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Seattle Seahawks – Eine Verlorene Saison

SEATTLE SEAHAWKS – EINE VERLORENE SAISON

Mit sehr großer Sicherheit haben sich die Seattle Seahawks die laufende Saison ganz anders vorgestellt. Mit Zielen und Ambitionen zu starten ist das Eine, jedoch gibt es immer Faktoren, die man nicht beeinflussen kann. So ist bei den Seahawks einiges nicht nach Plan gelaufen. Seit wenigen Tagen steht nun auch fest, dass das Team 2021 keine reelle Chance mehr auf die Playoffs hat. Mit einer aktuellen Bilanz von 3 – 8 – 0 ist man zu weit weg um sich noch für die Postseason qualifizieren zu können. Selbst wenn man alle verbleibenden Partien gewinnen würde, wäre maximal eine Ausbeute von 9 – 8 – 0 möglich. Das wird realistisch betrachtet nicht reichen.

FEHLENDER DREH- UND ANGELPUNKT

Der Hauptgrund warum man 2021 nicht wirklich auf dem erwartenden Niveau performt, ist das lange Fehlen von Russell Wilson (33, QB). Der Spielmacher war in den letzten Jahren das Zugpferd und der absolute Dreh- und Angelpunkt der Offensive. Ohne Wilson wäre schon in den vergangenen Jahren das Team hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Der Starspieler hat seit jeher eine schwache O-Line und muss somit sehr häufig seine Flexibilität nutzen, um für Magie zu sorgen. So bleiben die Spielzüge häufig doch noch irgendwie am Leben, bis der Strippenzieher einen freien Abnehmer für seine Pässe findet. In der aktuellen Saison verpasste Wilson fünf Partien seiner Seahawks. Das man aus diesen fünf Spielen nur eine Partie gewinnen konnte, ist auch ein Punkt, warum man nun bei so vielen Niederlagen steht.

Des Weiteren ist momentan nicht ganz klar, wie verletzt der Spielmacher weiterhin ist. Man hat seit seinem Comeback das Gefühl, als hat er hier seinem sportlichen Ehrgeiz dem Vorrang gegeben und muss nun dafür Tribut zollen. Wilson präsentiert sich nämlich überhaupt nicht Wilson-Like. Schaut man sich seine Quoten in den drei Spielen seit seinem Comeback an, dann sind das unterirdische Zahlen. Vor seiner Verletzung lieferte er nahezu perfekte Statistiken ab. Hätte er dies die gesamte Saison durchgezogen, sprächen wir hier von einer potenziellen M.V.P.-Saison. Doch nun agiert der wichtigste Faktor der Seattle-Offense mit komplett angezogener Handbremse.

RUSSELL WILSON STATISTIK PRO SPIEL SEIT SEINEM COMEBACK

Passquote ØYards ØTD ØINT ØRate Ø
55,67 %205,00,670,6776,8

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Trotzdem muss man aber auch deutlich sagen, dass man nicht allein die Verletzung Wilsons für die momentane Misere verantwortlich machen kann. Schon zuvor patzte auch das Team mit Wilson „under center“. Was das Team in den vergangenen Jahren stets auszeichnete, war ein fulminantes Laufspiel. Dieses ist in diesem Jahr bei weitem nicht so dominant wie in den Jahren zuvor. Auch hier hat man einen schwerwiegenden Verlust zu verkraften. Running Back Chris Carson (27) konnte lediglich in den ersten vier Partien mitwirken. Seine starken Powerläufe fehlen an allen Ecken und Kanten. Carson powerte seine 100 kg bei 1,80 Meter durch die Defensive Lines und ergatterte im Schnitt 4,3 Yards. Zwar erwies sich Alex Collins (27, RB) als solider Back-Up, jedoch fehlt ihm bei weitem die massive Durchschlagskraft von Carson. Dies zeigt alleine die Tatsache, dass Carson mit seinen drei TD’s in den ersten vier Partien, immer noch genauso viele Touchdowns erlaufen hat, wie alle anderen Running Backs der Seahawks bis dato zusammen!

Eine Katastrophe mit Blick auf das Offensivspiel der Seahawks, welche eigentlich das Laufspiel benötigen, um dann durch Play-Action Pässe ihre starken Passempfänger einsetzen zu können. Dass man auf dieser wichtigen Position so dünn besetzt ist, muss man auch den Teamverantwortlichen zuschreiben. Es kann immer wieder etwas mit Leistungsträgern passieren, aber das man hier auf dieser Position offenbar kaum mehr Tiefe hat, ist sehr erschreckend. Vielleicht ist diese Saison 2021 aber auch mal ein Weckruf um zu sehen, dass es so minimalistisch wie in den letzten Jahren nicht funktioniert. Seit Jahren wünsche ich mir für Russell Wilson eine starke O-Line. Hätte der Junge eine etwas bessere Line zur Verfügung, könnte er noch deutlich mehr zeigen, als er ohnehin schon tut. Wie bereits erwähnt lebte man zu häufig von seinen individuellen Fähigkeiten die Plays zu verlängern. Kein Quarterback wurde in den letzten 10 Jahren, seit Wilson in der Liga ist öfter gesackt als er. Schaut man sich nun noch an, wie variabel der Spieler ist und wie häufig er einen Sack durch seine schnellen und wendigen Bewegungen verhindert hat, dann ist das fast schon eine Frechheit, dass man hier nicht in der Lage ist ihm etwas Vernünftiges zur Seite zu stellen!

DEFENSIVES SPIEL MIT DEM FEUER

Ein weiterer Faktor, warum das Team bisher hinter den Erwartungen zurück blieb ist die oftmals schwankende Defensive. Hier muss man sagen, dass die Verteidigung ein ganz heißes Spiel mit dem Feuer spielt! Das erstaunliche ist nämlich hierbei, was die zugelassenen Yards betrifft ist kein Team schlechter als jenes der Seahawks! Seattle lässt unglaublich viele Yards zu. Während man zumindest auf dem Boden noch etwas dagegen zu setzen hat, ist von der einstigen Stärke der Passverteidigung mittlerweile nichts mehr übrig geblieben. Kein Team lässt durch die Luft mehr Yards Raumgewinn zu wie die Defense aus Seattle. Doch was die Punkte angeht, hält komischerweise das Team stand! Blickt man nämlich rein auf die zugelassenen Punkte, ist Seattle eine Top 10 Defense! Sicherlich kann man hier argumentieren, wenn man einen 98 Yard Drive zulässt und am Ende scheitert der Gegner an der ein Yard Linie und man zwingt ihn zum Field Goal ist doch alles in Ordnung. Dann hat man zwar viele Yards zugelassen aber eben auch nur drei Punkte kassiert. Freilich ist das nicht falsch aber auch keine Dauerlösung!

Man kann sich nicht darauf verlassen, dass der Gegner jedes mal kurz vor dem gelobten Land das Flattern bekommt. Hier gibt es auch Teams in der Liga, mit einer fulminanten Ausbeute in der Red Zone. Aber natürlich will ich hier auch nicht alles schlecht reden. Wenn man es am Ende schafft, dass der Gegner wenig punktet, ist das letztlich ja auch eine gewisse Qualität. Daher muss man hier auch klar sagen, mit Blick auf die bisherigen Ergebnisse, scheitert es häufig an der fehlenden Power in der Offensive. Spiel mit dem Feuer hin oder her, aber wenn man insgesamt acht Mal den Gegner unter 25 Punkte hält und am Ende doch nur drei Siege hat, dann kann man eigentlich der Defensive nicht all zu viel vorwerfen. Das Manko liegt wie bereits beschrieben in der Offensive. Mit einem Blick auf das größere Bild benötigt es aber eben auch mal ein Defensiv Big-Play um die Offensive anzukurbeln. Läuft es mit dem Ball nicht gut, bewirkt ein Big-Play der Defense manchmal wahre Wunder, um das Momentum auf die eigene Seite zu holen. Leider ist man aber auch hier von Seiten der Defense unterirdisch. 

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Mit gerade mal 0,9 Turnover pro Partie gibt es lediglich zwei Teams die schlechter sind! Somit kann man auch nicht sagen, dass die Defense sonderlich viel zusätzlich beiträgt. Auf einen Turnover mit kurzer Feldposition für die Offense braucht man also nicht hoffen. Momentan muss man sich damit begnügen, dass Punkte im Verhältnis zum Raumgewinn der Gegner sehr gering gehalten werden. Interessant ist es aber schon, dass man letztes Jahr in noch ganz anderen Gefilden unterwegs war. Gerade was die Turnover angeht rangierte man im guten Mittelfeld. Allein die Passverteidigung sammelte 14 Interceptions über die gesamte letzte Saison. Allen voran Quandre Diggs (27, FS) holte fünf INT’s. Dieses Jahr hingegen hat man gerade mal vier gefangen! Drei davon gehen mal wieder auf das Konto von Diggs. Ohne den Free Safety stünde es also noch übler um das Team von Head Coach Pete Carroll (70).

Man muss es einfach aussprechen, die Saison 2021 ist für die Seattle Seahawks nicht nur bisher sondern definitiv ein verlorenes Jahr! Dies passiert wenn man über Jahre hinweg, Stichwort O-Line oder Tiefe der Running Backs, seine Hausaufgaben nicht macht. Es mag für eine gewisse Zeit funktionieren, aber eben nicht auf Dauer. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass man diese Saison entsprechend ausführlich analysieren wird, um nächstes Jahr wieder wie gewohnt um die Playoff-Plätze mitspielen zu können. Bedenken muss man eben auch dabei, dass man in der NFC West beheimatet ist. Hier hat man mit den Los Angeles Rams, Arizona Cardinals und auch San Francisco 49ers eine unglaublich große Konkurrenz. Während die Rams aktuell „All In“ gehen, haben die Cardinals sich ein großes Super Bowl Fenster erarbeitet. Auch die 49ers sind eine Franchise, welche oftmals bewiesen hat, von 0 auf 100 innerhalb weniger Jahre zu kommen. Dementsprechend muss Seattle etwas machen um weiterhin erfolgreich sein zu können. Denn gerade was die Passempfänger angeht hat man mit Tyler Lockett (29, WR) und D.K. Metcalf (23, WR) zwei außerordentliche Anspielstationen in ihren Reihen. Diese müssen nur zukünftig, aufgrund anderer Faktoren, wieder besser eingebunden werden. Wir sind gespannt wie die Seahawks sich von diesem Tiefschlag erholen werden!

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