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Houston Texans – O’Briens Erbe

HOUSTON TEXANS – O’BRIENS ERBE

In ihrer noch recht jungen Franchise Geschichte, haben sich die Houston Texans zuletzt eigentlich auf einem guten Weg befunden. Die erst 2002 gegründeten Texans, schafften es im letzten Jahrzehnt immerhin sechsmal in die Playoffs. Vier dieser Playoff-Teilnahmen gelangen unter Head Coach Bill O’Brien (51). O’Brien schaffte es seit seinem Amtsantritt 2014, das Team in gute Bahnen zu geleiten und war auch für den Draft des langersehnten Franchise Quarterbacks Deshaun Watson (25) verantwortlich. Seinen Platz musste O’Brien trotzdem in dieser Spielzeit bereits nach vier Spieltagen räumen. Es hat sogar den Anschein, als hat er dafür selbst am eigenen Stuhl gesägt!

O’BRIEN – GENIE UND WAHNSINN

Der Head Coach, welcher bekannt für klare Aussagen und Positionierungen ist, mag ein Kauz sein, mit dem nicht jeder klar kommt. Doch der Erfolg gibt ihm grundsätzlich Recht für seine oftmals nicht immer leichten Wege. Nach diversen Stationen im College Football bekam der Offensiv Spezialist seine Chance zunächst bei den New England Patriots. Dort fungierte er zunächst als Assistent bzw. Quarterback Coach, ehe er 2011 das Zepter als Offensive Coordinator übernahm. Obwohl die Offensive der Patriots zu den Besten gehörte, hörte man von einem recht zügigen Zerwürfnis zwischen Quarterback Legende Tom Brady (43, QB, Buccaneers) und O’Brien.

Zwar sprechen beide stets von einem respektvollem Verhältnis zueinander,  eine jedoch für alle Kameras ersichtliche Diskussion in der 14. Woche 2011 führte zu nie dagewesenen Szenen. Der Coach und der Spieler führten nach einer Interception Brady’s eine sehr emotionale und laute Unterredung. Sogar Bill Belichick (68, HC, Patriots) selbst musste einschreiten um seinen Coach zu beruhigen. Etwas, was in all den Jahren so nie stattfand. Nach schon einem Jahr als OC in New England, war Schluss für O’Brien. Obwohl die Offensive in dieser Saison stark spielte und es das Team in den Super Bowl schaffte, sind offensichtlich nicht die Leistungen für diesen Schritt verantwortlich gewesen. Sportlich ein Genie, menschlich offensichtlich ein Wahnsinn!

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Seither gilt der emotionale Haudegen mitunter als etwas schwierig im NFL Zirkus. Trotzdem trauten ihm die Texans den Job als Head Coach zu und auch hier muss man O’Brien sportlich absolut Respekt zollen. Er schaffte es das Team bereits in kurzer Zeit nicht einfach nur in die Playoffs zu führen, sondern das sogar mit Quarterbacks wie Brian Hoyer (35, Patriots) und Brock Osweiler (30). Auch wenn man letzteren maßlos überbezahlte und so wirtschaftlich gesehen sehr viel dabei verlor, haben zumindest die sportlichen Erfolge gepasst. Man kann also durchaus sagen, dass die Stärke O’Briens ganz klar im sportlichen Bereich liegt. Was jedoch die Sozialkompetenzen und den ökonomischen Bereich des Business betrifft, weist er definitiv große schwächen auf. Den Höhepunkt erreichte er nun in dieser Offseason

In der Einleitung erwähnt, hatte man das Gefühl als sägte der Head Coach in der vergangenen Offseason selbst an seinem eigenen Stuhl. Wäre er ein Rockstar, würde man vielleicht auch von selbstzerstörerischem Verhalten sprechen. Anders lässt sich ein ganz spezieller Schritt nicht erklären. Wie aus dem Nichts und für alle wohl überraschend, tradeten die Houston Texans ihren Megastar DeAndre Hopkins (28, WR) zu den Arizona Cardinals! Hopkins gehört seit Jahren zu den Besten seiner Zunft und kann den absoluten Unterschied zwischen Sieg und Niederlage bedeuten. Nicht einfach nur, dass man einen solchen Spieler abgab, es ist auch, was man lediglich dafür bekam:

Houston TexansArizona Cardinals
David Johnson (28, RB) DeAndre Hopkins (28, WR)
2. Runden Pick (2020)4. Runden Pick (2020)
4. Runden Pick (2021)/
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Ich möchte nicht respektlos erscheinen, aber David Johnson (28, RB) und ein 2. Runden Pick sind nicht mal im Ansatz ein akkurater Ersatz für Hopkins! Sicher, es gab eine Zeit, da gehörte Johnson zum Non-Plus-Ultra auf der Running Back Position. Diese Zeit ist aber schon lange her. Seit seinem Kreuzbandriss 2017 ist er nicht mehr der gleiche Spieler. Seine statistischen Zahlen fielen jährlich, weshalb er bei weitem nicht mehr zu den Top Leuten auf seiner Position gehört. Dies lässt den Trade noch merkwürdiger erscheinen, als er ohnehin schon ist. Freilich gibt es berichte, dass Hopkins trotz bestehendem Arbeitspapier von drei Jahren, eine deutliche Gehaltserhöhung wollte. Diesem haben die Texans wohl nicht zugestimmt.

Hinter den Kulissen wurde von Zerwürfnissen gesprochen, etwas wofür O’Brien ja bekannt ist. Vielleicht hat der Head Coach einmal mehr über das Ziel hinausgeschossen und wollte seinen Starspieler loswerden. Dies ist jedoch keine Erklärung, dass man einen solchen Spieler mehr oder weniger an die Cardinals verscherbelt. Zumal der Spieler ja auch noch einen langfristigen Vertrag hatte und man sich grundsätzlich nicht in der Not befand oder sich noch hätte einigen können. Möglicherweise wäre Hopkins kompromissbereit gewesen, etwas wofür O’Brien jedoch überhaupt nicht steht. Stattdessen setzte dieser Trade den Head Coach gehörig unter Druck. Als die ersten vier Spiele der Saison verloren gingen, zogen die Verantwortlichen die Reisleine. Ganz nach dem Motto, „du hast dir die Suppe eingebrockt, nun lebe mit den Konsequenzen“. 

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WIE GEHT ES WEITER?

Als Interims Coach hat Romeo Crennel (73) übernommen. Der vorherige Defensive Coordinator hat alle Verantwortung übertragen bekommen und soll nun schauen, was noch zu retten ist. O’Brien hinterlässt ein grundsätzlich nicht schlecht aufgestelltes Team. Dennoch ging die vergangene Offseason auch an einigen anderen Spielern nicht spurlos vorbei. Hier muss sicherlich in der nächsten Offseason ein klarer Weg erkennbar sein. Ob das mit dem Interimstrainer erfolgen wird, ist derzeit noch unklar. In den sechs Partien unter Crennels Führung hat das Team immerhin die Hälfte der Spiele gewinnen können. Zuletzt setzte man wieder mal ein Ausrufezeichen mit dem 27 – 20 Sieg über Crennels früheren Weggefährten Bill Belichick. Crennel arbeitete nicht nur bei den Patriots (4 – 6 – 0) mit Belichick zusammen, sondern bereits bei den New York Giants Anfang der 1980er. Seither kennt und schätzt man sich. Etwas, was offensichtlich am vergangenen Sonntag geholfen hat.

Nun steht aber schon heute Abend der nächste Prüfstein an. Passend zu Thanksgiving, erwartet das Team aus Texas ein schweres Auswärtsspiel bei den Detroit Lions (4 – 6 – 0). Es ist erst das zweite Spiel der Franchise an diesem Feiertag. Da man aktuell unbesiegt an Thanksgiving ist, möchte man diese Serie auch weiterhin beibehalten. Detroit dürfte jedoch etwas dagegen haben. Die Lions sind etwas angezählt, aufgrund der bislang erneut enttäuschend verlaufenden Saison. Möchten sie nochmal etwas retten, müssen sie unbedingt gegen die Texans gewinnen. Das weiß auch Crennel, welcher mit seiner Defensive allerhand zu tun bekommt.

Denn gerade hier liegt der Hund begraben. Anders als vielleicht der „Hopkins-Trade“ erahnen lies, hat das Team gegen den Ball die größten Probleme. Vor allem das Laufspiel bereitet den Texanern große Sorgen. Hier ist man sogar noch schlechter als in der Passverteidigung, wo man ebenfalls zu den schlechteren Teams der Liga gehört. Zwar konnte man sich zuletzt etwas rehabilitieren, jedoch wissen die Lions um die Schwächen. Das man das Laufspiel New Englands am vergangenen Sonntag gut unter Kontrolle hielt, sollte definitiv Mut geben!

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Der erfahrene Crennel wird angesichts des Restprogrammes natürlich versuchen seine Bilanz zumindest zu halten. Dies allein wird schwer genug werden. Hat man mit den noch ausstehenden Hin- und Rückspielen gegen den Divisionskonkurrenten der Indianapolis Colts (7 – 3 – 0) ein schweres Los. Hinzu kommt auch das Heimspiel gegen die Tennessee Titans (7 – 3- 0). Drei der verbleibenden sechs Partien sind somit gegen Playoff-Kandidaten. Das sowohl die Colts und die Titans an diesem Wochenende gegeneinander spielen, sollte für Houston nicht belanglos sein, kann man hier doch gleichzeitig beide Teams scouten. Klar ist aber auch, möchte der Interims Coach seine persönliche Bilanz in der Waage halten, darf man sich am heutigen Feiertag keine Niederlage erlauben.

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