ist beim Passspiel die fehlende Ruhe und mehr Hektik als noch 2019 deutlich zu sehen.

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Dennoch gelingt es Lamar den Ball auf Viele seiner Receiver zu verteilen. Es gibt zwar keinen klaren Nummer Eins Empfänger, oder Star Receiver, den hatte man aber auch letztes Jahr nicht nötig. Wie auch 2019 ist Tight End Mark Andrews (24) die liebste Anspielstation des Quarterbacks, besonders in der Redzone erweist sich dieser als beinahe unverzichtbar und stellt ein großes Ziel. In den letzten beiden Partien wurde der 1,96 Meter Mann auf die Covid Liste gesetzt und fehlte daher. Am kommenden Montag wird er aber wieder auflaufen und erneut eine wichtige Anspielstation für seinen Quarterback geben. Um sich im Passspiel zu verstärken holte man außerdem Dez Bryant (32) aus der Free Agency. Der Wide Receiver hatte seit 2017 keinen Pass mehr in der NFL gefangen. Kein Wunder, dass er etwas rostig wirkt. Dennoch hatte man sich mit diesem Akteur wohl etwas mehr erhofft als vier Catches für magere 28 Yards. Momentan sorgt er aber für mehr Aufsehen durch seine Aktionen neben dem Feld.

Bend but don´t break

Die einstige Non Plus Ultra Defensive der Ravens kann dieses Jahr nicht so überzeugen wie die letzten. Man kann aber auch wirklich nicht von einer schlechten Verteidigung sprechen. Geht man die Positionsgruppen einzeln durch offenbaren sich Stärken und Schwächen allerdings wie Berge und Täler. Ganz im Gegensatz zu den Defenses der Pittsburgh Steelers und Indianapolis Colts, die auf beinahe jeder Position erstklassig besetzt sind. Schaut man auf die zugelassenen Yards, belegt Baltimore nur einen Mittelfeldplatz. Durch die Luft lassen sie die 13nd wenigsten Yards zu, am Boden die zwölft wenigsten. Geht es allerdings in Richtung Endzone tut sich eine große Stärke auf, die Redzone Defense. Nur 17 Passing Touchdowns ließ man hier zu, die fünft wenigsten aller Teams, wie auch über den Lauf wo man bisher acht Touchdowns zu ließ.

In Punkto Turnover zeigt man erneut zwei Gesichter. Mit 7 Interceptions rangiert man im letzten Viertel der Liga, die 21 Forced Fumbles sind wiederum Bestwert in der National Football League. Elf davon konnte man für sich gewinnen, drei sogar in die gegnerische Endzone tragen. Die größte Schwachstelle der Defensive ist überraschenderweise der Pass Rush, damit hätte vor der Saison wohl kaum einer gerechnet. 28 Sacks, das ist nur Platz 18 in der NFL. Kein Pass Rusher kann mehr als vier davon vorweißen und irgendwie herausstechen. Dabei hatte man sich gerade hier in der Offseason einen namhaften Neuzugang gesichert. Defensive End Calais Campbell (34) wurde verpflichtet und kam nach drei sehr erfolgreichen Jahren von den Jacksonville Jaguars. Er ist momentan Sack Leader in Baltimore, drei seiner vier Sacks gelangen ihm gegen die schwachen Philadelphia Eagles, die restliche Saison war es bisher sehr ruhig um den Hünen. Noch vor der Trade Deadline holte man Yannick Ngakoue (25) mit ins Boot. Er kam aus der NFC North, von den Minnesota Vikings und mit fünf Sacks auf dem Konto. Für die Ravens gelang ihm bisher allerdings nur ein weiterer.

Für die Zukunft hat die Franchise in diesjährigen Draft aber schon gut vorgesorgt. Allen voran steht Rookie Linebacker Patrick Queen (21), den man sich in Runde eins an Stelle 28 angelte. Fast schon ein Steal. Der blutjunge Verteidiger hat beinahe keine Schwächen und ist der moderne Prototyp Linebacker schlechthin. Mit 84 Tackles hat der die meisten der Ravens, mit sechs Tackles für Raumverlust liegt er teamintern an Rang drei. In seinem ersten Jahr kann er außerdem schon jetzt zwei Sacks, zwei Pass Deflections, eine Interception, zwei Forced Fumbles, zwei gesicherte Fumbles sowie einen Fumble Return Touchdown auf die Habenseite schreiben. Von ihm werden wir auch in der Zukunft noch jede Menge Defensiv Action sehen.

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Playoffs müssen Ziel sein

Momentan stehen die Ravens nicht auf einem Playoff Platz, in der eigenen Divison stehen die Steelers uneinholbar auf Rang eins und die Cleveland Browns auf Rang zwei. Die Hoffnung liegt also auch auf Schützenhilfe anderer Teams. Einen großen Schritt in Richtung Postseason können sie im Monday Night Game aber schon machen, den dort treffen sie auf die direkte Konkurrenz aus Cleveland. Diese müssen nicht eingeholt werden um sich einen Playoff Platz zu sichern, man muss am Ende in der gesamten AFC nur an den Indianapolis Colts und den Miami Dolphins vorbeiziehen, welche beide bei acht Siegen und vier Niederlagen stehen.

SeedTeam Standing
1Pittsburgh Steelers11-1
2Kansas City Chiefs11-1
3Buffalo Bills9-3
4Tennessee Titans8-4
5Cleveland Browns9-3
6Miami Dolphins8-4
7Indianapolis Colts8-4
in the huntLas Vegas Raiders7-5
in the huntBaltimore Ravens7-5
in the huntNew England patriots6-7

Die Baltimore Ravens hatten dieses Jahr wohl einen der schwersten Spielpläne der ganzen NFL. Nicht nur dass mit den Browns und den Steelers gleich zwei dicke Brocken aus der eigenen Division anstanden, auch gegen stark aufspielende Chiefs, Colts und Titans musste man ran. Niederlagen erfuhr man nur durch diese Top Teams und gegen die New England Patriots in Woche zehn. Außerdem verlor man nur eines dieser Spieler mit mehr als einem Score Abstand. Es fehlt meiner Meinung nach also nicht an der Siegermentalität, die Ravens sind besser als ihr Standing einen vermuten lässt. Ab und an braucht man eben auch ein Quäntchen Glück mehr um ein Top Team niederzuringen. Schaffen es die Baltimore Ravens am Ende doch noch in die Playoffs, sollten wir sie definitiv nicht abschreiben, denn schon 2019 haben wir gesehen wie unaufhaltsam sie sind, wenn sie in eine Art Flow kommen.

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