Portraits

Julian Edelman – Das Eichhörnchen Sagt „Good Bye“

JULIAN EDELMAN – DAS EICHHÖRNCHEN SAGT „GOOD BYE“

Manche Geschichten des Sports werden erzählt, andere sollten erzählt werden. Julian Edelman (34, WR) ist eine dieser Geschichten die erzählt werden sollten. „Das Eichhörnchen“ wie er aufgrund seines stetigen Impacts in Spielen und den vielen Catches genannt wurde, prägte die erfolgreiche Zeit der New England Patriots wie kaum ein Anderer. Neben Head Coach Bill Belichick (69), G.O.A.T. Tom Brady (43, QB, Buccaneers) und Tight End Rob Gronkowski (31, Buccaneers) war er das Aushängeschild der Patriots. Vor kurzem wurde er „offiziell“ entlassen, weil er einen Medizincheck nicht bestanden hat. Die Hintergründe sind jedoch ganz anders. Wo reiht man den Passempfänger im NFL Zirkus nun ein? Wir blicken auf die Legacy von Edelman zurück.

ENTLASSUNG ODER KARRIEREENDE?

Der langjährige Receiver der Pats wurde von seinem Team entlassen. Als Grund wurde hierfür ein misslungener Medizincheck angegeben. Kritische Beobachter der Patriots werden wahrscheinlich mal wieder versuchen dem Team von der Ostküste Undankbarkeit oder ähnliches zu unterstellen. „Einen verdienten Spieler wie Edelman einfach zu entlassen!“ Zumal der Starspieler den Medizincheck aufgrund einer Operation gar nicht absolvieren konnte. Somit war von vornherein klar gewesen, dass er diesen auch nicht bestehen wird. Die Hintergründe sind jedoch ganz andere. Der Vertrag des Spielers wäre am Ende der Saison ausgelaufen. Aufgrund von Knieproblemen durch den langjährigen Verschleiß hat sich Julian offenbar für ein Karriereende entschieden. Da er jedoch offiziell wegen einem verfehlten Medizincheck entlassen wurde, hat Edelman zugriff auf einen Sonderfond der NFL. Dies erlaubt ihn für 2021 Geld aus diesem Fond in Anspruch zu nehmen. Am Ende hat möglicherweise sogar auch Edelman selbst um die Entlassung gebeten. Schließlich war einiges vom diesjährigen Gehalt an Bonuszahlungen und Spielprämien gekoppelt. Etwas, was der Spieler wahrscheinlich nicht erreicht hätte, wäre er ein weiteres Jahr als „Invalide“ bei den Patriots unter Vertrag gestanden. So erhält er womöglich mehr Geld aus dem „Invalidenfond“ als er als verletzter Spieler bei den Patriots bekommen hätte.

Im Gegenzug konnten die Patriots wichtigen Platz im Bezug auf die Gehaltsobergrenze schaffen. Freilich bleibt so theoretisch ein „Comeback“ im Bereich des möglichen. Auch ein Vertragsabschluss bei den Tampa Bay Buccaneers mit seinen beiden langjährigen Mitstreitern bleibt so tatsächlich im Bereich des möglichen. Jedoch spricht die Art und Weise wie Edelman sich von den Fans in New England verabschiedet hat ganz klar dagegen. Er verabschiedete sich nicht einfach nur, sondern sprach von einem Rücktritt. Auch wenn dieser aufgrund der besagten Gründe noch nicht formal bei der NFL eingereicht wurde. Dies wird sicherlich erst im nächsten Jahr passieren. Ebenso hat er auch bereits von seinen Plänen in der Zukunft berichtet. Dort bleibt er auch weiterhin den NFL Fans erhalten. Für Paramount+ wird er neben anderen Größen wie Ray Lewis (45, MLB, HOF) oder Michael Irvin (55, WR, HOF) seine Expertise im Programm von „Inside The NFL“ abgeben. Auch weitere Projekte sind geplant. Langweilig wird es dem sympathischen Kämpfer nicht werden.

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DER PROTOTYP DES „PATRIOT WAY“

Vielleicht ist der Ein oder Andere von euch schon mal auf den Begriff „Patriot Way“ gestoßen. Der „Patriot Way“ ist die Definition wie Coach Belichick coacht bzw. was er von seinen Spielern verlangt. Julian Edelman war ein Prototyp dieser Definition. Es kommt nicht drauf an wo man her kommt, sondern was man dem Team bringt. Immer das Team und die Ziele, vor seine eigenen Interessen stellen. Kaum einen Spieler kann man mit dieser Devise so verbinden wie das „Eichhörnchen“. Dazu muss man nämlich wissen, dass der Weg vom Receiver mehr als nur steinig war. Der Weg wahr gerade zu unmöglich und doch ist er nun einer der ganz Großen in New England. Julian Edelman spielte nämlich für ein College welches nicht dafür bekannt ist, jährlich die besten Spieler zu stellen. Ganz im Gegenteil. Was grandiose Nachwuchsschmieden wie Alabama oder Los Angeles in 10 Jahren in die NFL übergeben, hat Kent State im Verlauf seiner knapp 100 Jahren insgesamt an die NFL verloren. Auf der Position des Quarterbacks eingesetzt, wurde er nie als potenzieller NFL Spieler gesehen. Trotzdem wollte er mit aller Macht in die Profiliga. 

Als er seinem Vater von seinem Vorhaben erzählte, sich als Wide Receiver bzw. Special Team Spieler für den Draft anzumelden, war dieser zurecht mehr als skeptisch. Edelman Sr. kannte allerdings auch seinen Sohn und war sich daher sicher, dass dieser nicht nachgeben wird und irgendwie einen Weg finden wird. Stundenlang trainierte er mit seinem Sohn Bälle zu fangen. Er coachte seinen Sprössling und bereitete ihn so auf die Chance vor. Um z.B. ein Gefühl für Punts zu erhalten, lies sich Edelman Sr. von einem Kran knapp 20 Meter in die Luft hieven. Von dort warf er die Bälle für seinen Sohn nach unten. Diese versah er mit tückischem Spin um es so schwerer für seinen Sohn zu machen. Ganz nach dem Motto: „Wenn du die fängst, fängst du auch die „Normalen“!“ Dies machten sie täglich über 10 Stunden, gepaart mit diversen anderen Übungen. In dieser Zeit wuchs das ohnehin dicke Band der Familie noch stärker. Immer wieder betont Julian, dass er es ohne seinen Vater nicht geschafft hätte.

Im NFL Draft 2009 wurde Edelman dann tatsächlich in der 7. Runde an 232. Stelle von den Patriots ausgewählt. Als Dual-Threat-Quarterback konnte er bereits mit vielen Läufen auf sich aufmerksam machen. Diese Videotapes lies es Belichick tatsächlich zutrauen, dass Edelman als Returner einen Mehrwert für das Team haben könnte. Vom ersten Tag an, war der gebürtige Kalifornier höchst professionell und wusste, dass er sich als 7. Runden Pick keine Fehler erlauben darf. Mit harter Arbeit und stets das Beste für das Team zu wollen, blieb er nicht unbemerkt. Egal was die Coaches von Edelman verlangten, er versuchte es zu liefern. Trotzdem musste sich der 1,78 Meter große No-Name seine Sporen nach und nach verdienen. Wenig überraschend wurde er auch zunächst überwiegend auf anderen Positionen als jene des Wide Receivers eingesetzt. Zeitweise half er sogar in der Defensive aus. „Egal was notwendig war!“.

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AUFSTIEG ZUM STAR

Wie so häufig liegen Glück und Leid sehr eng beieinander. Der wirkliche Aufstieg von Edelman begann nämlich mit dem Abgang von einem der Schlüsselspieler New Englands. Als Wes Welker (40) die Patriots 2013 für die Denver Broncos verlies, sollte die Lücke eigentlich Danny Amendola (35, WR) schließen. Während der Neuzugang immer wieder mit Verletzungen strauchelte, avancierte Edelman zur Lieblingsanspielstation von Tom Brady. Nach dieser Break-Out Season war nichts mehr wie davor. Urplötzlich wurde er neben Gronkowski zum Dreh- und Angelpunkt der Offensive. Er war so unglaublich flexibel einsetzbar. Im Slot, auf der Außen, sogar für einen verlässlichen Block war Edelman zu haben. Als Ballträger im Running Game und sogar als Passer hat er seine Fußspuren hinterlassen. Das ultimative Offensivpaket. Eben alles was man sich von einem Spieler wünscht. Dazu blieb er aber stets seiner Einstellung und Arbeitsmoral treu. Nie stellte er sich über das Team oder den Zielen. Er selbst verzichtete sogar auf Geld um bei den Patriots bleiben zu können!

Nun blicken wir auf einen Spieler der in seinen knapp 12 Jahren bei den Patriots vier (!!!) Mal im Super Bowl stand und drei (!!!) Mal gewann! 2017 verpasste er zwar den Run in den Super Bowl aufgrund eines Kreuzbandrisses, wurde aber ein Jahr später zum Super Bowl M.V.P. gekürt. Und trotzdem wurde nach seinem Rücktritt viel über die tatsächliche Legacy des Spielers gesprochen. Ob er eines Hall Of Famers würdig sei. Wenn jemand sagt, dass er es auf Grund seiner Statistiken nicht verdient hat, finde ich das sehr konservativ. Natürlich sollten Plätze in der Hall Of Fame nie leichtfertig vergeben werden, das würde schließlich dem Prestige und die Wertigkeit fraglich machen, aber das Edelman keine 10.000+ Yards gefangen hat, hat viele Gründe. Er kam auf einen sehr untypischen Weg in die Liga und musste sich das Vertrauen der Coaches viel härter erarbeiten als andere Spieler die bereits als Wide Receiver ihr Leben lang aktiv waren. Ein Weg vor dem man einfach Respekt haben muss. Hinzu kommen noch teils schwere Verletzungen. Mehr oder weniger kommt er seit 2013 auf knapp sechs volle Saisons, wo er als Passempfänger dauerhaft eingesetzt wurde. Seine Statistik während der Zeit:

ReceptionsYardsTouchdowns
5516.10832
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Bricht man das nun im Schnitt auf diese sechs Spielzeiten wegen Verletzungen runter, dann sind das pro Saison im Schnitt folgende Werte:

Ø ReceptionsØ YardsØ Touchdowns
91,831.0185,33

Das lässt sich also statistisch schon sehen. Was in meinen Augen Edelman jedoch von vielen seiner Kollegen abhebt ist die Tatsache, dass man auf ihn in den wichtigen Spielen setzen konnte. Das er in Sachen Receptions und Yards in den Playoffs sich lediglich hinter Jerry Rice (58, WR, HOF) einreiht ist kein Zufall. Bleiben wir doch mal zum Vergleich bei Wes Welker. Welker hat jährlich Madden-Videospiel-Statistiken abgeliefert: 900+ Receptions, fast 10.000 Yards und 50 TD’s. Trotzdem würde ich in den Playoffs Edelman jeder Zeit Welker vorziehen. Auch Welker stand fast jährlich in den Playoffs. Sein Impact war aber deutlich schwächer als jener von Edelman. Die Schweine sind hinten fett und dahingehend sehe ich JE11 definitiv als Hall Of Fame Aspirant. Ich bin gespannt ob es dazu kommen wird. Sicher können wir aber sagen, dass das „Eichhörnchen“ zu Recht einer der beliebtesten Spieler in diesem Land ist. Nicht zuletzt weil er so erfolgreich war, auch weil es Spaß gemacht hat ihm zu zu schauen! Sein Einsatz, seine Leidenschaft und sein Spielwitz! Ein herber Verlust für die gesamte Liga und dem Spiel an sich. Danke für die schöne Zeit und weiterhin viel Erfolg!

„FÜR JULIAN EDELMAN IST JEDES SPIEL WIE EIN MMA-FIGHT!“

CRIS COLLINSWORTH

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