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Warum Eine NFL Karriere Sehr Kurz Sein Kann

WARUM EINE NFL KARRIERE SEHR KURZ SEIN KANN

Blicken wir auf die ganz großen Stars der NFL, dann sehen wir natürlich einen Tom Brady (43, QB, Buccaneers) der nun in seine 22. Saison geht! Etwas wirklich außergewöhnliches. Darf man nämlich diversen Medien glauben, dauert eine NFL Karriere gerade mal zwischen 2,5 und 3,5 Jahren! Die Quellen weichen hier sehr stark voneinander ab. Trotzdem ist das ganze sehr glaubwürdig. Warum ist das aber so, dass es zumeist Karrieren gibt, die schon wieder vorbei sind, ehe sie wirklich begonnen haben?

SYSTEM

Das System der NFL ist darauf ausgelegt, ständig jüngere und möglichst auch bessere Spieler in die Liga zu bekommen. Vom College kommen jährlich die besten Spieler und werden in insgesamt sieben Runden in die Liga gedraftet. Wer es nicht schafft, hat trotzdem die Möglichkeit auch als Free Agent sich einen Verein zu suchen und über das Trainingscamp den Sprung in die Liga zu schaffen. Auch dieser Weg hat immer wieder großartige Spieler hervorgebracht, welche in den sieben Draft Runden zuvor übersehen wurden. In den großen Profiligen der USA, ist dieses System in Kooperation mit den Colleges gang und gäbe. Während die Colleges als Ausbildungsstätten fungieren und den Spielern so die Möglichkeit auf eine Profikarriere geben, bekommen die Teams meist nicht einfach nur Topathleten, sondern unglaublich reife Talente. Das Scouting, bis zu einem gewissen Punkt, wird von den einzelnen Schulen übernommen, so dass man dann als Team beim Draft die Qual der Wahl hat.

Auch wenn es so scheint, dass die jungen Spieler alles mit auf den Weg bekommen, gibt es viele die Scheitern. Grund ist hierfür auch der begrenzte Kader. Mit einem 53 Mann-Kader muss jede der 32 Franchises leben. Das sind also knapp 1.696 Spieler auf die gesamte Liga verteilt. Freilich haben wir dann auch noch ein paar, die im „Practice Squad“ aktiv sind oder wegen einer Verletzung auf der „Injurie Reserve List“ verweilen. Andere wiederum suchen noch nach einem neuen Arbeitgeber und sind als Free Agents registriert. Grob Überschlagen kommen wir dann aber auf + – 2.200 Spieler. Außerdem wollen die verletzen Spieler ja auch wieder zurückkommen und Teil des 53 Mann Kaders werden. Egal wie man es dreht oder wendet, ist für jeden Spieler, ob jung oder alt, das Ziel, Teil dieser erlesenen 1.696 Spieler zu werden. Wenn man schaut wie groß die USA ist und das es auch Spieler aus Übersee in die Liga schaffen, ist das gar nicht mal so viel. 

Hinzu kommt, dass jährlich von vornherein neue Spieler dazu kommen, die auch in diesen Kreis dazu stoßen wollen. Im diesjährigen Draft wurden 259 Spieler in den sieben Runden ausgewählt. Hinzu kommen noch über 280 Spieler, die als Rookie Free Agents bei Teams angeheuert haben. Das sind also allein für 2021 fast 550 neue Spieler, die ihren Traum verwirklichen wollen. Diesen Prozess erleben wir nun jedoch jährlich. Stellt man also die Zahl der jährlich neuen Spieler mit der Gesamtzahl der Kaderplätze gegenüber, dann erkennt man recht schnell, dass da irgendwas nicht ganz passt. Was jährlich an neuen Spielern auf den „Markt“ drängt sind ca. 32 % der gesamt Plätze, welche in der Liga überhaupt zur Verfügung stehen. Da versteht es sich von selbst, dass für die meisten Youngster nach bereits wenigen Wochen oder Monaten die Karriere wieder vorbei ist. 

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KONKURRENZKAMPF

Die Folge des Systems ist natürlich ein unerbittlicher Konkurrenzkampf. Am Ende entscheiden oftmals Kleinigkeiten über den Verbleib in einem Kader oder dem Cut. Während die Jungen mit der fehlenden Erfahrung zu kämpfen haben, ist es bei den Älteren der physische Verschleiß. Ein 33 jähriger ist körperlich nach 13 Jahren NFL kaum mehr auf dem Niveau eines frischen 20 jährigen, der in seinem Leben kaum Verletzungen erlebt hat. Nur selten geht eine Karriere außerhalb der Quarterback Position über Anfang 30 hinaus. Dazu musste man im Verlauf der Jahre zu viel einstecken. Verletzungen gehören dazu und die Substanz eines NFL Spielers bröckelt schneller als in den meisten Sportarten. Das ist einfach der Dynamik und Härte des Spiels geschuldet.

Somit haben alle Generationen mit diesem irrsinnigen Konkurrenzkampf, welcher bereits beim System beschrieben wurde zu kämpfen. Wonach der Platz im Kader vergeben wird, ist auch immer abhängig vom Head Coach und dem Trainerstab. Welches Potenzial ist vorhanden, wie ist das Team insgesamt aufgestellt. Welchen Beitrag kann man zum Gesamtbild beitragen? Viele wichtige Entscheidungen werden in den ersten Wochen bzw. Monaten der noch teilweise jungen Karrieren beschlossen. Am Ende kann ein simpler Entschluss, manchmal sogar basierend auf nicht mal sportliche Indizien darüber entscheiden, ob eine Karriere 10 oder 15 Jahre andauert oder eben nur 10 oder 15 Tage! Es klingt absurd aber genauso ist es!

VERLETZUNGEN

Wie bereits angesprochen sind Verletzungen immer wieder große Stolpersteine. Jeder Sportler weiß das, und das ist so, in egal welcher Sportart man aktiv ist. Nach jeder noch so kleinen oder großen Verletzung, muss man sich erstmal wieder zurück kämpfen. In der NFL ist der Weg allerdings oftmals weiter wie bei anderen. Das Spiel ist auf eine unglaubliche physische Stärke aufgebaut. Ohne entsprechende Muskeln ist es gar nicht möglich in der NFL zu bestehen. Hierbei geht es aber nicht darum schön auszuschauen oder den Gegner zu beeindrucken, sondern man benötigt die Muskelpakete tatsächlich. Nämlich zum Selbstschutz! Wenn da eine 1,93 Meter große und 123 kg schwere Dampfwalze wie Myles Garrett (25, DE, Browns) angerauscht kommt, sollte man sich nicht nur auf die Schutzausrüstung verlassen!

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Ist man nun sogar für mehrere Monate komplett draußen, verliert man nicht nur an Muskelkraft, sondern auch schnell an Kondition und allem anderen, was auf diesem Niveau notwendig ist. Wir sprechen hier also nicht nur allein von fehlendem Training oder Spielpraxis, sondern eben auch von den notwendigen körperlichen Attributen. Deshalb ist es für einen NFL Spieler ein sehr weiter Weg zurück zur alten Stärke. Während man dann aber so an seiner Verletzung laboriert und sich regeneriert, spielt jemand auf der Postion des Verletzten. Hier kommen wir wieder zum System und Konkurrenzkampf! Nicht selten erlebt man es, dass sich selbst ein Starspieler und Schlüsselspieler einer Franchise verletzt und dieser nach der Genesung keine Rolle mehr spielt. Manch Einer wird getradet oder gar entlassen! Für Andere ist die Karriere auch ganz vorbei!

DRUCK

Unterschätzen sollte man ebenfalls nicht den Druck. Mentale Stärke ist in jedem Profisport wichtig. Da die NFL zu den wichtigsten und größten Ligen der Welt zählt, ist man hier einem sehr breitem Focus ausgesetzt. Medienrummel nach großartigen Leistungen und vernichtende Kritiken nach Niederlagen. Alles innerhalb weniger Tage! Nicht jeder Mensch ist dafür gemacht, auf diesem Niveau mental zu bestehen. Was allerdings viele Spieler als größten Druck empfinden, ist der Konkurrenzkampf, vor allem wenn man verletzt ist. Hier haben wir die Schnittstelle zu den beiden vorherigen Punkten. Es nagt an einem Spieler zuschauen zu müssen, wie vielleicht sogar ein Jungspund, einem den Rang nach vielen erfolgreichen Jahren innerhalb weniger Wochen abläuft. Man kann nichts dagegen machen, nur zuschauen. Genau das ist auch der Grund, warum nach oder gar während einer Verletzung manche Spieler dazu neigen verbotene Substanzen zu nehmen. 

Lieber mit Schmerztabletten und unter Schmerzen spielen, als zu pausieren und ggf. den Job zu verlieren. Man ist gezwungen so schnell wie möglich auf den Platz zurückzukehren. In bester Kondition und Topfit, um seinen Job und den Traum zu behalten. Nicht falsch verstehen, dass soll keine Entschuldigung für Dopingsünder sein. Ist aber eine wahrlich nachvollziehbare Erklärung warum es so häufig zu etwaiger Fälle kommt. Man hat Verantwortung gegenüber seiner Familie. Außerdem verliert niemand gerne seinen Job. Angst ist für die meisten Spieler der Liga ein stetiger Begleiter.

FLEXIBILITÄT

Ist man als Spieler nicht flexibel, dann hat man in der NFL nichts verloren. Selbst große Stars sind nicht sicher vor Trades. Erst kürzlich wurde Julio Jones (32, WR) von den Atlanta Falcons nach 10 Jahren an die Tennessee Titans abgegeben. Ein Spieler der sich grundsätzlich nichts zu schulden kommen lassen hat. Mittlerweile hat er aber die drei in seinem Alter auf der falschen Seite stehen und somit ist er entbehrlich geworden. Jeder Spieler, außer man hat eine entsprechende Klausel in seinem Vertrag verankert, ist tradebar. Dabei kann es dann also einen zu jedem Team der Liga verschlagen. Man kann von Boston, im Norden der Ostküste, nach San Diego, direkt an der Mexikanischen Grenze der Westküste binnen weniger Stunden verschippert werden. Machen kann man dagegen gar nichts. Blöd ist es dann natürlich nicht nur wenn es örtlich in eine ganz andere Richtung geht, sondern auch sportlich. Vom sicheren Playoff und Super Bowl Contender, kann es dann zum schwächsten Team der Liga gehen. Auf all diese Gegebenheiten hat man kaum Einfluss.

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Dazu gibt es aber auch noch die Spieler, die überhaupt um einen Platz im Kader kämpfen. Nicht wenige Spieler erleben gerade in der Offseason ein stetiges Auf- und Ab! Es gibt Spieler die werden innerhalb einer Woche dreimal entlassen und viermal wieder angestellt! Nicht selten sogar beim gleichen Team. Es wird eine gewisse Flexibilität erwartet. Ist man nicht bereit diese mitzubringen, dann sollte man sich definitiv einen anderen Job suchen. Auch dieses Leben ist etwas, was man nur eine gewisse Zeit aushalten kann. Hat man eine Familie und Kinder, sollte man irgendwann sesshaft werden. Seiner Frau und den Kindern, kann man es eigentlich kaum zumuten ständig umzuziehen. Daher verstehen bereits viele Spieler nach kürzester Zeit, dass es für sie keine langfristig planbare Zukunft gibt und entscheiden sich dann selbst dafür die Segel zu streichen. 

WAS SAGT DIE NFL?

Die NFL selbst sieht das Ganze natürlich etwas anders. Erst kürzlich lies man eine Statistik veröffentlichen, in dem man die kurzen Karrieren als „Mythos“ abtat. Natürlich möchte die Liga hier einen gewissen Ruf vermeiden. Die oben genannten Punkte sind allerdings Fakten. Zwar mögen auch die folgenden Zahlen der NFL stimmen, doch reden wir hier von Spielern, die auch eine besondere Klasse mitbringen. Von den oben genannten Widrigkeiten sind diese zumeist nach einer gewissen Zeit nicht mehr unbedingt betroffen. Klasse setzt sich am Ende durch, daher sollte man die Statistik der NFL auch separat einordnen. Der Wahrheit entsprechend halte ich die Zahlen der NFL für wirklich repräsentativ aber eben mit dem Beigeschmack, dass es sich hier um Spieler mit einer in der Regel außerordentlichen Qualität handelt.

  • Lt. der NFL haben Rookies, welche es in ihrem ersten Jahr in den Kader des Teams am 1. Spieltag schaffen, eine Karriere von im Schnitt sechs Jahren. Im Vergleich zu anderen Sportarten erscheint aber selbst das recht wenig.
  • Ein Spieler der mindestens drei Spiele, in drei Saisons im Kader eines Teams steht, kommt demnach auf eine Karriere im Schnitt von 7,1 Jahren.
  • Erst-Runden-Picks im Draft haben im Schnitt eine Karriere von 9,3 Jahren
  • Für Spieler die es mindestens ein Mal in den Pro Bowl geschafft haben, liegt die durchschnittliche Karriere Dauer bei 11,7 Jahre!

Wir lassen das ganze jetzt mal so stehen. Fakt ist es, dass jeder Platz im Kader hart erarbeitet werden muss. In der NFL bekommt man nichts geschenkt! Das mag für die Protagonisten unglaublich mühselig und belastend sein, ist aber auch eine der Gründe warum wir dieses unglaublich hohe Niveau haben. Jeder muss Leistung bringen und nahezu perfekt sein um bestehen zu können! Wer das nicht kann, hat dann eben keine 11,7 Jahre in der NFL, sondern unter Umständen nur ein paar Tage!

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