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Tennessee Titans – Griff Zum Letzten Strohhalm

TENNESSEE TITANS – GRIFF ZUM LETZTEN STROHHALM

Momentan belegen die Tennessee Titans den vierten und letzten Rang in der AFC South. Mit zwei Siegen und vier Niederlagen haben die Jacksonville Jaguars bisher dasselbe Resultat und liegen nur wegen dem besseren Standing in der eigenen Division auf Rang drei. Dabei gingen die Titans doch so zuversichtlich in die neue Saison. Drei Jahre in Folge hieß das Resultat am Ende der Spielzeit: Neun Siege und sieben Niederlagen. Drei Jahre in Folge belegte man den zweiten Rang in der AFC South. Nach einem vielversprechenden Draft und der ein oder anderen neuen Personalie hoffte man in Tennessee nun endlich den Status der grauen Maus ablegen und in Sachen Playoffs ein Wörtchen mitreden zu können.

VIELVERSPRECHENDER START

Dabei begann alles noch recht vielversprechend. In Woche eins waren die Titans gleich bei den Cleveland Browns zu Gast. Das Heimteam wurde in der Offseason schon hoch gehandelt, der Kader mit neuen Stars gespickt und die Erwartungen lagen dementsprechend hoch. Es kam anders als alle dachten. Mit 43 zu 13 stellten die Titans die Browns vor heimischer Kulisse bloß und sorgen für den ersten Paukenschlag der 100sten NFL Saison. In Cleveland ging es wie gewohnt schon wieder drunter und drüber, in Tennessee hingegen hoffte man nun endlich auf einen Playoff-Run. Für Marcus Mariota (QB, 25) sollte das Jahr 2019 das wichtigste seiner bisherigen Karriere werden. Im fünften und letzten Jahr seines Rookie-Vertrages, ging es für ihn ab Tag eins um seine Zukunft in der NFL. Nie kam Mariota über den Status des durchschnittlichen Passgebers hinaus, nie passte er für mehr als 3500 Yards und erst einmal warf er mehr als 25 Touchdowns. Egal welche Statistik des Quarterbacks man sich ansieht, überall rangiert er im Nirgendwo. Doch gegen die von Baker Mafield (QB, 24) angeführten Browns zeigte sich Mariota auf einmal von einer ganz anderen Seite und schien nun endlich seine Breakout-Season einzuläuten. Zwar brachte er nur die Hälfte seiner 24 Pässe an den Mann, drei davon endeten aber als Touchdown. Insgesamt passte er für 248 Yards und sorgte für keinen einzigen Turnover. Eine Leistung auf der man generell aufbauen könnte.

Natürlich sah der Quarterback in Woche eins nicht schlecht aus, er bekam aber auch reichlich Unterstützung von seinem Runningback Derrick Henry (25) und der gesamten Defensive. Henry erlief 84 Yards Raumgewinn, einen Touchdown und fing außerdem einen Pass welchen er 75 Yards weit in die gegnerische Endzone trug. Doch Matchwinner Nummer eins war wie bereits erwähnt die Verteidigung rund um NFL-Oldie Cameron Wake. Der 37-jährige Linebacker sackte Mayfield 2,5 Mal, einmal sorgte er sogar für zwei Punkte in dem er ihn in dessen eigener Endzone niederrang und einen Safety verbuchte. Unter großen Druck sorgte der Quarterback der Browns für drei weitere Turnover via Interception. Die Defensive präsentierte sich extrem dominant und erntete einige Lobeshymnen. Doch der Rum dauerte leider nicht lange an. In Woche zwei und drei wurden die Titans Opfer der Indianapolis Colts und der Jacksonville Jaguars. Am vierten Spieltag folgte dann aber ein erneuter Lichtblick. Zu Gast bei den Atlanta Falcons, sorgen Mariota und Co. doch wirklich für eine weitere Überraschung und rangen den Mannen rund um Star-Quarterback Matt Ryan (34) ihr zweites „W“ ab. Die Defensive Atlanta´s war, wie in allen Spielen bisher, maßlos überfordert und erhielt nicht den geringsten Zugriff. Erneut präsentierte sich Mariota gut und ohne Fehler. 227 Passing Yards und drei Passing Touchdowns standen am Ende in seinen Statistiken. In Woche fünf und sechs kassierten die Titanen aber dann zwei ordentliche Abreibungen, gegen die Denver Broncos in Woche sechs sogar einen 16-0 Shootout.

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Die Folge: der Starting-Quarterback wurde noch während des Spiels gebencht und durch Ryan Tannehill (31) ersetzt. Und das völlig zu Recht. Mariota schafft es einfach nicht ein komplettes Team auf seinen Schultern zu tragen, oder gar eine Partie mit seinen Qualitäten, quasi im Alleingang zu gewinnen. Die diesjährige Spielzeit zeigt dies erneut deutlich auf. In beiden Siegen hatte man eine der sechs schlechtesten Redzone-Verteidigungen gegen den Pass gegenüber. Besonders die Falcons scheinen diesem rein Garnichts entgegen bringen zu können. Natürlich hatte man mit den Denver Broncos und den Buffalo Bills zwei der fünf besten Passverteidigungen als Gegner, die Defensive der Jacksonville Jaguars und besonders die der Indianapolis Colts zählen dieses Jahr aber keineswegs zur Elite, sondern eher zum unteren Mittelfeld. Unterm Strich schaffte es Mariota bisher erneut nicht zu überzeugen, die sechs vergangen Partien stehen als Versinnbildlichung seiner bisherigen Karriere. Eine Vertragsverlängerung scheint nun mehr als utopisch. Ganz im Gegenteil. Seine Zeit bei den Titans neigt sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dem Ende.

Karriere Statistiken Mariota
JahrSpielePassing YardsTDINT
20151228181910
2016153426269
20171532321315
2018142528118
20196117972

DER LETZTE STROHHALM

Somit greift Mike Vrabel (44) in seinem erst zweiten Jahr als Head Coach in Tennessee zum letzten Strohhalm, in Form von Quarterback Tannehill, um die Saison doch noch irgendwie zu retten und positiv ausklingen zu lassen. Tannehill hat sich in seinen sechs Jahren bei den Miami Dolphins ebenfalls als durchschnittlicher Playcaller gezeigt, siedelte sich mit etwas besseren Statistiken als Mariota aber eher im oberen Mittelfeld an. In seinem dritten, sowie seinem vierten Jahr in der Liga passierte er die 4000 Passing Yards und warf erst 27 und dann 24 Touchdowns bei je 12 Interceptions. Dies waren die zwei erfolgreichsten Jahre des Quarterbacks. 2016 legte der heute 31-jährige dann den Grundstein für die erste Playoffteilnahme der Dolphins seit 2008, konnte aber nach 13 absolvierten Spielen verletzungsbedingt nichtmehr auflaufen.

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Seine erste größere Verletzung sorgte für einen Knick in seiner Karriere. Nachdem er die ersten vier Jahre in jedem Spiel startete, kamen in den drei Jahren danach insgesamt nur noch 24 weitere Partien dazu. Tannehill präsentierte sich in Punkto Verletzung als wahrer Pechvogel. Noch vor der 2017er Saison riss er sich das Kreuzband, was für ihn das vorzeitige Ende dieser Spielzeit bedeutete. Im Jahr darauf  lief er dann mit einer Knieschiene auf, welche die Aufschrift „Tannehill 2.0“ trug. Glück brachte sie ihm nicht. Wegen einer Schulterverletzung musste er erneut fünf Spiele pausieren. In der folgenden Offseason folgte für den ehemaligen Erstrunden-Draftpick schließlich die Trennung mit der Franchise die ihn 2012 draftete und der Trade zu den Titans.

Um Tannehill zu entlasten und die bisher sehr langweilige Offensive vielseitiger zu gestalten, muss auch das Laufspiel dringend wieder Fuß fassen. Nummer-eins Runningback Derrick Henry belegt mit seinen bisher gesammelten 416 Rushing Yards zwar einen guten 13. Rang aller Läufer, allerdings benötigte er dafür auch überdurchschnittlich viele Versuche. Schon 113 Mal bekam er den Ball hinter der Line of Scrimmage. Nur Top-Rusher Christian McCaffrey (127), Chris Carson (118), Leonard Fournette (115) und Nick Chubb (114) hatten mehr Laufversuche. Alle vier machten aber erheblich mehr aus ihren Touches. Im Gegensatz zur letzten Saison liegt das „Workhorse“ mit seinen 3,7 Yards pro Lauf unter der wichtigen vier-Yard-Marke, 2018 konnte er pro Versuch 4,9 Yards herausschlagen.

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Natürlich liegt das nicht nur am Runningback. Besonders das eindimensionale Play-Calling sorgt bei gegnerischen Verteidigern meist für einfaches Spiel. Zu keiner Zeit gibt es überraschende Plays, nahezu jeden Lauf- oder Passversuch kann man voraus sagen. Noch dazu kommt die unterirdisch performende Offensive Line. Schon in der letzten Saison präsentierten sich die Blocker in keiner guten Verfassung. 47 Mal wurde der eigene Quarterback gesackt, was am Ende der 22ste Platz der gesamten Liga war. Nach den sechs Spielen diesen Jahres ließ man allerdings schon 29 Sacks zu und belegt somit abgeschlagen den letzten Rang aller O-Lines. Rechnet man das hoch, ließen die Titans bis Februar fast 80 Sacks zu! Daran änderte überraschenderweise auch die Rückkehr von Taylor Lewan (OT, 28) in Woche fünf nichts, welcher wegen einer Verletzung in den ersten vier Wochen zum Zusehen verdammt war. Er gilt als einer der besten Left-Tackles der NFL und ist enorm wichtig um die Blind-Side des Quarterbacks sauber zu halten. Gegen die Broncos brachte aber auch er keine Stabilität in die Line. Er und die Männer neben ihm erlaubten Von Miller (LB, 30) und Co. sage und schreibe sieben Sacks! Schafft es Tannehill mit schnellem und sicherem Passspiel die gegnerische Defensive auseinander zu ziehen, würde die O-Line sowie das Laufspiel davon profitieren und neuen Fuß fassen.

Defense lässt hoffen

Die stärkste Komponente stellt in Tennessee aber eindeutig die Defensive. Während der Angriff hackt und sich im Keller der Statistiken wiederfindet, liefert man auf der anderen Seite des Balles regelmäßig ab. Besonders gegen den Pass findet man anscheinend die richtigen Mittel. Hier lassen die Titans die sechstwenigsten Yards und die fünftwenigsten Punkte zu. Außerdem erstaunt der starke Pass-Rush, mit dem man ebenfalls auf Platz sechs aller Teams rangiert. 18 Mal gelang es gegnerische Quarterbacks nieder zu ringen. Allerdings sticht hier kein Akteur besonders heraus, der Verbund in der Front-Seven ist die Stärke der Titans. Die 18 Sacks teilen sich auf elf Spieler auf, vier davon kann Linebacker Harold Landry (23) für sich verzeichnen und hat somit die meisten seines Teams.

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Gegen den Lauf hat Tennessee zwei Gesichter. Mit 104,5 zugelassenen Rushing-Yards liegt man genau in der Mitte aller Teams. Gelangt das gegnerische Team allerdings in die eigene Redzone, geht für die Runningbacks fast Garnichts mehr. Bisher gelangen diesen nämlich nur drei Rushing-Touchdowns, nur vier Teams ließen weniger zu. Die Front-Seven galt schon in der Offseason als große Baustelle. In Runde ein wurde diese Baustelle auch gleich adressiert und ein junger Defensive Tackle nach Nashville geholt. An Position 19 sicherte man sich die Rechte an Jeffery Simmons (22), welcher mit 1,93m Größe und 137kg Gewicht jede Menge Power in die Line bringen sollte. Allerdings muss sich Simmons noch von einem Kreuzbandriss erholen, welchen er sich vor dem Draft zugezogen hatte. Am vergangenen Mittwoch stieg der Defensive-Tackle erstmals ins Team-Training ein und könnte schon am Sonntag gegen die Los Angeles Chargers sein NFL-Debut feiern.

Mariota Geschichte?

Gegen die Chargers stehen also noch einige große Fragezeichen im Raum. Schafft es die O-Line nun endlich dominanter aufzutreten? Kann Tannehill mehr zeigen als sein Vorgänger? Wird die Defensive mit ihrem Rookie noch stärker? Wir werden sehen wohin die Fahrt geht. Es wäre aber nicht das erste Mal, dass nach einem Personalwechsel ein Ruck durch die Mannschaft geht und neue Kräfte freigesetzt werden. Für Mariota heißt es am Ende der Saison aber wohl Endstation. Seit dem er in der Liga spielt, wusste er nur gegen schwache Gegner zu überzeugen. Oft schwankten die Leistungen des an ehemals Position zwei gedrafteten Hawaiianer von gut bis miserabel, nach seinem letzten Vertragsjahr stehen die Zeichen wohl auf Abschied. In der Offseason werden die Tennessee Titans ihr Hauptaugenmerk dann wohl auf die Position des Quarterbacks legen. Doch bis dahin wird noch jede Menge Wasser den Rhein hinunter fließen.

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