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Pittsburgh Steelers – Die Letzte Runde?

PITTSBURGH STEELERS – DIE LETZTE RUNDE?

Die Pittsburgh Steelers sind ein Team, für das trotz der gestrigen Niederlage weiterhin alles offen ist. Mit einer Bilanz von nun 6 – 6 – 1 rangiert man auf dem dritten Platz in der starken AFC North. Mit Kontrahenten wie den Baltimore Ravens (8 -4 – 0), Cincinnati Bengals (7 – 5 – 0) und Cleveland Browns (6 – 6 – 0) in einer Division ist das Playoff-Rennen noch vollkommen offen. Auch die Browns haben noch die Chance, zumindest über die Wild Card in die Playoffs zu rutschen! Selten war diese Division so ausgeglichen wie in dieser Spielzeit. Da Alles so nahe beieinander liegt, kann es auch für die Steelers noch in alle Richtungen gehen. Schafft man keinen grandiosen Endspurt, könnte man die Saison mit einem enttäuschenden Ergebnis beenden. An jenem Scheideweg, an dem man sich aktuell in der Saison befindet, könnte es auch in Zukunft weitergehen. Denn eine ganz große Frage wird sich in dieser Offseason stellen, was passiert mit Ben Roethlisberger (39, QB)?

RENTE ODER RETURN

Jahrelang prägte „Big Ben“ Roethlisberger die Pittsburgh Steelers. Nun befindet sich der Strippenzieher in einer unangenehmen Situation. Bereits vor der letzten Saison wurde gemunkelt, ob er nicht schon bereit für die Rente ist. Er strafte diese Spekulationen mit einem neuen Vertrag. Sicherlich auch um Cap Space für das Team zu kreieren, aber laut Papier soll dieses den 1,96 Meter Hünen bis ins Jahr 2022 fest an die Franchise binden. Daher muss man sich aktuell fragen, ob der Starspieler noch genügend Öl im Tank hat? Bisweilen erinnert einen der Spielmacher ein bisschen an Drew Brees (42) zum Ende der letzten Saison. Das meine ich überhaupt nicht böse, aber irgendwann ist man einfach nicht mehr physisch in der Lage das zu leisten, was in der NFL benötigt wird. Der Generationenwechsel auf der Quarterback Position ist bereits vor Jahren stetig erfolgt. Große Namen wurden über die Jahre durch junge aufstrebende Spieler ersetzt.

Was „Big Ben“ 2021 abliefert ist nach wie vor auf einem ordentlichen Niveau, aber eben auch nicht mehr so, wie man das eigentlich von ihm gewohnt ist. Man hat das Gefühl wenn man seine Würfe sieht, dass ihm so langsam aber sicher der Saft ausgeht. Mancher spricht von einer Klippe, die man urplötzlich hinunter fällt. Ganz so gravierend sehe ich es zwar noch nicht bei Roethlisberger, aber trotzdem hat man das Gefühl, dass diese Klippe nicht mehr weit entfernt ist. Mit im Schnitt 6,6 Yards Raumgewinn pro Passversuch liefert er eine seiner schlechtesten Werte ab! Dabei darf man nicht vergessen, dass er sich bereits in seiner 18. Saison befindet! Natürlich hat er immer noch diesen gewissen Touch, der ihn über all die Jahre ausgezeichnet hat. Allerdings lässt sich auch nicht von der Hand weisen, dass er bei weitem nicht mehr die Power im Arm hat, wie noch vor Jahren. Auch wenn die Offensive soweit gut funktioniert, sehe ich einen taumelnden Quarterback, der sich offen und ehrlich die Frage stellen muss, wird nächstes Jahr meine letzte Runde oder befinde ich mich sogar schon inmitten dieser?!

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Rund ums Passen gehört der zweimalige Super Bowl Champion seit mehr als einem Jahrzehnt zu dem Besten, was die Liga zu bieten hat! Egal ob es um Yards oder Touchdowns geht, der Name von „Big Ben“ ist stets unter den führenden der Liga zu finden. Das man dieses Niveau nicht auf Dauer halten kann ist absolut menschlich. Ich wünsche mir jedoch für ihn, dass er die Zeichen erkennt und keinen bitteren Niedergang wie Brees letztes Jahr selbst erleben muss. Drew Brees führte seine New Orleans Saints zwar in die Playoffs, wurde dort jedoch von den Tampa Bay Buccaneers mit 30 – 20 geschlagen. Bitter an dieser Geschichte war die Tatsache, dass Brees wohl seine schlechteste Playoff Performance zeigte und drei Interceptions beisteuerte, die unter anderem auch auf seine fehlende Armkraft zurückzuführen waren. Ähnliches würde ich dem Leader der Steelers gerne ersparen. Das dies aber nicht zwangsläufig immer so kommen muss, zeigen auch andere Beispiele wie Peyton Manning (45, QB, HOF).

ALS EINHEIT ZUM ERFOLG

Manning führte 2015 die Denver Broncos zum Super Bowl! Dabei spielte der Hall of Famer die schlechteste Saison seiner Karriere. Seine Würfe eierten durch die Luft. Es schien so, als hatte der Haudegen keine Kraft mehr um im Ansatz auf diesem Niveau zu agieren. Trotzdem war das Team erfolgreich. Man stellte die zuvor auf Pässe setzende Offensive auf ein äußerst effektives Laufspiel um und hatte eine Verteidigung, an denen man sich die Zähne ausbeißen konnte! Diese Denver-Defense ist gemeinsam mit der „Legion Of Boom“ der Seattle Seahawks die Beste der letzten 10 Jahre! Aus den Broncos wurde eine Einheit, mit der man erfolgreich den Titel holte. Ähnliches müssen auch die Pittsburgh Steelers schaffen. Head Coach Mike Tomlin (49) ist sein alternder Star nicht entgangen. Deshalb hat man vorgesorgt und im diesjährigen Draft bereits in der 1. Runde einen Running Back geholt!

Mit der Leistung von Najee Harris (23, RB, Rookie) kann man zufrieden sein. Zwar sind 3,6 Yards Raumgewinn im Schnitt noch ausbaufähig aber man darf nicht vergessen, dass das Laufspiel auch von einer stabilen und funktionierenden O-Line abhängig ist. Durch den frühen Pick wollte man auf jeden Fall deutlich machen, dass man dabei ist die Offensive umzustellen und den Ball nicht mehr so häufig in die Hände Roethlisberger zu legen. Dementsprechend läuft man deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Mit Blick auf die verbleibenden Spiele, könnte es sogar ein neuer Rekord werden in der Ära Tomlin-Roethlisberger. Harris selbst hat den Ball schon 217 mal getragen. Nur vier Spieler sind häufiger gelaufen als er! Vielleicht soll das auch das Rezept sein, dass der Strippenzieher noch etwas durchhält. Verlässt man sich ähnlich wie es bei den Broncos 2015 der Fall war überwiegend auf das Laufspiel, kann Roethlisberger durch kurze Play-Action Pässe auch weiterhin enorm wichtig sein. Ähnlich versteckte man die fehlende Armpower von Manning. Was allerdings ein gravierender Unterschied ist, sind die beiden Verteidigungen.

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ZWEI GESICHTER

Man muss es ehrlich sagen, leider können die Steelers bei weitem nicht auf eine ähnlich starke Defense bauen wie jene Broncos 2015! Um ehrlich zu sein ist dies überhaupt kein Vergleich! Zwar präsentiert man sich gegen den Pass gut und hat sogar mit die wenigsten Passing-Touchdowns zugelassen, aber der Lauf dürfte gerade in den Playoffs zum Problem werden. Kein Team lässt im Schnitt pro Laufversuch mehr Yards zu als die Steelers! Gerade wenn in der Postseason Teams wie die Tennessee Titans oder New England Patriots mit ihrer Power-Run-Offense warten, dürfte das Team aus Pennsylvania seine Grenzen aufgezeigt bekommen. Hier hat man zu große Probleme. Es ist im Grunde genommen auch wahnsinnig schwer eine Defense zu kreieren, wobei weder die Pass- noch die Laufverteidigung Schwächen aufweisen. Schon alleine weil es schwer ist gleichermaßen individuelle Spieler im Team zu haben. Schauen wir uns alleine T.J. Watt (27, OLB) an. Erst kürzlich lobte sein Quarterback den Starverteidiger in den höchsten Tönen. Sogar von M.V.P. Stimmen ist die Rede gewesen, zurecht!

T.J. Watt hat bislang 11 Spiele absolviert in denen er abartige Leistungen zeigte! 16 Sacks, mehr als jemals zuvor! 4 Verteidigte Pässe, 4 erzeugte Fumbles und 2 Fumbles ergatterte er selbst! Der Typ geht aktuell durch die Decke! Trotzdem ist es so, dass er aufgrund seiner Position überwiegend im Passspiel seine Akzente setzen kann! Sein permanenter Pass-Rush setzt den gegnerischen Spielmacher dauerhaft unter Druck. Die verteidigenden Pässe sprechen für sich und die Fumbles werden oftmals durch Strip-Sacks erzeugt, wobei er den Quarterback so hart erwischt, dass dieser den Ball verliert. Hätte man eine solche individuelle Bank auch dauerhaft gegen den Lauf, wären die Steelers sicherlich kein 6 – 6 – 1 Team! Ganz bitter ist es deshalb, dass man Watt im jüngsten Spiel gegen die Minnesota Vikings durch eine Verletzung frühzeitig verlor. Am Ende hat sicherlich auch sein Ausfall zur 36 – 28 Niederlage beigetragen! Somit befindet man sich nicht mehr in einer lukrativen Ausgangssituation. Man hat zwar noch alles in der eigenen Hand aber das Restprogramm hat es in sich! Das ist das Niveau, welches man benötigt um in den Playoffs zu spielen. So zusagen ein Prüfstein ob man wirklich reif für die Playoffs ist!

RESTPROGRAMM

WocheGegnerBilanz
15Tennessee Titans8 – 4 – 0
16@ Kansas City Chiefs8 – 4 – 0
17Cleveland Browns6 – 6 – 0
18@ Baltimore Ravens8 – 4 – 0
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