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Wie Geht Es Weiter Für Die Green Bay Packers?

WIE GEHT ES WEITER FÜR DIE GREEN BAY PACKERS?

Die Fans der Green Bay Packers waren dieses Jahr erneut euphorisch und begeistert von ihrem Team. Kein Wunder, denn das Team schaffte es nach einer starken Saison 2020 noch einmal einen Gang hochzuschalten und extrem attraktiven und erfolgreichen Ball zu spielen. Aber erneut sitzt die Enttäuschung tief. Erneut musste man kurz vor dem großen Ziel einen Schlag in die Magengrube hinnehmen. Erneut versagte das Team, als es am wichtigsten war. Doch woran lag das? Und wie geht es für die Green Bay Packers nun weiter?

Dominante Regular Season

Eigentlich ist es unfassbar. Kaum ein Team konnte in dieser Saison so überzeugen wie die „Cheeseheads“. Unfassbar dominant und beinahe selbstverständlich marschierte man durch die reguläre Saison. Kein Gegner konnte ihnen wirklich das Wasser reichen, auch wenn man nicht ungeschlagen durchmarschierte. Es war kein großes Wunder, dass immer mehr Leute die Packers als den großen Favoriten für die Vince-Lombardi-Trophy ausmachten. Die Offensive strotzte vor Selbstvertrauen und fand immer die richtige Lösung für verschiedenste Aufgaben. Neu war, dass auch die Defensive dieses Jahr auf Contender Niveau performte. Nur ein Teil des Teams konnte schon von Anfang an nicht wirklich mithalten, die Special Teams, was schon damals für ordentlich Zweifel in der Anhängerschaft der Franchise sorgte.

Wie gewohnt konnte man sich auch dieses Jahr auf das kongeniale Duo aus den beiden Stars, Aaron Rodgers (38) und Wide Receiver Davante Adams (29) verlassen. 123 Mal glückte die Verbindung zwischen den beiden über den Pass. Das Ganze für 1553 Yards und elf Touchdowns. In Punkto Receptions und Receiving Yards jeweils Bestmarken für den Ballempfänger. Die beiden Werte brachen auch den Franchise internen Rekord von 1519 Yards, den einst Jordy Nelson (36) im Jahr 2014 aufstellte, sowie die 115 Receptions von Adams aus der vorhergehenden Spielzeit. Rodgers performte wieder auf absolutem Weltklasse Niveau. 4115 Passing Yards bei 37 Touchdowns sprechen für sich. Die größte Stärke lag jedoch mal wieder in der geringen Anzahl der Turnover. Mit nur vier Interceptions hatte Rodgers die elfte Saison in Folge mit unter zehn Pässen in die Hände des Gegners. Was Also die Touchdown-Interception Rate angeht, macht ARod nach wie vor niemand etwas vor. Den Titel MVP könnte er dieses Jahr sogar verteidigen.

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Unterstützung bekam die Passing Offense vom starken Laufspiel. Die Lücke die Jamaal Williams (26) nach Auslaufen seines Vertrages als zweiter Runningback hinterließ, wurde von AJ Dillon (23) mindestens gleichwertig gefüllt. Das Kraftpaket erinnerte nicht nur bei der Combine mit ähnlichen Zahlen an Derrick Henry (28), auch sein brachialer und kraftvoller Laufstil ähnelt dem Henrys. „Quadzilla“, wie Dillon wegen seiner massiven Oberschenkel genannt wird teilte sich die Anzahl der Laufspielzüge mit Nummer eins Runningback Aaron Jones (27) gleichwertig auf. Dillon kam auf 187 Versuche und legte dabei 803 Yards zurück. Während Jones 171 Mal ran durfte und 799 Yards zurücklegte. Das gleichmäßige Aufteilen des Laufspiels zeigte sich in jüngerer Vergangenheit in der gesamten Liga als guter Schachzug heraus, schwere Verletzungen bleiben aus, Lauf- und Playaction Spielzüge sind schwerer auszurechnen und für die Postseason hat man meist zwei fitte Akteure für das Backfield.

Und auch defensiv leistete man ganze Arbeit. Die gute Auswahl im Draft und eine solide Free Agency Arbeit in den letzten drei bis vier Jahren zahlte sich dieses Jahr erneut aus. Trotz einiger Personalprobleme durch schwerere Verletzungen, konnte die Verteidigung stark auftrumpfen. Mit Jaire Alexander (24) und ZaDarius Smith (29) fielen gleich zwei Top Akteure langfristig aus. Die Lücke die Alexander riss, wurde prompt mit einem Free Agent gefüllt, der die ganze Szene überraschte. Rasul Dougles wurde ohne Vertrag vom freien Markt geholt, vorher war er bei den Philadelphia Eagles und den Carolina Panthers unter Vertrag. Außerdem wurde er von mehreren Teams aufs Abstellgleiß gestellt und endete 2020 im Practice Squad der Arizona Cardinals, wo die Packers dann auf ihm aufmerksam wurden. Der Cornerback bedankte sich mit einer grandiosen Saison und fünf Interceptions. Ein weiterer Free Agent der richtig einschlug war Linebacker De´Vondre Campell. Viele Fans wünschten sich einen größeren Namen um endlich die Probleme auf der Middle Linebacker Position auszumerzen, in Campell sah kaum einer die Lösung. Doch der 28-jährige sorgte für enormes Aufsehen. Mit 146 Tackles steht er am Ende der Saison unter den sieben Besten der Liga. Obendrein kamen zwei Interceptions und zwei Sacks. Mit Campell und Dougles gelangen Green Bay gleich zwei starke Offseason Moves.

Kryptonit Special Teams

Aber wie bereits erwähnt überzeugte das Special Team schon seit Beginn der Saison überhaupt nicht. Ständig wechselte man, auch verletzungsbedingt, bei Punts und Kickoffs zwischen den Returnern hin und her. Andauernd konnte man dort Unsicherheiten erkennen, Fumbles, Muffed Punts und sehr schwache Returns waren die Folge. Am Ende stand man im Returning Game überall im Keller der Liga. Im Schnitt 17,7 Yards bei gegnerischen Kickoffs und nur acht Yards bei gegnerischen Punts, sind auf ganzer Linie enttäuschend. Kein anderes Top Team kann so schlechte Zahlen bei Returns aufweisen. Doch besonders im Kicking Game musste man sich harscher Kritik stellen. Lange Zeit war Mason Crosby (37) Kicker auf höchstem Niveau, unumstritten war er nie. Immer wieder streute er eine richtig schwache Saison ein und verballerte ein Field Goal nach dem anderen. Mir fällt da sofort die Saison 2012 ein. Kurz nach dem Super Bowl Triumph der Packers, erreichte der Veteran seinen Karrieretiefpunkt. Nur 21 Mal gelang es ihm das Ei zwischen die Pfosten zu schießen und das bei 33 Versuchen. Es waren also nur 63,6 Prozent aller Fieldgoals erfolgreich, eine miserable Rate.

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Viele forderten damals einen Personalwechsel auf der oft spielentscheidenden Position, doch das Front Office hielt an Nummer Zwei fest. Das erwies sich auch als guter Schachzug. Crosby wurde nie einer der Kicker mit der höchsten Trefferrate, solide konnte er dann aber meist abliefern. Die saisonübergreifenden Leistungsschwankungen waren jedoch nicht zu übersehen. Und die wohl Letzte konnten wir dieses Jahr beobachten. Nachdem ihm in der vergangenen Spielzeit nicht ein Fehlversuch bei Field Goals unterkam, hatte Crosby dieses Jahr wieder einen richtigen Tiefpunkt. Nur 25 von 34 Versuchen gelangen ihm für drei Punkte. Für ein Contender Team ist eine Quote von 73,5 Prozent jedoch einfach zu niedrig und der zweit niedrigste Wert der NFL.

Im Großen und Ganzen war es also beinahe abzusehen, dass die Special Teams den Packers früher oder später das Genick brechen würden. In den Playoffs dürfen einem solche Fehler einfach nicht passieren, dort heißt es alles oder nichts. Werden dann Punts geblockt und Field Goals verballert, wird die Vince Lombardi Trophy niemals in Reichweite sein. Hier besteht  großer Handlungsbedarf in der Offseason. Das Hauptaugenmerk sollte auf einem neuen Returner, sowie einem Kicker mit hoher Trefferquote liegen, wenn man endlich um den Titel mitspielen will.

Wie gehts weiter?

Nun rumort es natürlich wieder heftig in Wisconsin und der NFL Welt. Was passiert mit Rodgers? Beendet er seine Karriere? Kommt nun der große Rebuild? Ist das Thema Super Bowl jetzt erst mal passee? Und was passiert mit Adams? Meiner Meinung nach gibt es zwei Wege, die die Franchise jetzt einschlagen kann.

Weg 1 – Neuanfang

Viele halten es für wahrscheinlich, dass die Ära Rodgers in grün und gold jetzt vorbei ist. Es scheint wie ein Fluch, aber ARod scheint in diesen Farben keinen zweiten Super Bowl gewinnen zu können. Natürlich steht im Alter von 38 Jahren das Karriereende im Raum. Zwar scheint der Quarterback noch nicht über dem Zenit zu sein, jünger wird er aber auch nicht. Eher sehe ich Rodgers in einem anderen Jersey. Schon seit letzter Saison sind hier die Denver Broncos im Gespräch, sie schienen heftig um die Rechte des Spielmachers gekämpft zu haben. Seitdem dort der neue Head Coach verpflichtet wurde, brodelt die Gerüchteküche wieder erneut auf. Denn der neue Cheftrainer ist niemand geringerer als der diesjährige Offensive Coordinator der Green Bay Packers, Nathaniel Hackett (42). Und natürlich wird es wieder Diskussionen um eine Rückkehr an die Geburtsstätte von Rodgers geben, nämlich Kalifornien. Bei den San Francisco 49ers ist die Quarterback Situation nämlich alles andere als klar. Jimmy Garoppolo (30) ist eher der System Quarterback, führt sein Team dieses Jahr aber erneut tief in die Playoffs. Sein eigentlicher Nachfolger Trey Lance (21) konnte bei seinen Einsätzen noch nicht in Gänze überzeugen, befindet sich aber auch noch in seinem Rookie Jahr. Würde Aaron Rodgers den Wunsch äußern in seiner Heimat aufzulaufen, kann sich San Francisco das nicht entgehen lassen und würde prompt zum Nummer Eins Favoriten werden.

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Dann stände der Rebuild bei den Packers im Raum. Ein richtiger Rebuild wäre das allerdings auch nicht. Denn das Team ist alles andere als unvollständig. Man könnte Nachwuchsquarterback Jordan Love (23) hinter eine immens starke Offensive Line stellen, wo er nicht so aufgeschmissen wäre wie ein Trevor Lawrence (22) bei den Jacksonville Jaguars. Auch die Defensive fällt alles andere als auseinander. Außer den beiden überraschend stark aufspielenden Neuverpflichtungen Campell und Dougles muss man kaum um Vertragsverlängerungen kämpfen. Im besten Falle wäre es also Plug and Play. Dass Love noch nicht auf dem Niveau seines Vorgängers abliefern kann, ist klar. Der Druck wäre in Starter Jahr eins aber auch noch nicht da. Nicht außer Acht sollte man außerdem die Unruhen lassen, die Rodgers immer wieder, Jahr für Jahr in die Franchise trägt. Wenn das wegfällt, kann ich mir vorstellen, dass das Team noch näher zusammenrücken kann.

Weg 2 – The last Dance

Für mich ist es allerdings wahrscheinlicher, dass man sich für Weg Nummer zwei entscheiden wird. Wie jedes Jahr fehlt jedes Bekenntnis von AR12 wieder zu seinem Team zurückzukehren, oder ihnen den Rücken zu kehren. Erneut wird sich das Ganze bis tief in die Offseason, bis kurz vor die Saison hinziehen. Wünschenswert wäre eine Richtungsentscheidung vor dem Draft, um die Spielerauswahl dort anzupassen. Es gibt Parallelen zu Micheal Jordan (58) zum Ende seiner Karriere, im letzten Jahr warfen die Verantwortlichen noch einmal alles in den Ring und bildeten ein Star Ensemble rund um die Basketball Legende. Ähnliches könnte man nun in Wisconsin beobachten. Natürlich ist das Team nicht für die größten Free Agency Moves bekannt, geht es allerdings um alles oder nichts, kann sich das schnell ändern. Wenn man Rodgers also überzeugt ein weiteres Jahr zu bleiben, und ganz nebenbei zu seiner Vertragspflicht zu stehen, muss man auch dringend Adams halten. Das beste Quarterback – Wide Receiver Duo der NFL würde ohne Frage erneut abliefern. Der Vertrag des Ballempfängers endet zum Super Bowl, an Angeboten wird es ihm nicht fehlen.

Neben Adams sollte man dann aber noch mal in die Tasche greifen und eine solide Nummer Zwei arrangieren. Natürlich ist Allen Lazard (26) kein schlechter Mann, schaut man sich das Receiver Team der Tampa Bay Buccaneers aber an, ist das Waffenarsenal in Green Bay definitiv ausbaubar. Einige sind natürlich der Meinung, man könne Rodgers und Adams nicht zeitgleich bezahlen. Aber das Budget hat hier jede Menge Spielraum. Wieder bringe ich das Beispiel Tampa Bay. Sie setzten jetzt schon das zweite Jahr alles auf eine Karte und konnten die finanziellen Mittel sogar so aufteilen, dass sie sich gleich drei Nummer Eins Receiver, sowie zwei Top Tight Ends leisten konnten.

Eigene Meinung

Aus meiner Sicht, muss ich als Packers Fan sagen: Egal welchen Weg das Front Office wählt, ich freue mich auf die Zukunft. Ich bin mittlerweile nichtmehr der Meinung dass man Aaron Rodgers mit allen Mitteln halten muss. Mit den teilweise aus der Luft gegriffenen Spekulationen von Clickbait Seiten wie ran und Co. müssen wir uns ohnehin jedes Jahr herumschlagen. Für die Franchise führt in näherer Zukunft aber kein Weg um neue Aufgaben und Herausforderungen herum. Hält man den Quarterback allerdings doch, kann man Adams binden und eventuell sogar noch den ein oder anderen großen Fisch an Land ziehen, freue ich mich aber auch auf ein weiteres Jahr in dem die Packers wieder um den Titel mitspielen können.

In dem Sinne: Go Pack Go!

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