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Seattle Seahawks – Das Neue Gesicht Der Franchise

SEATTLE SEAHAWKS – DAS NEUE GESICHT DER FRANCHISE

Mit einer starken Bilanz von 10 – 4 – 0 hat man das Playoff-Ticket bereis gelöst. Die Rede ist von den Seattle Seahawks. Die Frage, welche sich nun noch stellt ist, mit welchem Seed wird man in die Postseason einziehen? Mit einem Sieg am kommenden Wochenende würde man sich den Division Titel der bärenstarken NFC West sichern. Allein das ist schon ein großer Erfolg.

DIE BESTE DIVISION DER NFL

Hin und wieder gibt es wirklich verrückte Dinge in der NFL. Dazu gehören auch die Konstellationen der Divisionen. So spielen hier die örtlichen Gegebenheiten zumeist eine Rolle, wonach die Divisionen unterteilt sind. Die Divisionen sind festgelegt und nicht änderbar. Hin und wieder kommt bzw. kam es zu Veränderungen, wenn neue Franchise in die NFL aufgenommen werden bzw. wurden. So kann es Jahre geben, wo Divisionen von einem Team dominiert werden oder alle zusammen schwach sind. Ähnliches passiert in dieser Spielzeit in der NFC East. Mit dem Washington Football Team (6 – 8 – 0), Dallas Cowboys (5 – 9 – 0), New York Giants (5 – 9 – 0) und Philadelphia Eagles (4 – 9 – 1) haben grundsätzlich alle Teams der Division noch Chancen auf die Playoffs. Allerdings mit Bilanzen, mit denen man in anderen Divisionen abgeschlagen den letzten Platz einnehmen würde.

Solche besonderen Jahre gibt es ab und an. So schwach wie die NFC East ist, so stark ist die NFC West. Es ist wohl keine Übertreibung, wenn wir hier schon seit Jahren von der stärksten und ausgeglichensten Division der gesamten Liga sprechen. Zwei der vier Teams waren an den letzten beiden Super Bowls beteiligt. In den letzten fünf Jahren konnte jedes der vier Teams mindestens einmal die Division gewinnen! Keine andere Division kann mit einer solchen Abwechslung aufwarten. Es gab Jahre, in denen es sogar drei der vier Teams in die Postseason geschafft haben, ähnliches könnte auch in dieser Spielzeit passieren. Teilweise wurde sogar die NFC Championship eine interne NFC West Angelegenheit. Über so viel Wettbewerb können andere Divisionen nur lachen. Das ganze ist aber nicht immer ein Segen.

Aufgrund der Tatsache, dass man gegen die eigenen Divisionskonkurrenten immer zwei Spiele bestreitet, ist es natürlich ein großer Unterschied, ob ich gegen ein Team mit im Schnitt 10 Siegen in den letzten fünf Jahren, wie die Seahawks antreten muss, oder aber gegen die New York Giants, welche auf 5,8 Siege im Schnitt kommen. Freilich ist das Prestige der NFC West entsprechend hoch und das verpassen der Playoffs kann so auch gut mit der starken Division begründet werden. Trotzdem wäre es sicherlich allen vier Teams der Division lieber, man hätte eine nicht ganz so starke und würde es so vielleicht regelmäßiger in die Playoffs schaffen.

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EIN NEUES GESICHT

Für Seattle steht am kommenden Wochenende eines dieser schweren Divisionsspiele an. Gewinnt man die Partie zu Hause gegen die Los Angeles Rams, würde man sich den prestigeträchtigen Division Titel sichern. Gewarnt sein wird man allemal. Im letzten Aufeinandertreffen in Woche 10 verlor man auswärts mit 23 – 16. Die Rams sind der stärkste Verfolger der Seahawks, welche nur einen Sieg weniger auf dem Konto haben. Seattle hat in den letzten Jahren eine interessante Entwicklung genommen und so nach und nach sich von der dominanten Defensive der letzten Jahre gelöst. Die „Legion Of Boom“ wird als eine der besten in der NFL Geschichte eingehen. Über Jahre dominierte die Defense der Franchise ihre Gegner. Am Ende kam ein Super Bowl Gewinn und eine weitere Teilnahme dabei heraus. 

Nun hat sich dieses Gesicht der Franchise gänzlich gewandelt. Von der originalen „Legion Of Boom“ ist niemand mehr übrig. Freilich sind noch einzelne Spieler wie Tre Flowers (25, CB) oder Shaquill Griffin (25, CB) im Kader vorhanden. Sie haben mit Teilen der originalen Mitglieder der überragenden Seahawks Secondary zusammengespielt. Die Tradition wird somit irgendwie schon noch fortgeführt, der wahre Glanz ist jedoch schon längst verflogen. Mit der Abkapslung zur berühmten Defensive, welche die Franchise geprägt hat wie kaum etwas oder jemand anderes, hat man aber neue Chancen entwickelt. Denn nun wird das Team nicht mehr von der Defensive, sondern der Offensive getragen. Sie ist das neue Gesicht der Franchise. Allen voran ist hier Quarterback Russell Wilson (32) im Fokus. Wilson gehört schon seit Jahren zu dem Besten, was die Liga zu bieten hat. Trotzdem fällt er immer etwas unter den Tisch.

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Wilson spielt auf einem konstant hohen Niveau. Seine Fehlerquote hält der Spieler sehr gering. Zusätzlich ist er nicht nur durch die Luft, sondern auch auf dem Boden ein exzellenter Spieler. Mit der aktuellen, erneut starken, Spielzeit, ist er einmal mehr in den Fokus für die M.V.P. Auszeichnung geraten. Erwähnen sollte man hierbei auch, dass das was Wilson wöchentlich veranstaltet unter Voraussetzungen geschieht, die nicht immer gewürdigt werden, wie jene anderer Topspieler. Nehmen wir hier mal die O-Line. Obwohl Wilson sehr wendig und ein schneller Läufer ist, wurde er in der letzten Saison 48 mal gesackt. Kein anderer Quarterback wurde häufiger hinter der Line of Scrimmage zu Boden gerungen. Zum Vergleich, Patrick Mahomes (25, QB, Chiefs) wurde in der letzten Saison lediglich 17 mal von der Defensive „aufgefressen“. Hinzu kommt bei Wilson auch, dass er sich ein ums andere mal aus misslichen Lagen aufgrund seines läuferischen Vermögens herauswinden konnte. Sonst wäre diese Zahl wahrscheinlich noch bedeutend höher.

Jeder weiß, dass man durch Druck einen Quarterback zu Fehlern zwingt. Obwohl der Spielmacher letztes Jahr häufig unter Druck geriet, warf er nur fünf Interceptions! Außerdem zählte seine Passquote von knapp 66,10 % zum vorderen Mittelfeld. Das er trotz dieser Umstände also kaum Fehler zulies, macht ihn noch außergewöhnlicher. Darüber sprechen allerdings nur sehr wenige. Auch seine offensiven Anspielstationen lassen hier im Vergleich zu anderen Topteams häufig zu wünschen übrig. In den letzten Jahren avancierte Tyler Lockett (28, WR) zum Lieblingsziel des Strippenziehers. Gilt als verlässlicher Passempfänger und genießt großen Respekt innerhalb der Franchise. Trotzdem, in seinen bislang sechs Spielzeiten, könnte er dieses Jahr zum erst zweiten Mal die magischen 1.000 Yards knacken. Hierzu fehlen ihm noch 80 Yards.

Nicht falsch verstehen. 1.000 Yards sind fantastisch und Lockett ist ein super Spieler, trotzdem hat man in dieser Saison nochmal eine neue Ebene erreicht. Dies liegt an D.K. Metcalf (23, WR)! Metcalf ist einer der Steels des 2019er Drafts. In der 2. Runde an 64. Stelle ausgewählt, knackte das neue „Monster“ der Seahawks bereits vor Wochen die 1.000 Yard Marke. In 14 Spielen holte Metcalf bislang 74 Receptions für 1.223 Yards Raumgewinn. Hinzu gesellen sich noch 10 TD’s! Es ist fair zu sagen, dass Wilson einen Wide Receiver mit solchen Qualitäten in seiner gesamten Karriere bislang nicht hatte. Während Spieler wie Mahomes, Tom Brady (43, QB, Buccaneers) oder auch Drew Brees (41, QB, Saints) zumeist (nicht immer!) mit super Anspielstationen gesegnet waren, hat Wilson dieses Jahr mit Lockett und Metcalf endlich zwei Top Receiver. Dies merkt man auch sofort. Wilson hat die Möglichkeit seine statistisch gesehen, bislang beste Saison aufs Grün zu zaubern. 

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NEUE CHANCEN

Durch die Veränderung der Spielausrichtung hat man das eigene Spiel weiterentwickelt. Das Team hat den Prozess der Veränderung angenommen wie kaum ein anderes. Gerade wenn man als Franchise an einem Wendepunkt steht, tut man sich hin und wieder schwer zu erkennen, was nun getan werden muss. „Never touch a running system“ funktioniert nicht immer. Hier muss man vor allem Head Coach Pete Carroll (69) Anerkennung zollen. Er hat erkannt, dass es keinen Sinn macht mit aller Gewalt zu versuchen, eine neue „Legion Of Boom“ zu formen. Die Spieler, welche er zu Beginn des Jahrzehnts zur Verfügung hatte, waren allesamt Ausnahmekönner. Somit hat er sich darauf besonnen zu verstehen, mit dem Vorhandenen zu arbeiten. Das Vertrauen, welches er Wilson entgegengebracht hat, wird ihm jährlich zurückgezahlt. Schafft man es dem Spielmacher auch endlich mal eine Offensive Line zur Verfügung zu stellen, würde das Spiel noch gefährlicher werden.

Mit Metcalf bewies man ein glückliches Händchen im Draft, welcher nun der kommende Superreceiver der NFL werden könnte. Für den Youngster stehen auf jeden Fall die Sterne, was das Potenzial angeht, sehr günstig. Somit könnte es auch für die diesjährigen Playoffs wieder interessant werden. So richtig hat die Seahawks noch keiner auf dem Schirm. Wenn die Franchise jedoch etwas bewiesen hat, dann das mit ihnen in der Postseason jederzeit zu rechnen ist. Das Team befindet sich auf einem guten neuen Weg, den man bewusst so eingeschlagen hat. Doch auch hier ist man noch nicht am Ende. Fakt ist aber, dass die NFC West die stärkste Division ist und man am Wochenende diese zum insgesamt vierten mal in den letzten 10 Jahren gewinnen könnte! Getragen von einem solchen Erfolg, ist man auch wieder ein heißer Kandidat für den ganz großen Preis. Hier muss dann das neue Gesicht zeigen, wie gut es bisher wirklich ist.

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