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Philadelphia Eagles – Stille Übernahme

PHILADELPHIA EAGLES – STILLE ÜBERNAHME

Die Philadelphia Eagles legten einen verheißungsvollen Start hin. Nach einigen gravierenden Neuerungen in der Offseason, wusste man im Vorfeld der Saison nicht so ganz wo man die Franchise einordnen kann. Vor allem aber ob alle Veränderungen auch funktionieren. Nach aktuellem Stand, befindet sich die Franchises auf einem guten Weg. Das Team vom neuen Head Coach Nick Sirianni (40) verkauft sich bisweilen richtig teuer. Die aktuelle Bilanz von lediglich zwei Siegen zu vier Niederlagen schaut nämlich schlechter aus als sie in Wirklichkeit ist.

WEITREICHENDE VERÄNDERUNGEN

Im Vorfeld der Saison entschied man sich von Seiten der Eagles auf einige weitreichende Veränderungen. Die Franchise verpflichtete nicht nur einen neuen jungen Head Coach, sondern tauschte auch seinen Quarterback aus! Doug Pederson (53) wurde im Januar etwas überraschend vor die Tür gesetzt. Warum das Ende der Ära-Pederson etwas unrühmlich kommt? Nun ja, die Franchise wartete sehr lange auf seinen ersten Super Bowl Triumph. Diesen Erfolg erreichte man dann aber letztlich unter der Führung des Head Coaches Perderson 2017. Pederson verstand es ein System aufzuziehen bzw. anzupassen, in dem auch Backup-Quarterback Nick Foles (32, QB) brillieren konnte. Ohne dem etatmäßigen Quarterback Carson Wentz (28) erreichte man nicht nur die Playoffs 2017, sondern holte auch den Titel nach Philadelphia.

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In der Folge schaffte man es immer wieder den Ausfall des leider verletzungsanfälligen Wentz zu kompensieren und erreichte auch in den beiden Folgejahren die Playoffs. Vergangene Saison dann der Fall. Wiedermal konnte der Starquarterback nur 12 Spiele wegen einer Verletzung mitwirken. Es übernahm der Backup und anders als in den Jahren zuvor, scheiterte man diesmal kläglich an der Postseason. Lediglich vier Siege standen am Ende zu Buche. Es hinkte auf beide Seiten des Balles. Weder die Offensive konnte mit ihrem begeisternden Spiel der vergangenen Jahre hervorstechen, noch die Defensive vermochte es zu überzeugen. Es wurde die schlechteste Spielzeit seit Doug Pederson 2016 zum Hauptverantwortlichen ernannt wurde. Aufgrund der verdienten Lorbeeren aus der Vergangenheit, rechneten wohl nur wenige mit einer Entlassung. Wer den Super Bowl zum ersten Mal nach Philly holt, sollte eigentlich eine Statue bekommen. Schließlich ist die Franchise alles andere als von Erfolgen verwöhnt. Stattdessen entschieden sich die Verantwortlichen, getrennte Wege mit dem Head Coach zu gehen. 

Über die Hintergründe lässt sich nur spekulieren. Aus dem Umfeld der Franchise hört man immer wieder, dass man von Seiten der Verantwortlichen gewillt war auf der Quarterback Position neue Wege zu gehen. Pederson stattdessen wollte aber an Carson Wentz festhalten. Diese Meinungsverschiedenheit soll einer der Beweggründe gewesen sein, warum es am Ende zum Bruch kam. Wir wissen ja alle wer am Ende das letzte Wort hat. So kam es, dass der Heilsbringer gehen musste und durch den jungen No-Name Nick Sirianni ersetzt wurde. Sirianni hat bereits diverse Stationen als Offensive Assistent hinter sich. Zuletzt fungierte er drei Jahre als Offensive Koordinator bei den Indianapolis Colts. Die Art und Weise wie er spielen lässt, passt zu dem, was die Eagles in den vergangenen Jahren gespielt haben. 12 Personnel ist etwas, was er bei den Colts sehr stark etablierte. Seine Vorliebe mit zwei Tight Ends zu agieren passt zu seinem neuen Arbeitgeber. Über die vergangenen Jahre gesehen ist kein Team besser in dieser Formation als die Eagles. Da traf es sich gut, dass man auf dieser Position mit Zach Ertz (30, TE) und Dallas Goedert (26, TE) herausragend besetzt war. Am Freitag gab man jedoch den alternden Ertz an die Arizona Cardinals ab. Der jüngere Goedert hatte auch hier nach und nach Ertz den Rang abgelaufen. Hier darf man gespannt sein, ob das zu einer größeren Eingebundenheit im Offensivspiel für Jack Stoll (23, TE) oder Noah Togiai (24) führt.

TRADE FÜR DIE ZUKUNFT

Mit der Spielphilosophie trifft der „Neuling“ also den Nerv des Teams. Fungiert hier so zu sagen auf einer Wellenlänge. Trotzdem hat er bereits eine schwere Entscheidung hinter sich. Die Personalie Carson Wentz ist sicherlich eine der meist diskutierten seit er 2016 in die Liga kam. Der Spielmacher agierte 2017 auf M.V.P.-Niveau, ehe ein Kreuzbandriss ihn die Saison, Playoffs und Super Bowl Teilnahme kostete. Am Ende heimste Back-Up Nick Foles den Ruhm ein! Sehr bitter für den Spielmacher. Seither muss man aber leider sagen, dass Wentz immer wieder verletzungsbedingt passen musste und nie mehr zur alten Form zurückfand. Es ist nie gut, wenn eine Franchise auf seinen Quarterback verzichten muss. Zu oft hat Wentz in den wichtigsten Momenten einer Saison gefehlt. Vielleicht war die Geduld der Verantwortlichen am Ende oder seine Wachablösung schlichtweg zu gut. Mit Jalen Hurts (23, QB) draftete man 2020 einen verheißungsvolles Talent. Der variable Spieler zeigte vergangene Saison als Ersatzmann von Wentz, was er leisten könnte. Schnell horchten die Verantwortlichen auf und sahen in ihm einen ernst zu nehmenden Konkurrenten für den erfahren Strippenzieher. 

Hurts weckte auch innerhalb der Liga Begehrlichkeiten. Es ist immer interessant für Teams mit strauchelnden Quarterbacks zu sehen, dass anderswo ein Back-Up groß aufspielt. Nachdem man sich entschied wie es weitergehen soll und sich von Pederson getrennt hatte, wurde letztlich Wentz an dem ehemaligen Arbeitgeber von Head Coach Sirianni abgegeben. Die Colts, welche nach dem Beenden der Karriere von Philip Rivers (39, QB) auf der Suche nach einem neuen Spielmacher waren, griffen zu. Für verhältnismäßig wenig Gegenwert wurde Carson Wentz getradet. Ein 3. Runden Pick 2021 und 2. Runden Pick 2022, welcher je nach Anzahl der Snaps des Spielers im ersten Jahr zu einem 1. Runden Pick 2022 abgewandelt werden könnte. Colts Fans wissen, was Wentz grundsätzlich leisten kann und werden mit dem Trade zufrieden sein. Die Eagles hingegen gingen ein Risiko ein, um komplett neue Wege zu gehen. Es scheint so, als wollte man sich bewusst von der Ära-Pederson lösen, um Platz für ein neues Zeitalter und eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen.

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STILLE ÜBERNAHME

Was letztes Jahr bei den Eagles passierte ist ein Phänomen, welches nicht selten in der NFL passiert. Man hat einen Franchise Quarterback um den herum ein Team aufgebaut wurde. Jemand der zumeist unangefochten innerhalb des Teams ist. Ohne das man es kommen sieht, steht aber nach der Offseason jemand komplett anderes im Zentrum des Geschehens. Es wirkt wie eine stille Übernahme, welche mehr im Verborgenen stattfindet. Vor den Augen der Fans merkt man fast nichts davon. Patrick Mahomes (26, QB) saß in seinem ersten Jahr bei den Kansas City Chiefs fast komplett auf der Bank. Kaum sahen die eigenen Fans etwas von ihm. Nach der Saison wurde der Starting-Quarterback Alex Smith (37, QB) nach Washington getradet. Bei den New England Patriots rechneten alle vor der Saison mit Cam Newton (32, QB) under center. Im Verlauf der Preseason verlor er das Team an Rookie-QB Mac Jones (23). Viel passiert hier im täglichen Training, innerhalb des Teams. Den Fans bleiben die Details zumeist verschlossen.

Jalen Hurts bei den Eagles konnte letzte Saison bereits Akzente setzen und lies sein Talent immer wieder aufblitzen. Auch wenn er nur einen Sieg in der Abwesenheit seines Starting-QB einheimsen konnte, schaffte er es die Verantwortlichen zu überzeugen. So folgte einmal mehr eine stille Übernahme der wichtigsten Position im Spiel. Nach nun absolvierten sechs Partien, hat er bereits doppelt so viele Siege wie letzte Saison. Er überzeugt durch seine Flexibilität und Mobilität, gepaart mit einer geringen Fehlerquote. Auch wenn die Franchise momentan eine negative Bilanz hat, muss man hier ganz klar sagen, dass das Team gegen bereits einige starke Gegner spielen musste. Die letztjährig durch Verletzungen gebeutelten San Francisco 49ers und Dallas Cowboys schielen wieder Richtung Playoffs. Mit einem Sieg über die Carolina Panthers bezwang man die beste Verteidigung der Liga und über die Kansas City Chiefs und Tampa Bay Buccaneers muss man nichts weiter sagen. Gemessen an diesen Gegner kann das Team zufrieden sein. Schließlich kommen noch deutlich einfachere Kontrahenten im Verlauf der Saison. Ich wage sogar die Prognose, dass man am Ende der Saison keine negative Bilanz haben wird. Wichtig wird dabei jedoch sein, wie man gegen die Teams auf Augenhöhe agiert. Schafft man es auch selbst mal das Spiel zu diktieren und durchzuziehen oder benötigt man die Underdog Rolle um die Leistung abrufen zu können. Wir sind gespannt welchen Weg der Flug der Eagles noch nehmen wird. 

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