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Chicago Bears – Von Der Defensive Getragen

CHICAGO BEARS – VON DER DEFENSIVE GETRAGEN

Als Anhänger der Chicago Bears hat man es nicht leicht. In den letzten zehn Jahren konnte das Team am Ende der Saison nur zweimal ein positives Standing vorweisen. Fünfmal fiel dieses negativ aus, dreimal stand man am Ende bei 8-8. Große Erfolge liegen lange zurück, wie der Super Bowl Sieg 1985 oder die Niederlage im Super Bowl 2006. Die traditionsreiche Franchise befindet sich seit Jahren im Niemandsland der NFL. Doch eine Tradition wahrt man seit Jahren: Eine starke Defensive. Doch wie weit kann diese das Team noch tragen?

Suche nach dem Heilsbringer

Seit dem Ende der Ära Jay Cutler (38) sucht man in Chicago nach dem neuen Franchise Quarterback. Freilich war Cutler nicht der ultimative Superstar, der Statistiken a lá Mahomes abriss, dennoch war er eine feste Institution im Team. Das ist nicht zu unterschätzen, dreht sich das Quarterback Karussell eines Teams unaufhörlich, ist es kein Wunder dass keinerlei Stabilität einkehrt. 2017 sollte mit Mitch Trubisky (27) das neue Gesicht der Franchise eingeführt werden. Man tradete extra an Position zwei overall nach vorn, um sich die Rechte am Nachwuchstalent zu sichern. Doch Trubisky war die Inkonstanz in Person. In seinen vier Jahren als Starter bei den Bears kam er auf eher magere Statistiken. Zum Vergleich, Spieler die nach Trubisky gedraftet wurden.

Draft PositionSpielerSpielePassing YardsTDINTComp. %
2Mitch Trubisky5410618643764,1
10Patrick Mahomes52160391323266,4
12Deshaun Watson54145391043667,8

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Schließlich entschied man sich dazu den Rookie Vertrag von Nummer zehn auslaufen zu lassen und getrennte Wege mit dem Draft Bust zu gehen. Erneut entschied man sich in der ersten Runde einen Passgeber auszuwählen, dieses Mal an Position elf. Justin Fields (22) bewies im College bei Ohio State seine effiziente Spielweise. Als „Dual Threat“ gelang ihm 2019 eine unfassbare Saison. 3273 Passing Yards und 41 Touchdowns bei gerademal drei Interceptions. Außerdem konnte er 484 Yards am Boden zurücklegen und weitere zehn Touchdowns erlaufen. Das Ganze gelang ihm in nur 14 Begegnungen. 2020 gingen seine Stats aufgrund des gekürzten Spielplanes zurück. 2100 Passing Yards, 22 Touchdowns und sechs Interceptions durch die Luft, 383 Yards und fünf Touchdowns am Boden. Allerdings schaffte er das in acht Partien, sehr beeindruckend. Sein Talent steht also außer Frage.

Zu Beginn seiner Rookie Saison wollte man in Chicago nicht den gleichen Fehler machen wie damals bei Trubisky und den jungen Akteur ins kalte Wasser werfen. Mit Andy Dalton (33) holte man einen überaus erfahrenen Passgeber an Bord, welcher zumindest für ein Jahr vor Fields starten sollte. So dachte zumindest ich. Aber falsch gedacht. Schon am zweiten Spieltag wurde Fields immer wieder sporadisch in verschiedenen Situationen ins Spiel geworfen. Man switchte ständig zwischen Dalton und Fields hin und her und bereits in Woche drei wurde Fields zum Starter ernannt, was aber auch mit einer Verletzung Dalton´s zusammenhing. Mittlerweile wäre dieser aber wieder fit, doch scheinbar will man den Veteran nicht erneut starten lassen. Das ganze zahlt sich allerdings überhaupt nicht aus.

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Offensive wie gewohnt

Fields wirkt häufig überfordert.  Besonders in der vergangenen Woche gegen die Green Bay Packers war die Offensive der Bears, außer dem Laufspiel, wirklich schrecklich anzusehen. Fields sah häufig einfach nicht gut, geschweige denn bereit für die NFL aus. Klar blitzt hin und wieder sein enormes Potential auf, doch bezeichnend waren immer wieder ähnliche Situationen wie bei seiner Interception. Meiner Meinung nach hätte da auch eine Flagge gegen Green Bay fliegen müssen, die „neutral zone infraction“ hätte ein „Free Play“ zur Folge. Auch Fields ging davon aus, warf einen riskanten tiefen Pass in die Endzone, welcher vom gegnerischen Verteidiger aus der Luft gepflückt wurde, weit und breit kein Receiver der Bears in Sicht. Hier ist es schwer ihm einen Vorwurf zu machen. Doch immer wieder fällt auf, dass Fields seine Anspielstationen tief sucht, dort aber weit und breit kein eigener Mann zu sehen ist. Immer wieder kommt es zu Missverständnissen. Und natürlich kann man dann auch einen grandiosen Wide Receiver wie Allen Robinson (28) anständig in Szene setzen. Was dieser Mann kann, bewies er in drei 1000 Yards Saisons, bei denen er Bälle von Quarterbacks wie Trubisky, Nick Foles (32) und Blake Bortles (29) fing. Sein Talent wirkt seitdem er 2014 im Draft ausgewählt wurde, bei den Jacksonville Jaguars und den Bears verschenkt.

Beinahe überall ist die Offensive ohne Schlagkraft, ebenfalls Tradition der jüngeren Vergangenheit. In den letzten acht Spielzeiten war man siebenmal unter den zehn schlechtesten Offensiven der Liga, dreimal sogar unter den vier schlechtesten. Und auch dieses Jahr sieht es nicht besser aus. 902 Passing Yards sind der schlechteste Wert aller Teams, ebenso die schwachen drei Passing Touchdowns. Die schwache Offensive Line hat trägt dazu einen entscheidenden Beitrag, 22 erlaubte Quarterback Sacks, mehr als alle anderen. Nur am Boden scheint man Fuß zu fassen und das trotz des Ausfalls von Starting Runningback David Montgomery (24).  Egal ob Damien Williams (29), Khalil Herbert (23) oder Montgomery startete, alle drei kamen auf ähnliche Stats. Zusammen mit Fields erlief man 774 Yards, Rang sieben der NFL. Hält die Defensive den Gegner unter 20 Punkte, reicht das sogar aus Siege einzufahren. Alle drei davon kamen nämlic bei einem Low Scoring Game zustande. Wenn man kaum Punkte erzielt, muss die Verteidigung dem Gegner einfach noch weniger erlauben. Was uns zum Hoffnungsträger der Franchise bringt, der Defensive.

Comeback der „Monsters of the Midway“?

Wenigstens einer langjährigen Tradition wird man in der Windy City gerecht. Denn seit jeher sind die Bears für ihr knüppelhartes und erbarmungsloses Spiel in der Defensive bekannt. Ihren Spitznamen „Monsters of the Midway“ erhielten sie für ihre unfassbare Dominanz in den Spielzeiten 1940 und 1941. 1985 erfuhr der Name dann sein erstes Comeback, in einer wahrlich fulminanten Saison. Mit 15-1 zog man in die Playoffs ein, wo man zwei Gegner am Stück mit einem Shoutout vom Spielfeld jagte. Zuerst die  New York Giants (21:0) und anschließend die Los Angeles Rams (24:0). Im Super Bowl dann ein erneutes Ausrufezeichen der Defensive, mit 46:10 ließ man den New England Patriots nicht den Hauch einer Chance.

Doch auch in jüngerer Vergangenheit zeigte die Verteidigung der Bears was sie auf dem Kasten hat. 2018 trug sie ihr Team zu einer 12-4 Saison. Nur 17,7 Punkte ließ man den Gegnern im Schnitt, Bestwert. 1280 zugelassene Rushing Yards, ebenfalls Bestwert. 3515 zugelassene Passing Yards, Rang sieben. Und obendrein noch 50 Sacks, Rang drei der NFL. Nach einer Regular Season in der die Defense der Bears das Sagen hatte, war aber auch in der Wild Card Round schon Schluss. Rechnet man die momentanen Werte hoch, kann es auf eine ähnlich starke Spielzeit der Defense hinauslaufen. Bisher hat man mit 21 Sacks die meisten aller Teams und das bereits nach sechs Wochen. Besonders Charaktere wie Khalil Mack (30), Robert Quinn (31) und Roquan Smith (24) stechen weit aus der Masse heraus. Während Mack und Quinn für enormen Druck bei gegnerischen Passgebern sorgen, ist Smith der Allrounder der scheinbar überall auf dem Feld zu sehen ist.

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Als einziges Team kann man hier gleich zwei Pass Rusher unter den zehn erfolgreichsten der Liga finden. Mack kommt bisher auf sechs Sacks, Quinn auf 5,5. Smith steht mit 62 Combined Tackles auf Platz vier der besten Tackler, obendrein kann sich der erst 24-jährige in seinem bereits vierten Jahr in der National Football League, zwei Sacks, eine Interception, sowie einen Touchdown auf die Habenseite schreiben. Vielleicht kann er sich in Zukunft gar hinter Middlelinebacker Legenden Mike Singletary (63, HOF) und Brian Urlacher (43, HOF) einreihen. Doch wie viel kann die Defensive rund um ihre Stars noch Schultern? Alle drei bisherigen Siege können sie sich nämlich alleine auf ihre Flagge schreiben, während die Offensive wankte. Mit einem Standing von 3-3 steht man aktuell an Rang drei der NFC North. Auf Rang zwei kämpfen die Minnesota Vikings mit ihren ganz eigenen Problemen und sind definitiv in Reichweite. Abgeschlagen auf Rang eins stehen die Packers, diese in der momentanen Verfassung noch von dort zu verdrängen ist sehr unwahrscheinlich. Der Weg in die Playoffs muss allem Anschein erneut über die Wild Card Round gehen. Wenn sich die Offensive rund um ihren jungen Anführer aber nicht endlich findet und Passspiel eine große Schippe drauflegen kann, ist die Wild Card Round aber genauso weit entfernt wie der letzte Superbowl Triumph.

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