Portraits

John Madden – Immer Sichtbare Fussspuren

JOHN MADDEN – IMMER SICHTBARE FUSSSPUREN

Am 28.12.2021 verstarb John Madden im Alter von 85 Jahren. Madden dürfte den meisten als Namensgeber des alljährlich erscheinenden Videospiels „Madden“ von EA Sports bekannt sein. Ähnlich wie FIFA im Fußball, erobert „Madden“ jährlich die Herzen der Football-Fans. Es gehört jedes Jahr zu den am meisten verkauften Games weltweit! Doch wer war nun dieser John Madden, welcher seinen Namen für dieses Spiel hergab? Vorab kann man bereits sagen, dass der Hall of Famer John Madden zu den großartigsten Persönlichkeiten gehört, die dieser Sport hervor gebracht hat!

LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK

Madden und die NFL hatten nicht die Liebe auf den ersten Blick! Als vielseitiger Spieler im College, wurde er im NFL Draft 1958 von den Philadelphia Eagles in der 21. Runde an 244. Stelle gepickt! Ja, damals gab es noch deutlich mehr Runden als die mittlerweile festgelegten sieben Runden. Durch eine Verletzung im Trainingscamp, war seine Karriere als Spieler bereits vorbei, bevor sie wirklich begann. Daher absolviert der 1,93 Meter Hüne nie ein Spiel in der Profiliga. Wenn man als junger Mensch gesagt bekommt, dass man nicht mehr spielen kann, ist das natürlich sehr schmerzlich. Manch einer verfällt dabei in Depressionen oder weiß nichts mehr mit sich anzufangen. Der Junge aus Austin, Minnesota wollte seinem geliebten Sport trotz dieses Rückschlages nicht den Rücken kehren. Also bewarb er sich um eine Stelle am College als Assistenz Trainer, wo er letztlich über viele Jahre seinen Horizont erweitern konnte. Schon als Spieler zählte er zu den intelligentesten seiner College Mannschaft. Spieler sagten ihm damals bereits voraus, eines Tages den Weg ins Coaching einzuschlagen. Madden galt als Perfektionist mit der Liebe zum Detail.

Er entwickelte sich während seiner Zeit im College nicht nur im Bereich der sportlichen Kompetenz, sondern förderte auch seinen Umgang mit Menschen. Vom sportlich gesehen eher kleinen Allan Hancock College, wechselte er 1964 in den Süden von Kalifornien. Durch drei Jahre an der San Diego State University als Defensive Coordinator, eröffnete sich die Türe für ihn zurück zur NFL. Sein bemerkenswertes Coaching lies die Profiliga aufhorchen. So engagierten ihn die Oakland Raiders als Linebacker Coach. Doch innerhalb kürzester Zeit machte er mit seiner Expertise von sich reden. Zumeist dauert es gerade in der NFL viele Jahre, bis man sich von einem Assistenz Posten, über Position Coach bis hin zu einem Coordinator eines Teilbereiches mausert. Wer dann noch ganz viel Glück hat, bekommt auch irgendwann mal die Chance auf einen Head Coach posten. Bill Belichick (69, Patriots) gilt als der beste Coach aller Zeiten. Er benötigte für seine erste Coordinator Position 10 Jahre und musste viermal die Teams wechseln. Danach fungierte er weitere sechs Spielzeiten, bis er die Chance auf einen Head Coach Job wahrnahm. Als die Raiders und ihr damaliger Head Coach John Rauch (+80) 1969 getrennte Wege gingen, beförderte man nicht etwa einen Coordinator, sondern den Linebacker Coach John Madden als neuen Hauptverantwortlichen!

Innerhalb von zwei Jahren schaffte er das Vertrauen des exzentrischen Owners der Raiders Al Davis (+82) zu gewinnen. Mit 32 Jahren wurde Madden damals zum jüngsten Head Coach der NFL Geschichte. Schnell drückte er seinem Team den Stempel auf, den er ihnen verpassen wollte. Der Erfolg war von Beginn an sichtbar. In den 10 Jahren als Head Coach der Oakland Raiders, hatte Madden nie eine negative Bilanz. Es stehen acht Playoff-Teilnahmen zu buche. Ganze fünfmal war man nur einen Sieg von einer Super Bowl-Teilnahme entfernt. Der große Erfolg blieb den Raiders unter Madden trotzdem nicht verwehrt. In der Spielzeit von 1976 verlor man nur eine Partie und krönte sich somit zurecht zum Champion! Das ganz große Sahnestück in Maddens Karriere. Doch sein Vermächtnis ging auch nach seinem Ausstieg 1979 weiter. Mit einem von ihm aufgebauten Team, holte die Franchise in den ersten fünf Jahren nach Madden, weitere zwei Titel! Al Davis selbst sagte einst, dass John Madden für die Raiders mehr gemacht hat, als jeder andere vor oder nach ihm. Das allein zeigt, wie eng Madden auch mit den Erfolgen der beiden weiteren Super Bowl Triumphe verknüpft war.

KARRIERE NACH DER KARRIERE

Madden liebte es Spieler zu formen und für sein System kompatibel zu machen. Attribute und die Voraussetzungen zu haben ist das Eine aber etwas gänzlich anderes dies auch wöchentlich in einem vorgegebenen System zu zeigen. Er machte es möglich! Insgesamt wurden 13 Spieler der Raiders, welche unter Madden gespielt haben auch in die Pro Football Hall of Fame aufgenommen. Bemerkenswert hierbei ist, dass fast alle auch ihren Zenit unter dem Head Coach hatten. Also zu sagen, dass Madden hier von einem Vorgänger profitieren würde, wäre abgesehen von Quarterback Tom Flores (84) welcher nach der ersten Saison von Madden seine Karriere beendete falsch. Trotzdem wurde Flores, ebenfalls ein „Jüngling“, Coach. Flores war nach seiner aktiven Karriere teil des Coaching Staffs und wurde so als potenzieller Nachfolger bereits frühzeitig herangezogen. Dies sieht man auch in der Art und Weise, wie er nach der Übernahme des Head Coach Postens spielen lies. Die Art und Weise erinnerte einen stark an jene seines Mentors. Das von Madden geprägte Spielsystem wurde somit auch erfolgreich in den 80ern fortgesetzt. Wo man unter Flores zwei Mal den Super Bowl gewinnen konnte.

Ohne die Erfolge von Flores schmälern zu wollen, aber irgendwann wollte er aus dem Schatten seines früheren Chefs heraustreten. Als jedoch die von Madden geformten Spieler nach und nach wegbrachen, konnte man auf Dauer nicht mehr erfolgreich sein. Die Zeit der Raiders war vorüber und Flores suchte sein Glück bei den Seattle Seahawks Anfang der 90er. Ein böses erwachen, als er in drei Spielzeiten nur 14 Siege holte! John Madden hingegen machte nach seiner erfolgreichen Zeit etwas ungewöhnliches, er suchte keine neue Herausforderung am Spielfeldrand, sondern wechselte zum TV. Zwar passiert es häufig, dass ehemalige Coaches zum Krafttanken zunächst im Fernsehen als Experten arbeiten, doch Madden war offenbar den Raiders so stark verbunden, dass er nie mehr als Coach für eine andere Franchise zurückkehrte! Fortan begeisterte er mit seinen detaillierten Analysen und präzisen Einschätzungen. Man muss sich nur mal ein altes Spiel von ihm und seinen genialen Partner Pat Summerall (+82) anhören. Die beiden harmonierten so unglaublich gut miteinander, dass sie für viele Jahre ein Duo blieben. Während Summerall kurz und knackig auf einen Spielzug eingehen konnte, vertiefte sein Partner das gesehene mit einer detaillierten Analyse. Acht Super Bowls kommentierten sie gemeinsam! Jahrzehnte lang gehörte Madden zu den beliebtesten Sportkommentatoren im ganzen Land. Erhielt sogar Preise für seine Leistungen. Für fast 30 Jahre blieb er dem TV erhalten, ehe er sich nach der Spielzeit 2008 zurückzog.

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DIE LEGACY VON MADDEN

John Madden wuchs von einem durch Verletzungen gescheiterten Sportler zu einem Head Coach, welcher die NFL nachhaltig veränderte. Seine Herangehensweise war eine gänzlich andere, als die vieler seiner Vorgänger. Er verstand es, dass die Spieler auch ein eigenes Leben hatten und letztlich nur wichtig war, wie man am Sonntag performte. Wenn also ein Spieler Probleme im privaten Bereich hatte, so wird es auch schwierig für ihn seine Leistungen auf dem Feld zu zeigen. Madden war einer der ersten, der die Balance zwischen Sport und Privatem erkannte. Einst sagte er: „Je weniger Regeln man als Coach hat, desto weniger Regeln können von Spielern gebrochen werden!“ Dies stand völlig contraire zu dem damals von militärisch geprägtem Disziplinsdrill innerhalb der Liga. Es wird außerdem den Raiders aus der damaligen Zeit nachgesagt, dass man mit allen Mitteln versuchte zu gewinnen und dabei die Grenze der Fairness häufig überschritt. Fakt ist jedoch, dass die Raiders in den fünf der zehn Jahren seines Head Coaches, zu den fairsten Teams in Bezug auf Strafen waren. Aber nicht nur als Coach veränderte er das Spiel.

Er veränderte auch die Art und Weise, wie sich Broadcaster im TV auf die Spiele vorbereiten. Während man früher „einfach seinen Job erledigte“. Sorgte der Newcomer nach seinem Wechsel ins TV für eine grundlegende Veränderung. So machte er den Hauptverantwortlichen klar, dass sich alle beteiligten auf den Job am Wochenende vorzubereiten haben. Es geht nicht allein ums Entertainment, sondern vielmehr um die zu vermittelnde Kompetenz und Verständnis des Spiels. Seither schauen alle Verantwortlichen auch unter der Woche Videomaterial an, um zu verstehen, was am Wochenende passierte bzw. passieren wird. Die Professionalität der Ausstrahlung und somit auch die Qualität des Inhalts ist seither kaum zu vergleichen. Das er den Namen des Videospiels trägt, ist auf seine Popularität und Anerkennung des Sports zu verstehen. Jemand, der als würdig erachtet wird, einem Videospiel seinen Namen zu geben, muss einfach genial sein. So kann man es auch simple sagen. Trotzdem ist für mich John Madden auch ein ganz einfaches Beispiel, dass nicht immer die Anzahl von Super Bowl Siegen die Aussage gibt, wie gut man tatsächlich ist. Madden hat „nur“ ein Mal sich selbst die Krone aufgesetzt. Da gibt es andere die deutlich mehr gewonnen haben. Trotzdem kann man das Blatt drehen oder wenden wie man möchte John Madden war einer der besten Coaches die der Sport je hatte. Er war einer der besten Broadcaster die dieser Sport je hatte und seine Legende wird auch jetzt weiterleben. Für manch einen vielleicht durch das Video-Game, für jene die ihn gesehen haben durch sein Wirken. Ruhe in Frieden John! Deine Fußspuren werden auch weiterhin für uns alle sichtbar sein!

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