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NFL Dynastien – Die Stählernen 70er

NFL Dynastien – Die Stählernen 70er

Als man die wilden 60er mit dem Konkurrenzkampf zwischen NFL und AFL hinter sich gebracht hatte, wollte man das neue Jahrzehnt nutzen, um den Zusammenschluss der zwei Ligen zu verfeinern. Mit einem Super Bowl als Meisterschaftsendspiel, den Playoffs und der Unterteilung in zwei Konferenzen mit Divisionen, hatte man endlich das uns bekannte System der NFL zusammen.

Fortan versuchte man den Platz an der Sonne zu stärken, weshalb man die Überschrift zweifach verstehen kann. Zum einen versuchte man durch gute TV- und Sponsorendeals das bereits vorhandene Fundament zu stählern und so eine gute wirtschaftliche Basis zu schaffen, zum Anderen gehörte das Jahrzehnt der Franchise aus der Stahlstadt Pittsburgh.

Ungeschlagene Dolphins

Nach dem Zusammenschluss wusste natürlich niemand so genau wo man steht. Schnell merkte man, dass die Dominanz der Green Bay Packers nach dem Zusammenschluss der Ligen bzw. Abgang und Verlust von Vince Lombardi (HC, 57+ 1970) gebrochen war. Nach mehreren wechselnden Champions sorgten die Miami Dolphins unter Don Shula (HC, 88) 1972 und 1973 für Furore. Dem Team gelang 1972 etwas, was bislang noch niemanden sonst gelang. Sie spielten eine „Perfect Season“ ohne auch nur eine einzige Niederlage während einer Saison, wurde man Super Bowl Sieger!

Neben den 14 Spielen in der Regulären Saison, gewann man auch noch die drei Playoff Spiele, was zu 17 Spielen ohne Niederlage führte. Einzig die New England Patriots von 2007 können hier mithalten. Die Pats gewannen alle 16 Regular Season Spiele und schafften es in den Super Bowl. Diesen verlor man dann jedoch gegen die New York Giants. Dies führte also zu einer Bilanz von 18 – 1 – 0. Somit haben die Patriots in dieser Spielzeit zwar mehr Spiele gewonnen als die Dolphins jener Zeit in den 70ern, doch aufgrund der Niederlage im Super Bowl verpasste man eben die Perfekte Saison.

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Ein Jahr später holten sie den Super Bowl erneut, der bis dato letzte Super Bowl für die Miami Dolphins. Im Anschluss an diese zwei dominanten Jahre, konnte das Team aus Florida nicht mehr an die Erfolge anknüpfen. Es tat sich eine neue Macht in der Liga hervor. Eine Verteidigung, welche der moderne Football bis dahin noch nicht erlebt hat. Die Pittsburgh Steelers zeigten in der Folge nicht nur wie man Titel holt, sondern wie man Gegner durch eine Verteidigung die seines Gleichen suchte beherrscht.

Der Stahlvorhang

Der Spruch „Offense Wins Games, Defense Wins Championships“ passt in diese Epoche wie kaum in eine andere. Während die Dolphins durch ihr starkes Offensivspiel dominierten, hatte Pittsburgh in Form von Head Coach Chuck Noll (82+) ganz andere Ansätze. Er formte eine Verteidigung, an denen sich die Gegner die Zähne ausbissen. Man löste also nicht nur die Dolphins als Champion ab, sondern holte in den anschließenden sechs Jahren insgesamt vier Titel! In vier dieser sechs Jahre hatte man jeweils die mit teilweise großem Abstand beste Verteidigung.

Noch heute bekommen die Leute in Pittsburgh Gänsehaut wenn man vom berühmt berüchtigten „Steel Curtain“ spricht. Die Verteidigung als sogenannten Stahlvorhang wie der Spitzname übersetzt bedeutet, sorgte in der gesamten Liga für Angst und Schrecken. Es waren nicht nur allein die starken individuellen Spieler, es war das gesamte Konzept der Verteidigung das griff.

Football: View of Pittsburgh Steelers fans in stands holding THE STEEL CURTAIN sign of defensive players (L-R) Dwight White (78), Ernie Homes (63), Joe Greene (75), and L.C. Greenwood (68) during game vs Baltimore Colts at Three Rivers Stadium. 
Pittsburgh, PA 12/27/1975
CREDIT: Heinz Kluetmeier (Photo by Heinz Kluetmeier /Sports Illustrated/Getty Images)
(Set Number: X20123 TK1 R10 F3 )

Hinzu kommt noch eine Offensive, welche angeführt von Terry Bradshaw (QB, 70) ebenfalls in der Lage war, ein Spiel zu drehen. War die Verteidigung mal nicht on Top, was nicht sehr häufig in dieser Zeit vorkam, dann hatte man immerhin noch Bradshaw und seine Mannen, auf die man sich ebenfalls verlassen konnte. Hier möchte ich den Super Bowl 1978 hervorheben. In einem knappen Spiel setze sich Pittsburgh mit 35 – 31 gegen die Dallas Cowboys durch, welche den Stahlvorhang an den Rande einer Niederlage brachten.

In der ganzen Saison hatte der „Steel Curtain“ nicht mehr als 24 Punkte in einem Spiel zugelassen. Damals schien es so, als hatten die Cowboys ein Rezept gefunden, den Vorhang zu entzaubern. Am Ende war es aber einer starken Offensivleistung zu verdanken, dass der Titel zurückgeholt wurde. Mit einem Passerrating von 119.2, 318 Yards Raumgewinn und 4 Pässen sicherte Bradshaw seinem Team nicht nur den Titel, sondern auch seinen Super Bowl M.V.P. Award als Wertvollster Spieler des Meisterschaftsspiels.

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Trotz seiner vier Titel als Quarterback wird Bradshaw nie mit den ganz großen Namen seiner Riege genannt. Das liegt wohl auch daran, dass tatsächlich viele dieser Titel auf diese extrem starke Verteidigung zurückzuführen sind. Bradshaw gilt natürlich als verlässlicher und guter Quarterback aber im direkten Vergleich zu einem Peyton Manning (QB, 42), Joe Montana (QB, 62) oder Tom Brady (QB, 41) sieht man doch sehr große Unterschiede.

Auch dies unterstreicht in meinen Augen die Stärke des „Steel Curtain“. Wer vier Super Bowls gewinnt und nicht bei den ganz, ganz Großen dabei ist, muss unglaubliche Unterstützung gehabt haben. Diese lässt sich wohl nicht von der Hand weisen.

Pittsburgh Steelers

pittsburgh-steelers

Gegründet: 1933

Dynastie: 1974 – 1979

Bilanz während der Dynastie: 80 – 22 – 1

Playoff Teilnahmen: 6 x (1974, 1975, 1976, 1977, 1978, 1979)

Division Titel: 6 x (1974, 1975, 1976, 1977, 1978, 1979)

AFC Champion:4 x (1974, 1975, 1978, 1979)

Titel: 4 x Super Bowl Champion (1974, 1975, 1978, 1979)

Dynasty Hall Of Famer: 10

Chuck Noll (Head Coach, 82+), Mel Blount (CB, 70), Terry Bradshaw (QB, 70), „Mean“ Joe Greene (DT, 72), Jack Ham (OLB, 69), Franco Harris (FB, 68), Jack Lambert (MLB, 66), John Stallworth (WR, 66), Lynn Swann (WR, 66), Mike Webster (C, 50+)

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