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Jacksonville Jaguars – Auf Alte Füsse

JACKSONVILLE JAGUARS – AUF ALTE FÜSSE

Wir können uns noch an diesen Zeitpunkt vergangene Saison erinnern, als die Jacksonville Jaguars mit sehr viel Zuversicht in die Saison gestartet sind. Neuer Head Coach, neuer Franchise Quarterback und ganz viel Hoffnung auf bessere Zeiten! Freilich fühlte man sich nicht auf Anhieb zum Siegen verdammt, sondern plante ein spannendes Projekt, welches über Jahre wachsen sollte. Gefühlt befindet sich das Team heute an einer ähnlichen Stelle wie schon vor einem Jahr! Oder etwa doch nicht ganz?

VON MEYER ENTTÄUSCHT

Vor der letzten Saison wurde einer der besten Head Coaches aus dem College verpflichtet. Urban Meyer (58) sollte seine Titelerfolge vom College auch in die NFL transferieren. Mit ihm war man gewillt einen Neustart zu packen. Entsprechend herrschte sehr viel Zuversicht innerhalb der Franchise. Meyer wollte aber seinen „Stiefel“ aus College-Zeiten auch in der Profiliga durchsetzen. Rechnete offenbar mit einem sofortigen Erfolg und konnte selbst mit den teilweise sehr deutlichen Niederlagen nicht umgehen. Mit seinem Umgang der Niederlagen machte der Coach nahezu alles falsch was man nur falsch machen konnte.

Zunächst muss man erwähnen, dass Meyer es im College nicht gewohnt war zu verlieren. In über 200 Partien ging er lediglich 32 mal als Verlierer vom Feld. Nie beendete er eine Saison mit einer negativen Bilanz! Seine Teams performten stark, so dass er mehr damit zu kämpfen hatte, seine Spieler auf dem Boden zu halten. Nicht so jedoch bei den Jaguars. Das Team befand sich im Umbruch und holte mit Trevor Lawrence (22, QB) den talentiertesten Spielmacher vom College. Trotzdem wissen wir auch alle, dass gerade junge Spieler aus dem College zumeist Zeit brauchen sich zu akklimatisieren. So erging es schließlich auch Lawrence. Allerdings erwartete Meyer offenbar, dass der Rookie sofort Spitzenleistung bringt und gab ihm entsprechend wenig Spielraum für Fehler. Auch andere Spieler bemängelten im Nachgang, dass Versprechungen welche der Hauptverantwortliche machte, nicht eingehalten wurden.

Als das Team die ersten fünf Partien allesamt, teils deutlich verlor, machte der Head Coach aber seinen ersten ganz großen Fehler. Anstatt sich schützend vor sein gesamtes Team zu stellen und logische Gründe wie Zeit, Jugend und Unerfahrenheit, neues System usw. anzuführen, die Liste für „Ausreden“ wäre lang gewesen, machte er sein Team und sogar seinen Coachingstab für die schlechte Bilanz verantwortlich! In diesem Moment, da bin ich mir sicher, verlor er sein gesamtes Umfeld in Jacksonville. Nicht nur seine Spieler, auch sein Trainerstab fühlte sich verraten. Auch kurze Erfolge gegen die Miami Dolphins und Buffalo Bills konnten das Geschehen nicht mehr retten. Zusätzlich leistete er sich auch private Aussetzer, als er zum Beispiel nach einem Spiel mit jungen Frauen in einer Bar gesichtet wurde, obwohl Meyer verheiratet ist. Gerade was die Vorbildfunktion angeht, wurde er spätestens da unglaubwürdig. Wasser predigen und Wein saufen hat noch niemanden geholfen. Bereits nach 13 Partien und mit lediglich zwei Siegen war für Meyer das Abenteuer Jaguars beendet! Die Franchise masslos enttäuscht!

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NEUSTART MIT PEDERSON

Nun soll das Projekt, aus dem die Führung gelernt hat, in eine andere Richtung verlaufen. Es wurde in Doug Pederson (54) ein Head Coach geholt, welcher die Philadelphia Eagles 2017 zum Super Bowl Erfolg geführt hat. Pederson versteht es mit junge Quarterbacks zu arbeiten. Daher die Hoffnung, dass er Lawrence die Zeit und Chance gibt, welche der Youngster auch braucht. Man hat bereits letzte Saison immer wieder in Ansätze gesehen, zu was Lawrence in der Lage ist. Dazu braucht er aber ein gefestigtes Umfeld und Vertrauen. Ebenso ein Team welches auf beide Seiten des Balles solide ist. Das ist nun die Hauptaufgabe von Pederson, was dieser auch sofort versuchte umsetzte. Dafür bekam der erfahrene Ex-Champion ordentlich Geld in die Hand. Kein Team gab mehr Geld für Spieler aus als die Jacksonville Jaguars. Satte $113.000.000 wurden in den Kader investiert! Dazu sollte man aber auch noch erwähnen, dass das Team immer noch etwas mehr als $7.000.000 zur Gehaltsobergrenze an Spielraum hat. Man ist also keineswegs „All In“ gegangen.

Und das obwohl man auf dem Free Agent Markt notwendige Positionen adressierte um den Kader deutlich zu verbessern. Mit Christian Kirk (25, WR) bekam Lawrence einen agilen Slot Receiver, welche 2021 sein endgültiges Break-Out-Year bei den Arizona Cardinals hatte. Mit $72.000.000 in vier Jahren lies man sich diese Verpflichtung ordentlich was kosten und zeigt, wie viel man von Kirk hält! Mit Evan Engram (28, TE) wurde ein Spieler am Scheideweg verpflichtet. Engram kam aus dem College und spielte ein fantastisches erstes Jahr. Danach konnte er nicht mehr gänzlich daran anknüpfen. Wurde den Erwartungen bei den New York Giants in den folgenden vier Jahren nicht mehr gerecht. Immer wieder durch Verletzungen geplagt, wartet man irgendwie darauf, dass er sein Potenzial nochmals abruft. Anders schaut das bei Brandon Scherff (30, G) aus. Scherff kommt als fünfmaliger Pro Bowler nach Florida und soll eine der ganz großen Problemzonen beheben. Zu oft wurde der eigene Quarterback unter Druck gesetzt. Musste den Ball schneller los werden als erhofft. Druck führt jedoch zu Fehler und so ist es nicht verwunderlich, dass kein Strippenzieher mehr Interceptions 2021 geworfen hat wie Lawrence.

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Aber nicht nur die Offense wurde gezielt verstärkt. Auch in der Verteidigung hat man reagiert. Mit Foyesade Oluokun (27, LB) sicherte man sich die Dienste eines flexiblen Spielers. Zum Beginn des College überwiegend als Passverteidiger eingesetzt, mutierte er im Laufe der Jahre zu einem Linebacker. Daher ist der Spieler sowohl in der Passverteidigung, als auch im Tacklen hervorragend ausgestattet. Seine Skills haben im letztes Jahr zum Star avancieren lassen. Kein Spieler hat mehr Tackles vorzuweisen als Oluokun mit seinen 192! Auch zum Saisonstart konnte er bereits wieder 10 für sich verbuchen. Er scheint also auf Anhieb zu funktionieren. Selbiges lässt sich auch über Folorunso Fatukasi (27, DT) sagen. Über die letzten Jahre zeigte der 144 kg schwere Hüne, dass er zu den besseren Spieler an der D-Line gehört. Wir sind überzeugt, dass er seinen Beitrag gegen den Lauf zeigen wird.

WAS KÖNNEN WIR 2022 ERWARTEN?

Man kann bereits festhalten, dass mit den Zugängen die Jaguars wenig Risiko eingegangen sind. Alle haben in der jüngsten Vergangenheit auf einem Niveau agiert, welches dem Team weiterhelfen wird. Einzig bei Engram muss man abwarten wie sich das Ganze entwickelt. Hier war sich wahrscheinlich auch Pederson nicht ganz sicher, weshalb man sich zunächst nur auf einen Vertrag für eine Spielzeit einigte. Schlägt der Tight End ähnlich gut ein, wie in seiner ersten Profi-Saison, wird man ihm sicherlich nächstes Jahr einen größeren Vertrag anbieten. Das Risiko ihn dann wieder zu verlieren, nimmt man dabei aber gerne in Kauf. Unabhängig davon wird die Saison natürlich nicht einfach werden. Doug Pederson hat sichtlich bereits zum Start viel richtig gemacht. Durch die Art und Weise wie Meyer seinen Karren an die Wand gefahren hat, benötigte es einfach nur ein bisschen Charisma und Glaubwürdigkeit. Pederson nutzte das vorherige Chaos um einfach er selbst zu sein. Der Effekt ist jedoch viral gegangen. Alle sind begeistert und fühlen sich in deutlich besseren Händen als zuvor. Etwas besseres kann einem ja quasi nicht passieren.

Nun liegt es an ihm auch sportlich Erfolge zu feiern und das Team voran zu bringen. Gerade das wird aber Zeit brauchen. Zeit die Meyer seinen Spielern nicht gegeben hat aber sicherlich sein Nachfolger haben wird. Ähnlich wie bei seinen Vorgängerstationen hat Pederson längst erkannt, dass man sich in einem Prozess befindet. Selbiges weiß auch das Front Office. Man kann nicht vorhersehen wie lange Spieler für den nächsten Schritt brauchen aber wir können uns sicher sein, dass die Saison erfolgreicher sein wird als letztes Jahr! Auch wenn man mit einer bitteren 22 – 28 Niederlage gegen die Washington Commanders gestartet ist, glauben wir, dass es sportlich besser wird. Und trotzdem muss man zum aktuellen Zeitpunkt sagen, dass man zunächst wieder auf alte Füße steht! Der Coach ist wieder ein neuer, das Team ist weiterhin jung und doch fühlt es sich so an, als hat man diesmal zumindest die passenden Schuhe an! Das macht nun wirklich Mut für 2022.

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