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Kansas City Chiefs – Eine Neue Große Dynastie?

KANSAS CITY CHIEFS – EINE NEUE GROßE DYNASTIE?

Die Zeiten sind so schön in Kansas City, wie sie schon lange nicht mehr waren. Seit den ersten fünf Jahren der SuperBowl-Ära, welche gut verliefen (1 SuperBowl Titel + 2 Conference Titel), war Mittelmäßigkeit an der Tagesordnung. Man brachte legendäre Spieler hervor (Tony Gonzalez, Derrick Thomas usw.), aber es fehlte immer der letzte Schritt. Unter Trainerlegende Marty Schottenheimer (77) wurde in den 90ern zwar teilweise in die Playoffs vorgedrungen, aber große Erfolge blieben aus. Die Wende, sowie die Siegermentalität kamen jedoch ab 2013 zurück, als Andy Reid (62), eine weitere Trainerlegende, die Führung übernahm. Der Coach hatte nach einem 2-14 Rekord im Jahr zuvor übernommen und seitdem einen unglaublichen Rekord von 91-37 aufgewiesen. Er formte über seine Zeit ein Superteam und seit Patrick Mahomes (QB, 25) Durchbruch in 2018 ist man weltbekannt. Doch wie schaffte Reid diese ganzen Errungenschaften und wieso haben die Chiefs die beste Chance den Patriots zu folgen und für lange Zeit das dominanteste Team der NFL zu werden?

DIE ÄRA ANDY REID’S

Andy Reid war schon 2012 ein überragender Head-Coach. Nach 30 Jahren Coaching und 12 Jahren Head-Coach Erfahrung, verpflichteten die Chiefs einen Veteranen, der etwas von seinem Handwerk verstand. Er kam in ein schwaches Team hinein, in welchem er aber einiges an Zukunft fand, da die Chiefs den First-Overall Pick im NFL Draft 2013 inne hatten. Auf eins holte man Eric Fisher (OT, 29) und auf 63 Travis Kelce (TE, 31). Auch in der Free Agency ging Reid vor, indem er Alex Smith (QB, 36) von den 49ers ertradete. Diese drei Spieler sollten den Grundstein für Reid’s Vorhaben legen. 

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Trotz unspektakulärem Roster, erreichten die Chiefs die Playoffs. 2014 und 2015 spielte man solide in einer starken AFC West, welche durch Manning’s Broncos geprägt war, konnte jedoch keinen Divisiontitel holen. 2016 sollte aber alles anders werden. Im Draft kamen Chris Jones (DT, 26) und Tyreek Hill (WR, 26) als weitere Puzzlestücke dazu. In der Free Agency komplettierte man das Tackle-Duo, indem man Mitchell Schwartz (OT, 31) für fünf Jahre verpflichtete. Diese guten Investitionen zeigten Wirkung und man leitete eine Siegessträhne ein, indem man mit einem 12-4 Rekord ganz oben im Westen stand.

PATRICK MAHOMES UND DER START DES GROßEN ERFOLGES

Dank ihrem guten Rekord, hatten die Kansas City Chiefs nur den 28. Pick im NFL-Draft. Jedoch hatten die Führungskräfte Andy Reid und Brett Veach (GM, 43) größere Pläne. Mit Alex Smith hatte man einen soliden Game-Managing Quarterback, der wenig Risiken einging, aber deswegen auch für den großen Erfolg ungenügend war. Im Draft gab es drei gute Quarterback-Prospects. Zum einen Mitchell Trubisky (26), welcher Smith ähnelte und als sofortiger Starter, mit niedrigerem Potential galt. Mehr Potential bot Deshaun Watson (25), welcher von einer komplexen Offense in Clemson kam und gute Rushing-Fähigkeiten besaß. Doch das größte Potential, aber auch das größte Risiko brachte Patrick Mahomes (25) mit sich. Er hatte unglaubliche Stärke, mit guter Mobilität, aber machte oft Fehler und schien noch nicht NFL-Ready zu sein. Keiner der Quarterbacks war in der Reichweite von Kansas City, weshalb man zwei Erstrundenpicks und einen Drittrundenpick an Buffalo geben musste, um auf der 10 das Wunschkind zu bekommen.

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Andy Reid, welcher besonderes Talent für Quarterback Entwicklung hat, machte alles richtig und ging für die 2017 Saison mit dem erfahrenen Starter Smith und ließ Mahomes lernen und zuschauen. Das Team schlug sich wie erwartet gut und gewann mit 10-6 den zweiten Divisiontitel. Im letzten Spiel ließ man den Rookie spielen und er schaffte es 27-24 gegen die Broncos zu gewinnen und für 284 Yards zu werfen. In den Playoffs verlor man, nach Chiefs Tradition, jedoch wieder in der ersten Runde. 

MVP SAISON UND SUPER BOWL

Als Mahomes große Zeit beginnen sollte, tradete man Alex Smith nach Washington für Kendall Fuller (CB, 25). Viele Chiefs Fans gingen mit geringen Erwartungen in die Saison und erwarteten eine Anpassungszeit die PM15 bräuchte. Das war allerdings komplett falsch. Er gewann 9 der ersten 11 Spiele und verlor interessanterweise nur gegen die beiden Teams, die sich am Ende im SuperBowl begegnen sollten. Als die Saison sich dem Ende neigte, gingen zwei Spiele aus Unachtsamkeit verloren, aber mit einem 12-4 Rekord, war der erste Platz in der Division sicher. Sicher war auch der MVP Titel, sowie der OPOY Titel für Mahomes nachdem er für über 5000 Yards und 50 Touchdowns warf. In die Playoffs schritt man also mit SuperBowl-Ambitionen. Ein leichter Sieg gegen Indianapolis stellte die Fahrkarte ins Championship-Game gegen New England dar. Der SuperBowl war auch zum greifen nah als Tom Brady (QB, 43) kurz vor Ende der regulären Spielzeit eine Interception warf. Diese wurde jedoch aufgrund eines Offsides von Dee Ford (OLB, 29) aufgehoben und die Patriots retteten sich in die Overtime, wo sie aufgrund von Münzglück gewannen und die Chiefs eliminierten.

Im Jahr darauf waren die Chiefs auf Rache aus. In der Offseason verstärkte man sich mit Tyrann Mathieu (S, 28) und Frank Clark (DE, 27) und war bereit sich der Aufgabe zu stellen. Man startete 4-0 in die Saison, verlor danach gegen die Colts und Texans und als man in Woche 7 gegen Denver gewann, trat das Worst-Case Szenario ein und Mahomes verletzte sich. Zum Glück fiel er nur zwei Wochen aus, in welchen man 1-1 spielte und bei seiner Rückkehr verlor man in einem Shootout knapp gegen Tennessee, das dritte AFC South Team. Diese Niederlage schien etwas in den Köpfen der Chiefs zu wecken, denn ab diesem Zeitpunkt verlor man kein Spiel mehr. Mit 12-4-0 hatte man den zweiten Platz der AFC inne. In der Divisional Round besiegte man, nach einem 20 Punkte Rückstand, die Houston Texans. Im Championship Game eliminierte man die Titans nach einem 10 Punkte Rückstand und so stand man den 49ers im SuperBowl entgegen. Am Ende des dritten Viertels lag man erneut 10 Punkte zurück, aber schaffte mit offensiver Glanzleistung und dem legendären WASP-Play 3 Touchdowns im vierten Viertel, was das 31-20 Ergebnis erbrachte und den Chiefs, nach 50 Jahren, den lang ersehnten SuperBowl-Sieg einfuhr. Patrick Mahomes wurde nach dem Spiel mit dem SuperBowl-MVP ausgezeichnet.

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SAISON 2020

In der Offseason agierte man auf dem Markt ziemlich zurückhaltend, da man das Roster schon da hatte, wo es sein sollte und man keine Unstimmigkeiten verursachen wollte. Die einzigen großen Verluste waren Kendall Fuller (CB, 25) und Emmanuel Ogbah (DE, 27) in der Defense und Stefen Wisniewski (OG, 31) in der Offense, welchen man aber direkt gegen Neuzugang Kelechi Osemele (OG, 31) austauschte. Im eigenen Roster wurde aber einiges „bearbeitet“. Man verlängerte Andy Reid und Brett Veach für sechs Jahre und dann drei der wichtigsten Spieler. Patrick Mahomes erhielt einen 10 Jahre / 503 Millionen Dollar, Chris Jones einen 4 Jahre / 80 Millionen Dollar und Travis Kelce einen 4 Jahre / 57 Millionen Dollar Vertrag.

Im Draft haben die Chiefs, ohne besonders viele Picks zu haben, einige Starter dazubekommen. In der ersten Runde wurde LSU-Standout Clyde Edwards-Helaire (RB, 21) gewählt, welcher bis zu seiner Verletzung in Woche 15 einen sofortigen Unterschied machte. Weiterhin holte man in Runde zwei mit Willie Gay (ILB, 22) und in Runde fünf mit Mike Danna (DE, 23) zwei Spieler, welche Starting Positionen in einem SuperBowl-Roster gefunden haben. Auch undrafted-rookie Tershawn Wharton (DT, 22) war ein Erfolg und startet jetzt neben Chris Jones (26) in Rotation mit Derrick Nnadi (24). Trotz der guten Picks, sticht einer ganz besonders hervor. In der vierten Runde wählte man L’Jarius Sneed (CB, 23), welcher aufgrund schwacher Depth sofort leisten musste. Das tat er auch und am Ende der Saison kann man sagen, dass er mindestens der zweitbeste Cornerback der Chiefs ist und er nahezu jedem Receiver eine Herausforderung geben kann. Sneed hat mit einer PFF-Grade von 73.9 auch die zweithöchste von allen Rookie-Defendern der Liga

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Die Saison startete wie erwartet dominant mit einem Rekord von 4-0, was dazu führte, dass man 11 Monate und 23 Tage ungeschlagen war. In Woche fünf wurde es nämlich anders und die Raiders verblüfften mit unfassbarer Defense-Arbeit und noch besserem Angriff. Man ging in ein Shootout, welches 32-40 verloren ging. Diese frühe Niederlage gegen einen Divisionrivalen, setzte etwas Gutes frei, denn danach gewann man 10 Spiele am Stück und verlor in der letzten Woche nur, weil man seine Starter für die Playoffs schonte. Mit 14-2 und dem First Seed in der AFC, sind nun alle Weichen für erfolgreiche Playoffs gelegt.

AUSBLICK AUF DIE ZUKUNFT

Wie schon gesagt sind alle Weichen für eine gute Zukunft gelegt. Man hat eine starke Saison auf beiden Seiten des Balles gespielt, ist das beste Team der Conference und hat außer der Verletzung von All-Pro Tackle Mitchell Schwartz (31) keine Unglücksfälle. Trotz der guten Voraussetzungen, haben einige Leute Zweifel am Chiefs Team. Das liegt daran, dass man die letzten Wochen häufiger Probleme von schwächeren Teams bekommen hat. In den sieben Siegen zwischen Woche 9 und Woche 16, gewann man im Durchschnitt mit 4 Punkten Abstand, was angsteinflößend ist, wenn auffällt, dass nur zwei der sieben Teams dieses Jahr in den Playoffs stehen. Für die Chiefs ist dies aber alles andere als beunruhigend. Andy Reid hat die Angewohnheit sich auf das Niveau seiner Gegner herabzulassen und so wenig wie möglich vom Playbook zu verraten. Als man nach der Bye-Week 8-1 stand, hat Reid vermutlich schon an die Playoffs gedacht und das Playcalling für die Wochen danach minimalistisch gehalten. Denn in Kansas City war schon vor der Saison klar, dass man sich mit einem einzigen SuperBowl-Sieg nicht zufrieden gibt und man höhere Ziele vor Augen hat.

Nun fragt man sich zu recht, ob die Chiefs wirklich eine Art Dynastie bilden können, die für mehrere Jahre hält und sie jedes Jahr „the team to beat“ in der AFC sind. Alles in allem ist dieses Ziel realistisch, da man die Grundpfeiler (Reid+Veach, Mahomes, Kelce, Jones usw.) für die nächsten Jahre sicher hat und sie mit guten Draftpicks, auch in späten Runden, unterstützt. Allein dieses Jahr hat die Kompetenz von Veach mehrfach unter Beweis gestellt. Eine Draft-Class in der man mit sieben Picks, fünf potentielle Starter herausbekommt ist unglaublich. Des weiteren baut er die Verträge der Chiefs mit Klauseln so aus, dass man diese nach einer gewissen Zeit, ohne große Verluste, mit einem Cut löschen kann. Solang man also von Schicksalsschlägen verschont bleibt und alle auf ihrem konstanten Niveau weiterspielen, sollte das Ziel realistisch sein.

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