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Indianapolis Colts – Reich Beschenkt

INDIANAPOLIS COLTS – REICH BESCHENKT

So kurz vor Weihnachten werden nicht wenige Kinder auf viele Geschenke hoffen. Meist erklären die Eltern ihren Kleinen, dass sie das Jahr über brav sein müssen, um am Ende eine große „Belohnung“ vom Christkind zu erhalten. Es soll nun auch tatsächlich Kinder geben, die sich das gesamte Jahr bemühen, um an Weihnachten reich beschenkt zu werden. Die Indianapolis Colts haben zuletzt das Jahr über auch gut gearbeitet und könnten nun ebenfalls reich beschenkt werden. Reich im wahrsten Sinne des Wortes!

IN DER RICHTIGEN SPUR

Nach dem man unter Quarterback Legende Peyton Manning (44) ein Dauerabo auf die Playoffs in den 2000ern hatte, wurde dies nach seinem Weggang deutlich weniger. Seit 2011 sah man lediglich vier Mal die Postseason. Davon abgesehen, schaffte man in den restlichen Spielzeiten noch nicht mal mehr eine positive Bilanz auf die Beine zu stellen. Aufgrund drei Jahre ohne Playoff-Teilnahme, entschied man sich von Seiten der Führung zur Verpflichtung von Frank Reich (59) im Jahre 2018. Der frisch gebackene Super Bowl Champion beerbte Chuck Pagano (60) als Head Coach. Reich, der zuvor als Offensive Coordinator mit den Philadelphia Eagles begeisterte, kam mit vielen Lorbeeren. Erst kurz zuvor hatte er niemand geringeren als Bill Belichick (68) im Super Bowl ausgecoacht.

Im 52. Super Bowl fand die Defensive der New England Patriots keine Antwort auf die Offensive der Eagles. Angeführt vom fantastischen Play Calling Reichs, gewann man verdientermaßen den Super Bowl. Und das obwohl mit Nick Foles (31, QB) nur der etatmäßige Ersatzquarterback zur Verfügung stand. Diese bemerkenswerten Leistungen über die gesamte Saison, führten zur Verpflichtung Frank Reichs bei den Colts. Eigentümer Jim Irsay (61) hatte eine klare Vision wie seine Franchise zukünftig spielen sollte. Der Offensive Coordinator entsprach diesem Profil maßgeblich und bekam somit die Chance. 

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Den Plan des neuen Head Coaches konnte man schon in seinem ersten Jahr sehen. Durch intelligentes Coaching und vor allem auch gelungener Offseasons mit Drafts und Free Agency, baut der gebürtige New Yorker nach und nach sein Team so zusammen, wie er es gerne haben möchte. Dieser Prozess ist auch aktuell noch nicht abgeschlossen. Immer wieder beweist er ein gutes Händchen. Sei es mit dem genialen Draft von Linebacker Darius Leonard (25, LB) in seinem ersten Jahr bei den Colts oder die Entscheidung einen 39 jährigen Philip Rivers (39, QB) vor dieser Saison unter Vertrag zu nehmen. Es scheint zu funktionieren, was auch immer Reich unternimmt. Erst in dieser Woche lies er die Medien wissen, dass Rivers noch einige Jahre auf diesem hohen Niveau der NFL Spielen kann, wenn er dies auch möchte. Klingt ganz danach, dass man von Seiten der Colts gerne bereit wäre den aktuellen Ein-Jahres-Vertrag sogar längerfristig zu verlängern.

STATEMENT IM DRAFT

Bemerkenswert in Reichs noch relativ kurzen Zeit bei den Colts ist seine Draft ausbeute. Der bereits angesprochene Darius Leonard wurde 2018 in der 2. Runde an 36. Stelle ausgewählt. In seinem ersten Jahr wurde er Defensive Rookie Of The Year. Letztes Jahr zu seinem ersten Pro Bowl gewählt. Ein Spieler der in dieser Liga voll eingeschlagen hat. Leonard ist aber nicht der erste Spieler der so einschlägt. Gleiches lässt sich z.B. auch über Quentin Nelson (24, G) sagen. Nelson avanchierte schnell zu einem der besten Offensive Guards der gesamten Liga. Mit diesem glücklichen Händchen und dem Selbstvertrauen ging man auch 2020 selbstbewusst in den Draft. Bereits in den ersten beiden Runden konnte man zeigen, dass man gewillt ist Rivers in der Offensive genügend Hilfe zur Seite zu stellen. Mit ihren mehr oder weniger ersten beiden Auswahlrechten holte Indianapolis einen Wide Receiver in Michael Pittman Jr. (23) und einen Running Back Namens Jonathan Taylor (21).

Diese Picks liesen die Konkurrenz aufhorchen. Pittman ist genau das Gegenteil von Starreceiver T.Y. Hilton (31, WR) und soll diesen wohl auch auf Dauer ersetzen. Das man in Indianapolis viel von Pittman Jr. hält, ist durch einen Trade klar geworden. Die Colts holten Pittman, welcher eigentlich vom Washington Football Team gedraftet wurde durch einen Trade ins Lucas Oil Stadium. Dafür war man sogar bereit seinen ursprünglichen in der 1. Runde gedrafteten Pass Rusher Montez Sweat (24) abzugeben. Den zusätzlich erhaltenen 2. Runden Pick gab man wiederum in einem Trade mit den Cleveland Browns ab. Reich ist also gewillt aktiv zu sein und seine Optionen auszuloten. Auch wenn Pittman noch nicht ganz so einschlug wie erhofft, agiert er zumindest solide in seinem ersten Jahr. Anders schaut es da um Jonathan Taylor aus. Der Ballträger hat bereits über 1.000 Scrimmage Yards. Der flexible und schnelle Spieler wird nicht nur auf dem Boden, sondern auch oftmals im Passspiel gesucht. Hier ergänzt er sich mit seinem anderen Running Back Nyheim Hines (24) exzellent. 

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Quarterback Philip Rivers fungiert in dieser Saison zumeist aus der Shotgun Formation heraus. Sein Headcoach hat einen klaren Plan, welcher vom Veteranen zumeist verlässlich umgesetzt wird. Rivers hat durch die Shotgun Formation alle Freiheiten im Passspiel und kann auch immer wieder mal durch einen Hand-Off zum Running Back für einen Lauf sorgen.  Ähnlich wie auch Carson Wentz (27, QB) scheint Rivers sich unter der Führung von Reich wohl zu fühlen. Der 39 jährige welcher nach 16 Jahren Chargers sich auf zu neuen Ufern machte, gilt unlängst als potenzieller „Playoff-Sleeper“. Kaum ein Spieler verfügt über so viel Erfahrung wie er und mit dem richtigen Trainer an seiner Seite, hätte Rivers noch mehr erreichen können. Für viele ist Rivers einfach „nur“ ein NFL-Quarterback. Aber zu oft schaffte es seine alte Franchise ihn nicht ausreichend zu unterstützen.

Der achtmalige Pro Bowler kommt hier zu lande viel zu schlecht weg, weil man ihn zu selten in der Postseason sehen konnte. Für mich persönlich ist Rivers nach wie vor einer der besten seiner Zunft, der schon längst einen Super Bowl gewonnen hätte, wenn er bei einer Franchise gewesen wäre, die weiß, wie man ein Siegerteam aufbaut. Mit Reich als Head Coach, könnte er auf seine alten Tage tatsächlich noch mal für einen Playoff Run in Frage kommen. OK, seine Armstärke hat nachgelassen. Dafür hat man aber von Seiten der Coaches eine perfekte Lösung. Immer wieder sieht man wie Rivers aus der Shotgun kurze Pässe auf seine Runningbacks wirft. Das Spiel der Colts ist ohnehin auf die Mittlere Distanz angelegt und dafür reicht es dann doch noch alle Male. Sprechen wir über Rivers muss man auch auf seine Spielintelligenz eingehen. Was er an der Line of Scrimmage veranstaltet ist sagenhaft. Er liest die Verteidigungen und entwickelt sofort Gegenmaßnahmen. Etwas, was selbst auf diesem Niveau nur wenige wie er beherrschen. Seine Leistungen 2020 zeigen, dass das in ihm gesetzte Vertrauen berechtigt ist.

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Aktuell schaut es bei den Colts nämlich sehr gut aus. Die Bilanz von 9 – 4 – 0 liest sich nicht nur gut, sondern beschert Indianapolis auch den ersten Platz der AFC South. Freilich sind die Tennessee Titans (9 – 4 – 0) mit der gleichen Bilanz direkt dahinter. Trotzdem gestaltet sich die Situation für die Colts recht komfortabel. Man hat alles in den eigenen Händen. Das Restprogramm ist vergleichbar mit jenem der Titans. Während die Männer von Reich gegen die starken Pittsburgh Steelers ran müssen, bekommen es die Titans mit Aaron Rodgers (37, QB) und seinen Green Bay Packers zu tun. Egal wie, die Colts haben die Trümpfe in der Hand. Notfalls muss man den Weg über Wild Card nehmen, was ohnehin nur einen minimalen Unterschied aus macht. Früher waren Heimspiele deutliche Vorteile in den Playoffs. Durch die Corona-Situation zumindest nicht mehr ganz so extrem wie früher. 

RESTPROGRAMME

Indianapolis Colts (8 – 4 – 0)Tennessee Titans (8 – 4 – 0)
WocheGegnerBilanzWocheGegnerBilanz
15.Houston Texans4-9-015.Detroit Lions5-8-0
16.@Pittsburgh Steelers11-2-016.@Green Bay Packers10-3-0
17.Jacksonville Jaguars1-12-017.@Houston Texans4-9-0

Insgesamt haben die Colts also sogar noch einen etwas leichteren Spielplan. Zumal die lange Zeit ungeschlagenen Steelers sich zuletzt nicht mit Ruhm bekleckert haben. Zusätzlich bestreitet man zwei der letzten drei Spiele im heimischen Lucas Oil Stadium. Es ist also alles angerichtet für die Postseason. Jetzt wo die Indianapolis Colts eine sehr gute Chance haben die Playoffs zu erreichen, schließt sich irgendwie ein Kreis. Zu verdanken haben sie dies vor allem ihren Head Coach Frank Reich. Durch eine gute Arbeit das gesamte Jahr über, steht man nun so kurz vor Weihnachten davor, Reich beschenkt zu werden. Wie bereits in der Einleitung geschrieben, im wahrsten Sinne des Wortes! Frank Reich sei Dank!

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