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Detroit Lions – Leichtfertiger Verschleiss

DETROIT LIONS – LEICHTFERTIGER VERSCHLEISS

Die Detroit Lions gehören zu den ältesten American Football Franchises in ganz Amerika. Bereits 1929 gegründet, ist das Wort „Tradition“ fast noch etwas tiefgegriffen. Trotzdem liegen die Erfolge des Teams sehr weit zurück. Insgesamt viermal konnte man sich zum NFL Champion küren. Die Titel liegen jedoch allesamt weit vor der Super Bowl Ära. 1932, 1953, 1954 und 1957 krönte man sich zum Meister. Seit des Zusammenschlusses der NFL und AFL und den damit einhergehenden Super Bowl hat man jedoch kaum noch etwas vorzuweisen. Insgesamt drei Division-Titel und 12 Playoff Teilnahmen stehen seither zu Buche. Sinnbildlich für das fehlende Nutzen des Potenzials stehen die vergangenen 30 Jahre!

INDIVIDUELLE POWER NICHT GENUTZT

Was den Fans der Detroit Lions wie ein schlechter Traum vorkommen mag, ist die Tatsache, dass es der Franchise nicht gelingt, aus der immer wieder vorhandenen individuellen Power Kapital zu schlagen. Wir haben bereits Teams erlebt, bei denen einfach kein Gesicht der Franchise vorhanden war. Teams, die mit einer hohen Fluktuation an Spielern zu kämpfen hatte, weil man immer wieder schlechte Spielzeiten erlebte. Blickt man auf die Franchise zurück, dann kann Detroit wirklich einige absolute hochkarätige Namen aufweisen. Man muss nur an Barry Sanders (53, RB, HOF) denken! Was für ein unglaublicher Spieler! Für nicht wenige ist Barry Sanders der Beste Running Back aller Zeiten. Er spielte für Detroit von 1989 bis 1998 ehe er im zarten Alter von 30 Jahren seine Karriere beendete. Während dieser Zeit schaffte es die Franchise zumindest halbwegs zu liefern. Sechs Playoff Teilnahmen sind grundsätzlich OK. Mit einem genauen Blick auf die Erfolge, sind aber die fünf Niederlagen bereits in der Wild Card Runde definitiv zu wenig. 1991 schaffte man es ins NFC Championship Game, welches man dann allerdings gegen die Washington Redskins deutlich mit 41 – 10 verlor.

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Trotz das man also einen der besten Ballträgern aller Zeiten in seinen Reihen hatte, schaffte man es nicht wirklich ernsthaft um den Super Bowl mitzuspielen. Ähnliches konnte man auch in den vergangenen 15 Jahren beobachten. Wird von den ganz großen Spielern im vergangenen Jahrzehnt der NFL gesprochen, wird sicherlich niemand an Matthew Stafford (33, QB, Rams) denken. Der Spielmacher gehört grundsätzlich mit zu den Besten auf seiner Position. Der fehlende Erfolg in Detroit, nagt jedoch auch an seinem Profil. Während weitaus schlechtere Spieler zumindest immer wieder mal in die Playoffs einzogen, schaffte es die Franchise mit seinem langjährigen Strippenzieher lediglich dreimal. Jedes Mal endete die Reise bereits in der Wild Card Runde! Stafford hat als Leader der Lions nie die Reputation erfahren, als wenn er regelmäßig auch um Titel mit gespielt hätte. Und dabei war das Team zeitweise wirklich mit individueller Starpower gespickt wie kaum eine andere Franchise. Denkt man da an Zeiten mit Calvin „Megatron“ Johnson (36, WR) zurück, fragt man sich schon, was ist da schief gelaufen? Um ehrlich zu sein, fast alles!

ENERGIESAUGER FRANCHISE

Johnson spielte von 2007 bis 2015 für die Lions. Der 1,96 Meter Hüne bekam aufgrund seiner dominanten Spielweise den Spitznamen „Megatron“. 2012 sorgte die Kombination aus Stafford und Johnson für einen besonderen NFL Rekord. Mit 1.964 gefangenen Yards Raumgewinn stellte der Wide Receiver einen bis heute gültigen Rekord auf. Niemand erzielte mehr Yards Raumgewinn in einer Saison als Passempfänger wie Johnson. Sinnbildlich beendete das Team die Saison mit gerade mal vier Siegen! Kommen nicht jedem Sportbegeisterten dabei die Tränen? Du hast einen der besten Quarterbacks der Liga in deinen Reihen und den damals besten Passempfänger der Liga und schaffst es mit diesen beiden lediglich zweimal in die Postseason. Beschweren dürfte man sich freilich nicht, wenn man außerhalb dieser beiden überhaupt nichts zu bieten gehabt hätte. Die Liga ist sehr stark und nur zwei herausragende Spieler ist deutlich zu wenig. Zu dieser Zeit war man aber auf beiden Seiten des Balles gut bestückt. Ndamukong Suh (34, DT, Buccaneers) war damals wahrscheinlich der beste Defensive Line Spieler der Liga. Defensive End Cliff Avril (35) welcher später mit den Seattle Seahawks den Super Bowl gewann oder Middle Linebacker Stephen Tulloch waren Teil der Lions zu dieser Zeit. Eigentlich unglaublich, dass so ein Team am Ende der Saison nur vier Siege holte.

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Die Franchise hat einen gewissen Ruf als Energiesauger weg. Es lässt sich nur schwer erklären, dass nach Barry Sanders auch Calvin Johnson bereits mit 30 die Karriere vorzeitig und noch weit entfernt vom Leistungsabfall beendete. Bereits ein Jahr zuvor hatte er überlegt seine Handschuhe an den Nagel zu hängen. Sein Vater überzeugte ihn nochmals zurückzukehren. Der Spieler merkte, dass er älter wird und wenig Unterstützung bekam. Zwar versuchte man ihn mit anderen Spielern wie Golden Tate (33, WR) zu unterstützen, aber trotzdem hatte Johnson den Verschleiß gespürt. Vor allem auch mental. Immer wieder musste er das Zepter in die Hand nehmen und alles aus sich herausholen, um das Team nach vorne zu bringen. Ähnlich muss sich Sanders gefühlt haben, als er entschied der Franchise den Rücken zuzukehren. Was beide im Nachgang beschrieben, ist eine gewisse Ausgelaugtheit.

Enttäuschungen bleiben an einem haften, vor allem, wenn man auch immer wieder von den eigenen Verantwortlichen enttäuscht wird. Anstatt das Team gezielt zu verbessern und um die Starspieler heraus etwas aufzubauen, fuhr man die individuelle Stärke an die Wand. Johnson tat es also Sanders gleich und zog einen Schlussstrich! Dank für seine Leistungen bekam er ebenfalls nicht zurück. Der Spieler sollte nach seinem Rücktritt sogar noch $1.000.000 an seinen ehemaligen Arbeitgeber zurückzahlen. Die Franchise hatte dem Spieler einen üppigen Signing-Bonus bei der letzten Vertragsunterzeichnung gezahlt. Da der Superstar diesen Vertrag nun nicht ganz erfüllte, fühlte sich die Franchise genötigt einen Teil des Bonus zurückzuverlangen. Ein unübliches Prozedere, welches der Franchise viel Kritik einbrachte. Verständlich, dass das Verhältnis zwischen Franchise und Spieler schwierig ist.

ZUKUNFT BLEIBT HERAUSFORDERND

Nach den beiden zuvor geschilderten Fällen, gab es nun im Vorfeld der aktuellen Saison den Dritten im Bunde, welcher der Franchise den Rücken kehren wollte. Stafford selbst bat um die Freigabe durch einen Trade. Offenbar lernten die Verantwortlichen anhand des Falles Calvin Johnson dazu und stimmten schließlich dem Wunsch des früheren Spielmachers zu. In einem Paket mit den Los Angeles Rams gab man Stafford an die Westküste ab und erhielt im Gegenzug Jared Goff (26, QB) und drei Draft Picks. Für mich ehrlich gesagt ein gar nicht so schlechter Zug für die Lions. In Goff erhält man einen in meinen Augen weiterhin jungen und talentierten Spielmacher. Zusätzlich erhielt man aber auch noch zwei Erst-Runden-Picks (2022, 2023) und ein Dritt-Runden-Auswahlrecht 2021. Die Picks kann man sehr gut für den Rebuild verwenden. Das ich Stafford als Spielmacher jederzeit gegenüber Goff bevorzugen würde steht außer Frage, aber man darf auch nicht vergessen, was Goff schon geleistet hat. In einem guten Umfeld und einer Offensive die ihm behagt, führte er die Rams schließlich auch in den Super Bowl. Es ist also auch nicht so, dass man mit Goff irgendeinen No-Name erhalten hat. Auch was der Spielmacher bisher in der Saison gezeigt hat, war vollkommen solide. Man darf keine Monsterwürfe von ihm erwarten aber möchte man einen präzisen Game-Manager, weiß der Spielmacher durchaus zu überzeugen.

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Insgesamt wird es aber trotzdem für die Franchise weiterhin herausfordernd bleiben. Auch wenn die Lions bisher noch kein Spiel gewonnen haben, wollen wir nicht zu früh den Trade als Negativerlebnis brandmarken. Hier sollte man die kommenden Jahre abwarten. Das Ergebnis wird auch davon abhängig sein, welchen Nutzen man aus den Draft Picks zieht. Ein Ansatzpunkt wäre hier definitiv die Offensive. Der Wide Receiver Corp ist kaum NFL tauglich. Zumindest nicht um wirklich in Richtung Playoffs zu schielen. Tight End T.J. Hockenson (24) erscheint hier als Passempfänger der einzig wahre Star zu sein. Ansonsten ist man aufgrund der Personalstruktur angewiesen, auch die Running Backs häufig ins Passspiel einzubinden. Grundsätzlich ist dieses Mittel sehr effektiv und wird mittlerweile auch ligaweit gerne genutzt. Allerdings ist es sinnbildlich wenn die besten zwei Passempfänger des Teams ein Tight End und ein Running Back sind.

Eine der Entdeckungen ist immerhin Kalif Raymond (27, WR) welcher bereits nach vier Spielen fast so viel Yards gefangen hat, als in seiner bisherigen fünfjährigen Karriere zuvor! Ein deutscher Lichtblick ist Amon-Ra St. Brown (21, WR). Der Deutsch-Amerikaner spielt sein erstes Jahr in der NFL und hat hier bereits erste Akzente gesetzt. Am vergangenen Wochenende fing er mit 6 Receptions die meisten Bälle in seinem Team. Auch seine 70 Yards Raumgewinn sind ein ordentlicher Wert! Für St. Brown wünschen wir uns, dass die Franchise die Kurve wieder bekommt und nicht auch weiterhin alles schief läuft. Trotzdem muss man auch deutlich sagen, dass der Lerneffekt bisher kaum vorhanden ist. Die Franchise hat mit Sanders, Johnson und Stafford drei absolute Ausnahmespieler in den vergangenen 30 Jahren leichtfertig verschließen!

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